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Rock Hard Festival 2013

Die Metallergemeinde muss mit wahrhaftem Glück gesegnet sein

Queensrÿche

Ähnlich gespannt wie am Vortag auf Ashes Of Ares sind die Besucher des Rock Hard Festivals wohl auch auf den Auftritt von Queensrÿche – nicht die Variante mit Geoff Tate, der sich nach einer unsäglich peinlichen und richtig ekelhaften Medienschlammschlacht ja von der Instrumentalfraktion abkapselte (beziehungsweise die Instrumentalfraktion sich von ihm) und ein eigenes Line-up formierte, das sich, nachdem die Rechtslage immer noch nicht ganz geklärt ist, ebenfalls Queensrÿche nennt, sondern eben die andere, bestehend aus Michael Wilton, Scott Rockenfield, Eddie Jackson und Parker Lundgren, die sich mit Todd La Torre zusammengetan haben. Jene Version gilt, wie man Kommentaren im Netz und Gesprächen mit Fans entnehmen darf, bei gefühlten 99 Prozent der Anhänger der Seattler Metaller als die „richtige“, denn auch wenn man im Prinzip ja stets vorsichtig sein sollte mit Aussagen in Bezug darauf, wer nun das Recht auf seiner Seite hat, wenn man nicht gerade ein Bandintimus ist, hat sich Tate mit reichlich arrogant wirkendem Gehabe sowie Spuck- und Prügelattacken selbst ins Abseits gestellt.

Und wer gehört hat, wie großartig Todd La Torre die alten Crimson Glory-Songs (bei denen er bis vor kurzem ja ebenfalls sang) interpretiert hat, dürfte dem Auftritt eigentlich relativ sorglos entgegenblicken. Außerdem wurde ein Klassiker-Set angekündigt – die Vorfreude ist dementsprechend groß. Mit „Queen Of The Reich“, der allerersten Single, die die Band im Jahre 1983 veröffentlichte, wird in den Set gestartet, und sofort dürften auch beim letzten Skeptiker alle Zweifel weggewischt sein, denn La Torre zeigt sich in bestechender Form und die tight und spielfreudig zockenden Instrumentalisten stehen ihm in nichts nach. Auch am Sound gibt es absolut nichts auszusetzen, sodass die Basis für ein tolles Konzert gelegt ist.

Es folgen tatsächlich ausschließlich Songs der ersten vier Alben, die jeder Metaller, Progger und Hard Rocker einfach in seinem Regal stehen haben muss, lediglich zwei neue Stücke („Redemption“ und „Fallout“) werden zwischendurch eingebaut, von denen letztgenanntes heute sogar Livepremiere feiert. Diese beiden Songs hören sich doch recht vielversprechend an, machen Laune und lassen darauf hoffen, dass die Amerikaner in neuer Besetzung und ohne einen mutmaßlichen Diktator endlich mal wieder eine vernünftige Scheibe abliefern, nach all dem Rotz, den sie in den letzten Jahren auf die Menschheit losgelassen haben. Ansonsten hagelt es Klassiker über Klassiker, Kompositionen à la „Speak“, „Walk In The Shadows“, „The Whisper“, „Warning“, „The Needle Lies“, „Roads To The Madness“ oder „Eyes Of A Stranger“ werden inbrünstig mitgeschmettert, sodass sich auch Todd La Torre beeindruckt zeigt.

Ohne überflüssiges, überhebliches Rockstar-Getue bedankt er sich artig bei den Fans, dass sie ihn als neuen Frontmann akzeptieren, und begegnet den unerfreulichen Geschehnissen zuletzt mit der Aussage „as you know we had a lot of great stuff happening to us in the past few months“ mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Dass Geoff Tate ein fantastischer Sänger und unglaublich begabter Texter ist, steht selbstverständlich weiterhin außer Frage, doch Todds bodenständige Art wirkt dann doch um einiges sympathischer, mal ganz abgesehen von der makellosen Performance heute Abend.

Die Zuschauer schweben im siebten Himmel, ein Fan in der Reihe hinter dem Autoren dieser Zeilen, der ohnehin schon die ganze Zeit voller Enthusiasmus völlig aus dem Häuschen ist, ruft nach der ersten Zugabe „Take Hold Of The Flame“ geradezu flehentlich: „Noch eins! Bitte!! Noch eins!!!“ – und wird in Form von „Empire“ (das natürlich nicht fehlen darf) erhört, aber dieser Kollege ist nur ein Beispiel aus einer lechzenden Meute. Wirklich ein Wahnsinns-Auftritt, ganz großes Kino, und wenn man überhaupt einen Kritikpunkt anbringen könnte, dann höchstens den, dass gerne noch jede Menge weiterer Klassiker hätten gespielt werden können – alle restlichen Songs von „Operation: Mindcrime“, „Jet City Woman“ oder „Best I Can“ zum Beispiel. Aber es gibt nun mal ein zeitliches Limit und man kann schließlich nicht alles haben… Ergänzend sei noch erwähnt, dass der WDR Rockpalast, der auch dieses Jahr wieder fleißig mitfilmt, aufgrund des Rechtsstreits mit Geoff Tates Band nur die beiden neuen Stücke wird ausstrahlen dürfen.

Setlist:

Queen Of The Reich
Speak
Walk In The Shadows
The Whisper
En Force
Redemption
Fallout
Child Of Fire
Warning
The Needle Lies
Prophecy
Roads To Madness
My Empty Room
Eyes Of A Stranger
--------------------------------
Take Hold Of The Flame
Empire

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