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In Extremo - Wahre Jahre Festival

Eine Geburtstagssause der Extraklasse

Die Zitadelle Petersberg - Ort des Spektakels

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In Extremo

Die Stimmung ist spürbar geballt voller Spannung und Energie. Nicht einmal ein Bühnenbild ist ersichtlich, weil ein schwarzer Vorhang den hinteren Teil der Bühne verdeckt. Am Rand der Bühne sieht man lediglich ein großes Steuerrad stehen, das schon vermuten lässt, dass „Raue See“ Teil der Setlist sein wird. Und so ist es auch. Nachdem sich dicke Nebelschwaden hinter dem Vorhang hervor gedrückt haben, wird dieser endlich von vielen Helfer zu „Raue See“ auf die Seite geschafft. Endlich ist der Blick frei auf die sieben Spielleute und auf eine große Leinwand, auf der zunächst das Wahre Jahre-Logo prangt. Der Jubel bei den Fans ist ungebrochen und ohrenbetäubend. In Extremo werden gefeiert wie es sich gehört, während diese ebenso in einen Glücksrausch zu fallen scheinen. Bereits beim ersten Song werden Pyros am Steuerrad gezündet, während Micha es antreibt, sich fortwährend um seine Achse zu drehen.

Im Schweinsgalopp geht es mit dem Lied weiter, welches vielen, und vor allem den Gauklern und Spielleuten, aus der Seele spricht. „Frei zu sein“ vom aktuellen Album „Sängerkrieg“ lässt die Stimmung nicht abbrechen. Erst „Hiemali Tempore“ bringt die Stimmen ein wenig zum Verhallen, da die lateinischen Texte nicht gerade leicht zu singen sind. Da braucht es schon ein wenig Übung, um sich die Zunge nicht zu verknoten. Aber solche Texte ist man von In Extremo durchaus gewohnt und es ist letztendlich auch ein Markenzeichen, das die Band zu dem macht, was sie heute ist und wofür sie von vielen Fans geliebt wird. Bei „Sängerkrieg“ von dem gleichnamigen aktuellen Silberling, der sogar Gold einheimste, bringen In Extremo mal eben die tropische Wärme der vergangenen Wochen zurück nach Erfurt. Sechs große Flammenwerfer spucken Feuerfontänen aus, so dass es selbst viele Meter von der Bühne entfernt noch schnuckelig warm wird und der Bräunungsgrad derjenigen, die in der ersten Reihe stehen, sich schlagartig um ein paar Nuancen verdunkelt.

Die Setlist zieht sich durch die gesamten Jahre der erfolgreichen Bandgeschichte. Dabei stimmt Flex der Biegsame „Liam“ an und der Mann aus dem hohen Norden, Dr. Pymonte, „Vollmond“. Jeder einzelne der Songs ist gerne gehört und wird mit großem Jubel gefeiert. Für „Küss mich“ kommt der erste Gast auf die Bühne. Frau Dero gibt sich in rosa Kleid, grazilen Netzstrümpfen und blonder Zöpfchen-Perücke die Ehre. Da muss sogar das letzte Einhorn in Gelächter ausbrechen. Gemeinsam mit seiner holden Maid trällert Micha den beliebten Stalker-Song, der vor vielen Jahren sogar auf Viva lief. Als Geburtstagsgeschenk gibt es zu allem Überfluss noch einen dicken, verheißungsvollen Kuss von Frau Dero, der einen schönen dicken, roten Rand auf des Spielmanns Haut hinterlässt. Anschließend kommt der große mächtige Mann mit der zarten Harfe zum Rand der Bühne und beginnt gefühlvoll in den Saiten zu zupfen. Wie üblich stimmt das Publikum „Vollmond“ an, während Pymonte sein Harfenspiel sichtlich genießt.

