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Rock Hard Festival 2013

Die Metallergemeinde muss mit wahrhaftem Glück gesegnet sein

Threshold

Was haben letztes Jahr nicht einige herumgejammert, dass Prog Metal auf dem Rock Hard Festival nicht funktionieren würde, als Psychotic Waltz mit ihrem komplexen Material dem Amphitheater ihre Aufwartung machten – ohne dabei zu berücksichtigen, dass ein nicht unerheblicher Teil des Publikums die Amerikaner abfeierte und trunken vor Glück in anderen Sphären schwebte. Anno 2013 schicken sich nun Threshold an, diesen Nasen das Gegenteil zu beweisen. Es gibt in diesem Genre einfach keine zweite Band, die so raffiniert Eingängigkeit und technischen Anspruch miteinander verbindet, und so kann man hoffen, dass zu dieser Truppe mehr Leute Zugang finden als zu Devon Graves und Co. Außerdem stellen die Engländer mit ihren wunderbaren Melodien einen schönen Farbtupfer inmitten der größtenteils härteren Bands dar, da kann man dann auch mal durchschnaufen und sich fallen lassen.

Oder auch nicht. Wer die Combo schon einmal mit Damian Wilson live gesehen hat, weiß, dass der Mann stets darauf bedacht ist, die Leute bei Laune zu halten und sich nicht zu schade ist, sich selbst unters Volk zu mischen. Doch dazu später mehr, zunächst einmal nervt es, dass es schon wieder Soundprobleme gibt – beim Opener „Mission Profile“ ist Karl Grooms Gitarre viel lauter als die von Pete Morten (und man hatte bereits Schlimmstes in der Richtung befürchten müssen, da in der Umbaupause zuvor bereits zu sehen war, wie Morten und ein Techniker vor dem Verstärker standen und allem Anschein nach herumrätselten) und Richard Wests Keyboard ist beim folgenden „Don’t Look Down“ (komischerweise wie schon auf der Clubtour beim Konzert in Hamburg Anfang März) nicht zu hören. Natürlich ist es auf einem Festival mit dem Sound immer schwieriger als bei Clubgigs, aber langsam reicht es auch mal und wenn permanent hier und da dieses und jenes nicht zu hören ist, pisst einen das irgendwann schon mächtig an.

Bereits zum dritten Mal sind Threshold beim Rock Hard Festival am Start, wie RH-Prog-Experte Michael Rensen in seiner Ansage erklärt, mussten 2003 jedoch wegen eines Tornados abbrechen, konnten dafür aber 2005 kräftig abräumen. Dass sie das dieses Jahr erneut tun, dafür sorgt schon allein oben erwähnter Damian Wilson. In einer längeren Instrumentalsequenz von „Don’t Look Down“ rennt er von der Bühne herunter und bis auf die Stufen zwischen die Zuschauer und animiert diese zum Mitklatschen – eigentlich ein gefundenes Fressen für die Fotografen, wären diese zu diesem Zeitpunkt nicht noch im Graben. Auch die Saitenfraktion grinst sich immer mal wieder an, man merkt einfach, dass die Jungs so richtig Bock haben – die Truppe zockt nicht nur tight wie Sau, sondern kommt außerdem absolut sympathisch und bodenständig herüber.

Wilson möchte zwischendurch außerdem gerne wissen, ob den Fans Tank mit „Zippy“ am Mikro gefallen habe (dazu sei gesagt, dass Gitarrist Karl Groom bereits mehrere Alben von Dragonforce, bei denen ZP Theart ja früher sang, produziert hat; man kennt sich also), und einem Crowdsurfer reicht er sogar die Hand, als dieser von der Security rausgetragen wird. Überhaupt: Allein die Tatsache, dass es Crowdsurfer bei diesem Gig gibt, beweist, dass die Briten auch als Progger sehr gut ankommen. Wenn man allerdings auch nur Hits im Gepäck hat, kann das ja auch nicht so schwer sein. Die Songauswahl ist im Prinzip mit der von der Clubtour identisch, nur dass wegen der kürzeren Spielzeit natürlich ein paar Stücke gestrichen werden müssen.

Zur Mitte des Sets hin ist dann auch der Sound gut, sodass man sich wenigstens an der zweiten Hälfte ohne sich beschweren zu müssen ergötzen kann. Nach dem Rausschmeißer „Slipstream“ ist Wilson dann wie auf der Tour im Frühjahr gleich wieder im Publikum, redet mit den Leuten und lässt sich mit den Fans fotografieren. Was für ein unglaublich cooler Typ – den lautesten Applaus bei der Bandvorstellung darf trotzdem wieder mal Drummer Johanne James für sich verbuchen. 

Setlist:

Mission Profile
Don’t Look Down
Ashes
The Rubicon
Light And Space
Pilot In The Sky Of Dreams
Slipstream

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