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Dragonforce, Turisas im Konzert (Köln, Februar 2009)

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Dann wurde auf der Bühne fleißig um- und aufgebaut: Zwei zusätzliche Podeste am linken und rechten Bühnenrand samt Ventilatoren wurden herbeigeschafft, montiert und ein wahrhaft monstermäßiges Drumkit wurde enthüllt, das sicher nicht nur jedem Hobby-Drummer einen vor Begeisterung offen stehenden Mund bescherte. Trotzdem war die knappe dreiviertel Stunde Umbauzeit doch recht happig.

Doch dann ging endlich das Licht aus und die Bandmitglieder betraten die Bretter. Das Live-Set begannen die Briten mit „Heroes Of Our Time“, dem Openersong ihres aktuellen Albums, was die Stimmung gleich zu Beginn auf ein hohes Level schraubte, zumal alle Bandmitglieder ein großes Maß an Stageacting an den Tag legten. Man erwähne nur einmal Keyboarder Vadim, der nahezu ohne Unterlass Sprünge vollführte, als würde er unentwegt von einem Schwarm Hummeln in den Allerwertesten gepiekst. 

Doch trotz all des Aktivismus, der da auf den Brettern an den Tag gelegt wurde und trotz all der Virtuosität, von welcher die beiden Gitarristen Herman Li und Sam Totman gänzlich ohne Zweifel Heerscharen von Gitarristen bestücken könnten, ließ der Gig der Briten irgendetwas vermissen. Wenngleich alles, was auf der Bühne abging, ultra-professionell in Szene gesetzt wurde und vom Handwerklichen her fernab jeder Kritik zelebriert wurde, so vermisste man ein wenig die Natürlichkeit; die Freude, dass man da oben stand, um den Fans einen geilen Gig zu bieten. Es fehlte irgendwo der zündende Funke, der dem Gig das Prädikat „Unvergesslich gut“ verpasst hätte. Es schien ein bisschen so, als wären die Gags zwischen Sam und ZP eingespielt und auf Abruf parat. Und obwohl sich Vadim beispielsweise sein mobiles Keyboard umschnallte und damit über die Bühne fegte, als sei der Teufel persönlich hinter ihm her oder mit Sam zusammen auf einem der aufgebauten Podeste um die Wette hüpfte, schienen eben diese Aktionen mehr eingespieltes Posing zu beinhalten als ehrlich gemeinte Spielfreude. 

Die Stimmung in der Essigfabrik war gut, keine Frage. Jedoch konnte man auch beobachten, dass doch wohl einige ihren Weg nach Deutz gefunden hatten, einzig, um Sam und Herman mal live an ihren Saiteninstrumenten zocken zu sehen, denn es standen schon etliche Leute einfach regungslos vor der Bühne und hatten nur Augen für die Finger der beiden Gitarristen.  

Zu einem Keyboard-Solo, bei dem Vadim seine Tasten auch schon mal mit seiner Zunge bearbeitete, gesellte sich dann auch noch Turisas-Akkordeon-Spielerin Netta hinzu, diesmal in Zivilkleidung. Die beiden boten sich ein Tastenduell, das vom Können her seinesgleichen sucht, wenn es auch ein kleines bisschen zu sehr in die Länge gezogen wurde. 

Da ja Karneval war, hatte ein Zuschauer einen Chinahut auf dem Kopf, aber nur solange, bis ZP Theart diesen Hut im Publikum ausmachte und sich diesen daraufhin auf die Bühne bringen ließ, um ihn dann kurzerhand Herman auf den Schädel zu setzen. Bassist Frédéric Leclercq ließ sich ab und an von einem Roadie eine Flasche Jack Daniels an den Hals setzen. Während der Gitarrenduelle zwischen Sam und Herman verzog sich ZP Theart hinter die Bühne, um den Virtuosen möglichst viel Freiraum und Platz zu lassen. 

Das zuvor aufgebaute rechtsseitige Podest erwies im Verlauf des Gigs sich nicht als besonders sicher, denn als Herman auf dieses Podest springen wollte, rutschte dieses weg und Herman landete auf seinem Allerwertesten. Doch selbst in dieser Lage zockte er, Profi, wie er nun einmal ist, einfach weiter.  

Nach dem wunderbaren Stück „The Last Journey Home“ verschwanden die Herren erstmal kurz hinter der Bühne, doch die Zuschauer ließen ihnen mit ihren „Zugabe“-Rufen keine Chance und so kamen die Musiker noch mal zurück, um mit „Valley Of The Damned“ und „Through The Fire And The Flames“ einen finalen Schlussstrich unter den Gig zu setzen.

Setlist Dragonforce:

Heroes Of Our Time
Operation Ground And Pound
Reasons To Live
Fury Of The Storm
The Warrior Inside
Keyboard Solo
Revolution Deathsquad
Revolution Soldiers Of The Wasteland
The Last Journey Home

Valley Of The Damned
Through The Fire And The Flames

 

 

Fazit: Turisas überzeugten mit ihrer Leidenschaft, mit der sie die Stücke in die Menge schleuderten sowie mit ihrer sympathischen und natürlichen Ausstrahlung. Dragonforce dagegen punkteten vielmehr durch ihr überirdisches Können als mit auszumachender aufrichtiger Spielfreude. Wenn nämlich diese den Bandmitgliedern noch anzumerken gewesen wäre, wäre dieses Konzert ein außerordentlich statt nur ein richtig gutes geworden.

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