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Rock Hard Festival 2013

Die Metallergemeinde muss mit wahrhaftem Glück gesegnet sein

Naglfar

Nach dem spaßigen, kurzweiligen Auftritt von Desaster ist es nun an der Zeit für Black Metal mit viel Tiefgang. Naglfar sind zweifelsohne eine der technisch und musikalisch versiertesten Combos des Genres und schreiben zudem sprachlich sehr anspruchsvolle Texte; zwar soll es ja Leute geben, die die Band schon völlig abgeschrieben haben, seit Ausnahmefrontmann Jens Rydén die Schweden gut ein Jahr nach dem Release des 2003er Überfliegers „Sheol“ verlassen hat, doch auch wenn die Jungs es nicht mehr geschafft haben, das Niveau dieses Hammeralbums wieder zu erreichen, lieferten sie stets verlässlich Qualität ab. Und dass der frühere Bassist Kristoffer Olivius, der inzwischen als Sänger fungiert, ebenfalls ein sehr begabter Black-Metal-Shouter ist, kann nun wahrlich nicht bestritten werden.

Eigentlich sollten Naglfar bereits vor zwei Jahren hier auftreten, doch da machte ihnen die schwedische Fluggesellschaft einen Strich durch die Rechnung, da deren Mitarbeiter streikten und die Gruppe so nicht rechtzeitig an Ort und Stelle sein konnte. Die Freude darüber, dass das Quintett nun endlich am Start ist, scheint sich allerdings in Grenzen zu halten, denn im Gegensatz zum vorigen Auftritt ist es eindeutig leerer geworden. Schade eigentlich, denn diese Combo hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, auch wenn der Auftritt leider wieder einmal mit einer Soundpanne beginnt. So ist die Leadgitarre nicht wirklich zu hören und auch im weiteren Verlauf ist der Sound recht breiig und beim mächtigen „The Darkest Road“ dauert es gar bis zum Chorus, bis überhaupt zu erkennen ist, um welchen Song es sich eigentlich handelt.

Natürlich sind die Schweden zu gute Musiker, als dass man von einem schwachen Konzert sprechen müsste, aber so richtig zünden will die Angelegenheit irgendwie nicht. Immerhin ist Kristoffer Olivius für einen Schwarzstahl-Fronter ziemlich redselig und lässt sich von den Soundproblemen nicht beirren. Nach der dritten Nummer erklärt er, man sei nach neun Jahren endlich wieder hier und wolle jede Menge altes Zeug spielen, von dem der grandiose „Sheol“-Opener „I Am Vengeance“ den Anfang macht. Tatsächlich präsentieren Naglfar hier und heute einen Querschnitt durch beinahe ihr gesamtes Schaffen: Jedes der sechs Album ist mit mindestens einem Song vertreten, lediglich das Death-Metal-lastigere „Diabolical“ wird ausgeklammert. Und beim großartigen „As The Twilight Gave Birth To The Night“ vom Debüt „Vittra“ darf sich Götz Kühnemund freuen, dass Kristoffer dieses Stück ihm widmet.

Letzterer kalauert sogar ein bisschen herum, als er vor dem darauffolgenden „A Swarm Of Plagues“ fragt, ob die Leute mehr hören wollen, und dann sagt: „We’re getting old, so I don’t know if we can play any more“, allerdings gleich einräumt, dass das ein ziemlich schlechter Joke war. Es sei ihm verziehen, immerhin ist es schon erstaunlich genug, dass es überhaupt witzelnde BM-Sänger gibt – diese Spezies dürfte wohl doch eher selten anzutreffen sein.

Inzwischen ist der Sound deutlich ausgeglichener, dummerweise neigt sich der Gig aber bereits dem Ende zu, denn „Harvest“ markiert anschließend bereits die Abschlussnummer. Schon eine solide Sache und allein wegen der tollen Songs und der guten Setlist sehens- und hörenswert, aber eben auch nicht zu hundert Prozent überzeugend. Der größtenteils schwache Sound und die immer wieder festgestellte Tatsache, dass Schwarzmetall bei Tageslicht eben nur bedingt funktioniert, verhindern ein höheres Prädikat. Dass das etwas abrupte Ende mit dem Outro vom Band ohne Applaus (!) ausläuft, passt da ziemlich ins Bild. Da wäre mehr drin gewesen!     

Setlist:

Pale Horse
The Darkest Road
Bring Out Your Dead
I Am Vengeance
The Perpetual Horrors
As The Twilight Gave Birth To The Night
A Swarm Of Plagues
Harvest

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