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Katatonia, Alcest, Junius im Konzert (Hamburg, Dezember 2012)

Perfekte neunzig Minuten

Schlugen pünktlich zum ersten Schneefall in Hamburg auf: Katatonia

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Katatonia

Bei Katatonia sieht die Sache dann glücklicherweise schon wieder anders aus. Bisher haben es die Schweden zumindest nach der Erfahrung des Rezensenten nie ganz geschafft, ihren brillanten Sound auf Platte auch live angemessen herüberzubringen – doch heute stimmt einfach alles. Der Sound ist nicht weniger als großartig und die Band, die mit „Dead End Kings“ bekanntermaßen das erste Album seit vielen Jahren ohne Fredrik und Mattias Norrman veröffentlichte, scheint gut aufgelegt und spielfreudig zu sein. In anderthalb Stunden haut der Fünfer um einen fantastisch singenden Jonas Renkse dem Publikum ganze zwanzig erstklassige Kompositionen um die Ohren, von denen ein Viertel der neuen Scheibe entstammt. Dass man unter anderem den Opener „The Parting“ und das heftige „Buildings“ auswählte, überrascht wenig, dass die grandiose Nummer „Hypone“ keine Berücksichtigung in der Setlist findet, hingegen schon.

Beim restlichen Programm handelt es sich nicht unbedingt um ein typisches Best-of-Set. Dass Klassiker und/oder Mitsingkompatibles wie „Teargas“, „My Twin“, „Soil’s Song“ oder „Ghost Of The Sun“ vertreten sind, war an sich klar, dass man auf Fan-Faves wie „Criminals“ oder „Evidence“ verzichtet, ist dagegen nicht gerade als Standard zu bezeichnen. Dafür haben die Jungs ein paar Raritäten auf Lager – mit „Strained“, „Omerta“ oder „Sweet Nurse“ konnte man jedenfalls sicherlich nicht unbedingt rechnen, aber es ist cool, wenn auch mal ein paar fast vergessene Perlen aus der Versenkung gefischt werden, um ein bisschen Abwechslung zu liefern, und schlechte Songs sucht man bei Katatonia eh vergebens. Persönliches Highlight: Der wundervolle Gänsehaut-Erzeuger „Deadhouse“ – Depression kann so schön sein.

Es ist heute nicht der Tag der Ansagen, denn auch Jonas hält sich genau wie seine Kollegen aus den vorigen Bands eher zurück, doch man weiß ja, dass er im Gegensatz zum Beispiel zu seinem guten Kumpel Mikael Åkerfeldt alles andere als eine Laberbacke ist und sich am liebsten hinter einer Gardine von Haaren versteckt. Er freut sich über die euphorischen Reaktionen des Publikums, bedankt sich artig, und erzählt, dass man vor vielen Jahren mal drüben im Marx, dem kleineren Saal, gespielt habe. Der wäre heute dann doch ein wenig zu klein; schon vor drei Jahren war es ein Witz, dass man die Truppe in das kleine Logo verfrachtete, das aus allen Nähten zu platzen drohte – die Markthalle als Location ist da schon weitaus angebrachter, auch wenn es heute nicht ganz ausverkauft ist.

Ansonsten gibt Renkse keine Anekdoten zum Besten, sondern beschränkt sich weitestgehend darauf, ein paar Songtitel anzusagen, meistens aber lassen die Skandinavier einfach die Musik sprechen und die Stücke ohne Pause aufeinander folgen. Die Begeisterung erreicht bei „July“ ihren vorläufigen Siedepunkt, als einige einen dezenten, aber erkennbaren Moshpit starten. Bei allem Verständnis für so viel Enthusiasmus angesichts dieser tollen Musik: Was zur Hölle haben Moshpits bei Katatonia verloren?!

Nun ja, es bleibt bei dieser temporären Erscheinung jenes Phänomens, was allerdings dennoch ebenfalls bleibt, ist die Begeisterung, und so müssen die Zuschauer nicht lange brüllen, als das Quintett nach „Day And Then The Shade“ die Bühne verlässt – die Schweden lassen sich nicht ausgiebig bitten und legen mit „Dead Letters“ und den Openern der beiden vorigen Alben, „Forsaker“ und „Leaders“, ein furioses Dreierpack nach. Ohne Frage perfekte neunzig Minuten – das kann sonst wohl nur der FC Barcelona von sich behaupten. Einziges Manko: Man will noch mehr, es hätte auch gerne über 120 Minuten gehen können. Trotzdem kann heute jeder zufrieden sein, ich habe Katatonia live noch nie besser gesehen.       

Setlist:

  • The Parting
  • Buildings
  • Deliberation
  • My Twin
  • Burn The Remembrance
  • The Racing Heart
  • Lethean
  • Teargas
  • Strained
  • The Longest Year
  • Soil’s Song
  • Omerta
  • Sweet Nurse
  • Deadhouse
  • Ghost Of The Sun
  • July
  • Day And Then The Shade
  • --------------------------------
  • Dead Letters
  • Forsaker
  • Leaders
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