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Gojira, Liquid God im Konzert (Hamburg, August 2010)

Grandiose Performance: Live sind die Franzosen noch mal eine Stufe krasser als auf Platte, und auch die Vorband konnte überzeugen

Leidenschaftlich und intensiv: Gojira

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Gojira

Nach kurzer Pause ist es dann aber endlich so weit und Gojira betreten die Bühne. Nachdem der Verfasser die Band wie erwähnt auf dem W:O:A und auch im letzten Jahr wegen Krankheit verpasste, kann er sich nun endlich, so wie auch alle anderen Zuschauer auf ein amtliches Brett freuen.

Und in der Tat legen die Franzosen wie die Feuerwehr los. Für den ein oder anderen sicherlich etwas überraschend startet man nicht mit einem Song der aktuellen Scheibe „The Way Of All Flesh“, sondern wühlt tiefer in der Vergangenheit und präsentiert mit „Lizard Skin“ und „Clone“ zwei Stücke des Debütalbums „Terra Incognita“ von 2001.

Die Stimmung ist bereits jetzt prächtig, obgleich der Laden keineswegs ausverkauft ist. Aber da sich die Leute schon bei Liquid God ordentlich im Abgeh-Modus befanden, war natürlich zu erwarten, dass sie bei Gojira noch mal eine Schippe drauflegen würden. Gerade in den ersten beiden Reihen wird gebangt, was die Rübe hergibt – bei einem Typ direkt vor mir habe ich immer ein bisschen Angst, dass sein Kopf irgendwann Bekanntschaft mit dem Hals des Basses von Jean Michel Labadie macht, doch der Tieftöner achtet äußerst sorgsam darauf, eine Kollision dieser Art zu vermeiden – ohne dabei selbst aufs Bangen zu verzichten, versteht sich.

Frontmann Joe Duplantier schwitzt bereits nach den ersten paar Songs wie ein Eisbär in der Wüste, was ihn nicht davon abhält, die Stimmung weiterhin kräftig anzuheizen. Zwar sind seine Ansagen eher Standard, doch verfehlen sie ihre Wirkung nicht, außerdem spricht seine leidenschaftliche Performance für sich. Diese Gruppe weiß wirklich noch, was Death Metal bedeutet und man merkt, dass sie immer alles geben, ob sie nun in einem kleinen Club spielen wie hier oder auf einem größeren Festival. Irgendwie scheinen die Jungs ohnehin mehr für Clubgigs geschaffen zu sein und fühlen sich, umringt von die Matte schwingenden Metaljüngern, sichtlich wohl in dieser Atmosphäre.

Im folgenden bieten die Franzosen einen Querschnitt durch ihre bisherige Karriere, es erklingen „Backbone“, „The Heaviest Matter Of The Universe“ und „Flying Whales“ vom 2005er „From Mars To Sirius“-Album, während die letzte Studioplatte „The Way Of All Flesh“ wenig überraschend klar im Vordergrund steht. Hiervon gibt es zunächst das mit verzerrten Vocals ausgestattete „A Sight To Behold“ und „The Art Of Dying“, dem sich ein kurzes Drumsolo von Mario Duplantier, dem Bruder des Frontmannes, anschließt, zu hören.

Kurz vor dem Zugabenteil bekommt die Meute dann noch zwei weitere Stücke dieser CD vorgeworfen: „Vacuity“ und zuvor „Toxic Garbage Island“, bei dem Joe mit Recht darauf hinweist, dass es mit der Zerstörung und Ausbeutung unseres Planeten so nicht weitergehen kann. Es dürfte ja bekannt sein, dass sich Gojira diesem Thema besonders verschrieben haben, und was kann mehr Wut verleihen, als die Dummheit und Ignoranz der Menschen? – Denn bei der Energie, die das Quartett am heutigen Abend verbreitet, ist klarer als bei jedem einzelnen ihrer Studioalben, dass diese Truppe mächtig Wut im Bauch hat. Das 2003 erschienene „The Link“ wird in Gestalt von „Indians“ leider nur mit einem einzigen Track berücksichtigt.

Natürlich will Joe auch wissen, ob neue Fans hinzugekommen sind, und wie sie Gojira kennengelernt hätten. Ob man von Freunden, die im letzten Jahr hier waren, eine Empfehlung bekommen hätte? Die meist gegebene Antwort lautet schlicht ergreifend „Wackööön!“, was der Sänger mit einem Grinsen quittiert. In der Tat sind eine ganze Menge Leute im Wacken 2010-Shirt auszumachen.

Obwohl nach diesem sehr intensiven Gig alle ordentlich ausgepowert erscheinen, hätte man sich doch mehr als die lediglich etwa siebzig Minuten gewünscht, auch wenn bei 15 Euro Abendkasse wohl niemand meckern kann. Doch „Oroborus“, ein Stück, das für Gojira-Verhältnisse extrem eingängig und mit einem coolen Main-Riff ausgestattet ist, bleibt die einzige Zugabe; auf der Setlist ist zwar noch „World To Come“ vermerkt, doch wird dies aus unerfindlichen Gründen ausgelassen. Am Curfew kann es nicht liegen, denn es ist noch längst nicht Mitternacht. Aber sei’s drum: Das war ein erstklassiger Gig mit Power-mäßigem Sound und genau das richtige, um nach Wacken nicht etwa in Lethargie zu verfallen.

Setlist:

Lizard Skin
Clone
Backbone
Indians
A Sight To Behold
The Art Of Dying
Drumsolo
The Heaviest Matter Of The Universe
Flying Whales
Toxic Garbage Island
Vacuity
----------------------------
World To Come (nicht gespielt)
Oroborus

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