Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Children of Bodom, Ektomorf, One Man Army And The Undead Quartet im Konzert (Köln 2005)

Zum Thema

Zum Ende des Jahres 2005 starteten Children of Bodom ihre Europatour. Nachdem man sich in der letzten Zeit ausgiebig mit Konzerten in den Vereinigten Staaten von Amerika, Japan und auch erstmals in Australien beschäftigt hatte, wollte man die europäischen Fans nun doch nicht zu kurz kommen lassen. Bei der Tour durch Europa handelt es sich daher nur um einen Teil der elfmonatigen Welttournee zum aktuellen Album mit dem Titel „Are You Dead Yet?“. Dieses war im September 2005 erschienen und hatte trotz zwiespältigen Meinungen im Großen und Ganzen doch für positive Resonanzen gesorgt, auch wenn das etwa drei Jahre vorher erschienende Album „Hate Crew Deathroll“ noch immer als das gelungenere angesehen wird. Vorwürfe, man bliebe auf demselben Niveau und scheue Weiterentwicklung, wurden in verschiedener Hinsicht entkräftet. Ob die Entwicklung nun als eher positiv oder negativ erachtet werden sollte, bleibt fraglich und dem persönlichen Geschmack des Hörers überlassen.

 

Am 27.12.2005 luden die Finnen zum Debüt ihrer Europatour in die Live Music Hall nach Köln ein. Als Support hatte man sich Ektomorf und One Man Army And The Undead Quartet (im Folgenden: „One Man Army“) an Land gezogen, die auf den ersten Blick zwar nicht die stilistisch passendste Supportvariante darstellen, dennoch aber würdige Vorbands sind. Was beide Kapellen verbindet, ist der Release eines Albums in naher Zukunft. Bei One Man Army ist dies das Debütalbum „21st Century Killing Machine“, bei Ektomorf die Live-CD/DVD „Live And Raw – You Get What You Give”, die im Rahmen des Summer Breeze Open Air 2005 mitgeschnitten wurde. Für beide Tonträger ist der kommende 6. Januar als Releasetermin bekanntgegeben worden. Die Möglichkeit, die eigenen Werke einer dank Children of Bodom heute 1500 Besucher starken Zuhörerschaft vorzuführen, kommt da doch wie gerufen.

 

Schon vor Einlass (19 Uhr) bildet sich eine lange Schlange vor der Live Music Hall. Nicht wenige Leute versuchen, durch „Suche Karten“-Schilder und Rufe auf sich aufmerksam zu machen, ist das Konzert doch schon seit längerer Zeit restlos ausverkauft. Nach pünktlichem Einlass beginnt die erste Band ebenso pünktlich eine Stunde später. „Dieser Abend ist nichts für die Ruhigen unter uns“, beginnt Sänger Johan Lindstrand (Ex The Crown) eine seiner Ansagen. Und wie Recht er damit hat, denn die 35 Minuten voll Death-Thrash Metal haben es in sich. Nach Jubel und Lautstärke beurteilt, sind die Fans mehr als begeistert. So, wie es normalerweise nur bei festen Fankreisen der Fall ist. Dabei wird das Debütalbum doch erst in ein paar Tagen veröffentlicht… „Wollt ihr noch mehr Doubelbass?“, fragt Johan Lindstrand und erhält die Antwort von laut grölendem Publikum auf der anderen Seite des Grabens. Aber Härte hin oder her, die Bewegung auf der Bühne hält sich insgesamt in Grenzen. Das Ankündigen des neuen Albums lassen sich die Schweden natürlich nicht nehmen, bevor dann die 20-Minütige Umbaupause der Show ein Ende setzt.

 