Auch Conny Fuchs ist wieder zu Gast bei der Band, die sie vor 15 Jahren mit auf die Beine stellte. Gemeinsam mit Yellow Pfeiffer, Flex der Biegsame und Dr. Pymonte lässt sie die Klänge des Dudelsacks für sich sprechen und sorgt für wippende Leiber. Yellow Pfeiffer greift im Verlauf des Liedes zum Feuerstab und lässt die Funken fliegen. Die fliegen heute wie die Wunderkerzen auf einer Geburtstagstorte. In jedem zweiten Song gibt es andere Pyros zu bestaunen, vom lodernden Feuer, über laute, donnernde Knalle bis hin zu romantischen Feuerwerk ist alles vertreten, was zu einer großen Sause dazu gehört. Ebenso wie Klassiker, die nicht fehlen dürfen. Zwei einfache Wörter, die Micha über die Lippen bringt, reichen aus, um mehr als 8000 Menschen frohen Mutes und aus vollsten Kehlen singen zu lassen. „Es regnet.“ ist das Zauberwort und alle stimmen in den Refrain von „Spielmannsfluch“ ein, dem Song, der laut der ehemaligen Plattenfirma früher nicht auf CD gepresst werden sollte. Ein Glück, dass die In Extremos schon immer ihren eigenen Kopf hatten und wussten, was sie wollten. Yellow Pfeifer, Flex und Pymonte nutzen die Gelegenheit und bilden eine Dudelsack-Polonaise quer über die Bühne, hinter dem Schlagzeug entlang, bis sie wieder an ihrem Ausgangspunkt ankommen.

„Mit dem letzten Song verlassen wir euch. Ja, ich weiß, jetzt sind wir alle Arschlöcher!“. Welch sympatische Einleitung zu einem Titel, der auf einem Event wie diesem nicht fehlen darf: „Auf's Leben“ stößt gemeinsam mit den Fans an auf eine wunderbare Band, die stolz auf die letzten 15 Jahre zurück blickt, und das zu Recht. Sicherlich ist dieses Lied noch nicht das letzte. Im Frack, mit Klavier und Götz Alsmann im Schlepptau, folgt eine einmalig gefühlvolle Zugabe. Gemeinsam tragen sie „Spielmann“ an die Ohren der Besucher, die leise und zaghaft mitsingen und die Atmosphäre einfach auf sich wirken lassen. Das Letzte Einhorn singt mit viel Emotionen und aus vollem Herzen. Ein wunderschöner Auftritt der beiden Freunde, der vielen Besuchern lange in Erinnerung bleiben wird.

Ein anderer Freund ist Robert Beckmann von den Inchtabokatables, der bereits die Moderation für den heutigen Tag übernommen hat und nun gemeinsam mit Micha das Mikro teilt. Wie den Fans bereits bekannt ist, hätten In Extremo den folgenden Song nie angefasst, wenn es diesen Mann nicht gegeben hätte. Die Rede ist von „Poc Vecem“ der die Meute erst einmal ordentlich zum Hüpfen bringt, bevor es mit „In diesem Licht“ wieder etwas ruhiger und aktueller wird. Der Platz des Schlussliedes bleibt jedoch einem Klassiker vorbehalten. Ein weiteres Lied, dessen Text für Knoten in der Zunge sorgt und dennoch lautstark mitgesungen wird. Für „Villeman Og Magnhild“ zündet der neue Drummer Specki speziell präparierte Drumsticks an und malträtiert so die Trommeln, bevor die berauschenden Klänge der Sackpfeifen ein letztes Mal für heute zum Hüpfen einladen. Zum Glück steht morgen ein neuer Tag mit neuer Setlist auf dem Programm, der mit drei guten Bands einen grandiosen Tag verspricht.

Setlist:

1. Raue See

2. Frei zu sein

3. Hiemali Tempore

4. Sängerkrieg

5. Nymphenzeit

6. Singapur

7. Nur Ihr allein

8. Liam

9. Wessebroner Zaubersprüche

10. Vänner Och Frände

11. Küss mich

12. Vollmond

13. Rotes Haar

14. Flaschen Post

15. Ai Vis Lolop

16. Spielmannsfluch

17. Mein rasend Herz

18. Auf's Leben

19. Spielmann

20. Poc Vecem

21. In diesem Licht

22. Herr Mannelig

23. Villemann Og Magnhild

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