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Audrey Horne, '77, Pet The Preacher im Konzert (Hamburg, November 2014)

Party pur im Headcrash!

Mehr Fannähe geht nicht: Thomas Tofthagen gibt während der Performance Bier an Fans aus

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Audrey Horne

Die Hoffnung, dass, nachdem der Sound bei beiden Vorgruppen mehr als passabel war, auch beim Hauptact in dieser Hinsicht alles in Butter sein wird (man will schließlich die zahlreichen Thin Lizzy-Gedächtnis-Twinsoli richtig genießen können), bestätigt sich erfreulicherweise schon beim Opener „Wolf In My Heart“, der ja auch als Eröffnungsnummer des aktuellen Albums „Pure Heavy“ fungiert.

Und so sehr '77 auch bereits abräumen konnten, Audrey Horne setzen problemlos noch mal einen drauf. Die Leute sind von Anfang an ordentlich am Start und es ist nichts davon zu spüren, dass der Laden nicht ausverkauft ist. Es ist erst der zweite Gig der laufenden Tour für die Norweger in Deutschland, nachdem die Band am Vorabend im Essener Turock spielte, doch im August und September hatte man die neue Scheibe bereits in der Heimat vorgestellt – eingespielt ist die Formation also in jedem Fall. Dass sie sich auf der Bühne am wohlsten fühlen, macht das Quintett jedoch so oder so mal wieder mehr als deutlich. An Spielfreude sind diese Kerle wirklich nicht zu überbieten und dabei wirkt die Performance bei allen Rockstar-Posen so was von unaufgesetzt und bodenständig, dass man sie einfach mögen muss. So charismatisch und sympathisch zugleich ist sonst kaum jemand und das gilt für jedes einzelne Mitglied dieser Ausnahmeband.

Sänger Toschie, dem man quasi zu Füßen liegt, filmt angesichts der prächtigen Stimmung auch mal während der Gesangsperformance mit seinem Handy die Reaktionen der Zuschauer oder unterhält sich während einer Songpause mit einem Fan, der einen bestimmten Song fordert. Nachdem der Fan ihm etwas ins Ohr geflüstert hat, wendet sich Toschie ans Publikum und meint etwas in der Art wie: „He said that he feels very lovely and sexy“, wofür er natürlich gleich ein paar Lacher erntet. Genauso, als er auf den Merchstand aufmerksam macht und die für diesen zuständige Verkäuferin als „beängstigend, aber eigentlich doch ganz nett“ bezeichnet. Der anschließende Blick der jungen Frau – eine Mischung aus belustigt und bestürzt – ist unbezahlbar.

Der sich bestens bei Stimme befindliche Sänger ist so gut gelaunt, dass man ihm selbst solche etwas anbiederungsmäßigen Ansagen wie vor dem wie gewohnt der anwesenden Damenwelt gewidmeten „There Goes A Lady“ verzeiht, als er meint, heute seien viel mehr hübsche Mädchen im Publikum zu sehen als gestern. In Essen wird man das wohl nicht gerne hören, doch der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung wird wohl ohnehin nicht mehr zu überprüfen sein.

Wieder einmal fällt auf, dass die Bergener ihre ersten beiden Alben völlig ausklammern und sich ausschließlich auf die spätere Phase konzentrieren. Genauer gesagt wird eigentlich nur Material der letzten beiden Werke dargeboten, was dafür sorgt, dass die Setlist nicht unbedingt sonderlich überraschend ausfällt, zumal man sich irgendwie denken konnte, welche Stücke von der neuen Platte „Pure Heavy“ es zu Live-Ehren bringen würden: „Volcano Girl“ mit seinen „Ohoho“-Singalong-Passagen oder das rasante „Into The Wild“ sind selbstredend allerbestes Futter für die Meute, um richtig durchzudrehen. Selbst das auf CD etwas standardmäßige „Out Of The City“ funktioniert live viel besser und das kurze Drumsolo bei „Tales From The Crypt“ wurde sehr clever und unauffällig integriert. Und das „Youngblood“-Material ist sowieso über jeden Zweifel erhaben: Von dem Wahnsinns-Titelsong kann man einfach nicht genug bekommen und das großartige „Pretty Little Sunshine“ kommt so gut an, dass jemand direkt danach „Noch mal!“ ruft.

Gelegentliche Ausflüge in den Zuschauerbereich lässt sich Toschie natürlich auch heute nicht nehmen, wobei sich viele Leute Fistbumps abholen dürfen, doch erst in der Zugabensektion (wobei diese Bezeichnung hier kaum zutrifft, da die Band nach dem vermeintlich letzten Song „Straight In To Your Grave“ die Bühne gar nicht erst verlässt) geht es so richtig zur Sache. Den formidablen Chorus beim Smasher „Waiting For The Night“ lässt Toschie immer und immer wieder wiederholen, bis die Stimme aller Anwesenden komplett im Eimer ist, doch das Beste hierbei ist, dass er einfach mal mehrere Fans spontan auf die Bühne holt, die der Band dabei helfen dürfen, die restlichen Zuschauer bei der Stange zu halten, damit sie bloß nicht aufhören, alles zu geben. Gitarrist Thomas Tofthagen, der während des Konzerts die ganze Zeit genüsslich an einer Pulle Rotwein genuckelt hat, holt sogar noch kurz Bier aus dem Backstagebereich und gibt es an einige Fans ganz vorne aus – was Geileres hab ich selten gesehen.

Der Fünfer aus dem Land der Fjorde lässt sich auch danach nicht lange bitten und haut mit „Blaze Of Ashes“ noch einen weiteren Kracher heraus – heute das einzige Stück, das nicht „Youngblood“ oder „Pure Heavy“ entstammt. Hierbei fordert Toschie die Zuschauer dazu auf, eine Gasse zu bilden – nicht etwa für eine Wall of Death, was bei Audrey Horne doch etwas befremdlich gewirkt hätte, sondern damit die Band einfach zwischen ihren Fans spielen kann. Bis auf den Drummer befinden sich irgendwann alle unten und schieben sich mit ihren Instrumenten durch eine sowohl ent- als auch begeistert dreinblickende, glückselige Anhängerschaft. Anschließend werden nach einem äußerst erfolgreichen Gig sofort Fotos mit den Fans geschossen, Autogramme gegeben, sich unterhalten und angestoßen. Mehr Fannähe geht nun wirklich nicht, was allerdings auch für die beiden ebenfalls sehr sympathischen Vorbands gilt. Ein ganz toller Abend mit einem sehr sehenswerten Band-Package – da fragt am Ende auch keiner mehr danach, warum in der Setlist des Headliners inzwischen gar keine älteren Nummern mehr berücksichtigt werden.

Setlist:

Wolf In My Heart
Holy Roller
Youngblood
There Goes A Lady
Volcano Girl
Out Of The City
Tales From The Crypt
Pretty Little Sunshine
Into The Wild
Show And Tell
This Ends Here
Straight Into Your Grave
------------------------------
Redemption Blues
Waiting For The Night
Blaze Of Ashes

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