Nun ist es an Ektomorf, den ihnen zugeteilten Teil des Dienstagabends zu gestalten. Ungewöhnlich melodische Klänge leiten die Show ein, die von Songs des aktuellen Albums „Instinct“ dominiert werden soll. Ebenfalls spielten die Ungaren übrigens vor gar nicht langer Zeit im Vorprogramm von Bands wie Kreator, Dark Tranquillity und Hatesphere. Über unbekannte Mitstreiter sollte sich die Band also nicht beklagen, stellen doch Children of Bodom eine dem Bekanntheitsgrad nach zu urteilen noch größere Band dar. „Set Me Free“, „Fuck You All“ und „Show Your Fist“ sind einige Songs der Thrascore-Show. Und was One Man Army eben auf der Bühne an Ressourcen eingespart haben, wird von Ektomorf in Form von enormem Bewegungsdrang auf der Bühne gnadenlosem nachgeholt. Ausnahme ist hier Bassist Csaba Farkas, der seinen Bedürfnissen auf Grund eines geschienten Beins nicht so nachkommen kann, wie er es vielleicht gewollt hätte. Ähnlich sieht es im Publikumsraum aus. Obwohl es den Anschein macht, dass mehr Aktion auf Seiten der Gefolgschaft fast im Bereich des Unmöglichen liegt, fordert Sänger Zoltán Farkas immer wieder zum Hüpfen und Moshen auf und erreicht das absolute Maximum. Bei seinen „fucking“ Ansagen kommt er kaum aus, ohne in ihnen mindestens fünf „fucking Fucks“ auszusprechen. Orientalische Klänge zwischen den Songs lockern die Atmosphäre auf und das absolute Highlight der Show bietet der ältere Song „I know them“. Ihre zugeteilte Spielzeit von 45 Minuten nutzt die Band nicht ganz aus.

 

Nach weiteren 30 Minuten Umbaupause ist dann der Headliner des Abends an der Reihe: Children of Bodom. Ein dem Publikum zugerichtetes Auto und Ölfässer stellen die Bühnendekoration dar. Die eine oder andere Miene erheitert sich, als die ersten Klänge des Intros zu hören sind. Hier handelt es sich nämlich um nichts Anderes als den Klassiker „Twist and Shout“. Als dann die ersten Klänge von „Living Dead Beat“ zu hören sind, gibt es in der Menge kein Halten mehr. Der Sound ist bei den ersten Songs noch etwas dürftig, scheint der überlaute Bass doch die E-Gitarren zu überrumpeln. Dafür ist die Lichtshow von Anfang an sehr schön anzusehen, wenn gleich sie stellenweise auch viel zu hell erscheint. Gerade die Schatten der Bandmitglieder, die durch die hinten stehenden Scheinwerfer an die Wände der Halle geworfen werden, überzeugen. Songs wie „We´re Not Gonna Fall“ (vom Album „Are You Dead Yet“), Hate Me!“ (vom Album “Follow the Reaper”) und “Lake Bodom” (vom ersten Album “Something Wild”) bezeugen eine Querbeet-Soungauswahl, die in allen Alben mindestens einmal Halt macht. Ungewöhnlich wenige Songs vom aktuellen Album werden gespielt. Der für mich stärkste Song „Trashed, Lost, and Strungout“, der sogar für eine Single- bzw. EP-Auskopplung gut genug war und auch auf „Are You Dead Yet?“ einen festen Platz fand, fehlt ganz. Zu weiterem Schmunzeln veranlassen die hin und wieder in den Pausen zwischen den Liedern eingespielten Melodien, die von dem ein oder anderen Britney Spears-Song bekannt sein sollten. Da, wo im hinteren Bühnenbereich normalerweise ein Banner hängt, leuchten hier viele Scheinwerfer die Initialen der Band. „Seid IHR die wirkliche, verdammte Hate Crew?“, donnert Alexi Laihos diabolisch krächzende Stimme ins Publikum und wird von einem fast noch lauterem Brüllen erwidert. „Okay“, leitet der Frontmann ein, „dann ist das hier für euch!“, und wird unmittelbar danach von den anfänglichen Klängen von „Hate Crew Deathroll“ abgelöst, ehe Gitarren, Bass und Keyboard in Rekordgeschwindigkeit losdonnern. Neben den erwähnten bekannten Pop-Melodien von Britney Spears, gibt es ebenfalls zwischen den Liedern ausgedehnte Soli (Drum, Gitarre, Keaboard) zu belauschen. Nach gut 75 Minuten verabschieden sich die Musiker dann. Das Licht geht jedoch nicht an, die Bühne strahlt im pinken Licht und plötzlich steht die Band wieder an Ort und Stelle um die letzten drei Songs „Lake Bodom“, „Every Time I Die“ und „Downfall“ auf die langsam ermüdende Zuhörerschaft loszulassen. Ein wirklich schöner Abschluss eines gelungenen Konzertabends ohne bemerkenswerte Mängel.

comments powered by Disqus

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten