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Weto im Interview (Dezember 2006)

“Das Leben ist kein Ponyhof”
Zum Thema

1993 machten sie Punkrock, fünf Jahre später gründete sich parallel dazu ein Projekt namens Schandmaul. Dann hörte man lange Zeit gar nichts mehr von ihnen und jetzt sind sie wieder da. Mit kleinen Line-up-Änderungen und einer neuen CD, dem “2weiten Ich”. Im Rahmen der Tour sass mir in der Bonn’schen Klangstation Sänger Thomas Lindner Rede und Antwort.

 

The-Pit.de: Die obligatorische Begrüssung: Hallo und wie geht es Dir? 

 

Thomas Lindner: Mir geht’s wunderbar. Etwas erholen, wir sind etwas durch von der Tour, aber heute geht’s wieder. Von daher rocken wir heute NRW, hoffe ich.

 

 

The-Pit.de: Und wie läuft die Tour bisher? Es bestand ja immer noch dieses Restrisiko beim Releasen der Platte kurz vor Tourbeginn 

 

Thomas Lindner: Ja gut, ich meine, es läuft besser als erwartet, aber natürlich mussten wir auch erst einmal hier ankommen. Weisst Du, wenn Du mit Schandmaul fährst und spielst dann vor über tausend Leuten und hier kommen dann so zwischen 60 und 100, das ist dann ganz was Anderes, andere Clubs und so. Man fängt wieder von unten an - aber es macht Spass.

 

The-Pit.de: Das ist schön. Das größte Konzert war bisher...?

 

 

Thomas Lindner: Jetzt auf der Tour? Das war in Hannover, da hatten wir 100 Leute. Und mal gucken, was heute passiert.

 

The-Pit.de: Gab es noch weitere Touranekdoten? In Wuppertal war ja beim “Schattenspieler” die Gitarre weg. Passierte so etwas denn noch einmal?

 

 

Thomas Lindner: Ja, nein, so dann nicht. Das war jetzt das Grossartigste von allen. Von den sechs Saiten war eine um einen Halbton verstimmt - bis man da mal rauskommt, herrlich. (lacht)

 

 

The-Pit.de: Ihr habt ja letztes Jahr im Oktober mit Schandmaul die Tour gespielt, dieses Jahr wieder von Oktober bis November, dazwischen lagen die Sommerfestivals. Des weiteren waren Regicide bis Dezember auf Tour und haben im Februar wieder angefangen. Wie zur Hölle habt Ihr da die Reanimation von Weto, die Proben und eine Albumproduktion hineingequetscht?

 

 

Thomas Lindner: Das ist eine gute Frage. Ne, wir hatten einfach nicht viel Zeit und keinen Urlaub. Wir haben das quasi zwischen die Touren reingezimmert und dann mal die Jungs aufgenommen, dann waren wir auf Tournee, dann wurde der Gesang aufgenommen, dann waren wir wieder auf Tournee. Aber es hat funktioniert! Es hat funktioniert und wir sind hochzufrieden mit dem Album - endlich sind die Songs mal da, wo sie hingehören.

 

The-Pit.de: Wie entstand denn der Bandname “Weto”?

 

 

Thomas Lindner: Das ist eigentlich total langweilig. Wir sassen zusammen und haben Brainstorming gemacht, wie man das wohl nennen kann, und dann kam einer auf den glorreichen Namen “Annanas” (schaut bedeutend). Und da hat der Rest sein Veto eingelegt. Da hiessen wir Veto - anfänglich mit “V”. Und nach ein paar Monaten haben wir gemerkt, dass sich im Nachbarkaff auch eine Band “Veto” nannte, die aber schon älter war als wir, haben wir einfach ein “W” draus gemacht. Sang- und klanglos und unspektakulär.

 

The-Pit.de: Zum Album: Ist es nicht unglaublich schwer, zu Themen wie Vergewaltigung oder Mord Texte zu schreiben, die dann zu vertonen und dabei das Thema nicht zu verlieren oder zu beschönigen? 

 

Thomas Lindner: Sind einige heiße Eisen, die wir da angefasst haben. (überlegt) Ich meine, wir haben es einfach aus uns heraus geschrieben, konkret die Themen, die uns sehr bewegt haben bzw. geschockt haben. Von da her, glaube ich, kommt da keine Beschönigung zustande, weil man sich selbst der kritischste Hörer ist. Es ist natürlich, dass bei “Tief” nur beschrieben wird, knallhart beschrieben und es soll Angst machen, beiden Seiten Angst machen. Wenn das Lied verhindert, dass man eine Abkürzung durch den Park nimmt, wo man genau weiß, da sollte man nicht durchgehen bzw. wenn irgendein Kerl irgendwo Hilferufe hört und sich dadurch dann animiert fühlt, da mal nach dem Rechten zu sehen, dann hat das Lied ja schon seine Berechtigung gehabt. Es ist ein sehr sensibles Thema und ich glaube, dass es jetzt nicht unbedingt für die Mädels ist, denen so was passiert ist, die haben da schon dran zu schlucken. Aber ich glaube, für alle Anderen ist es gut, sich mit dem Thema zu befassen. Ist ein heikles Thema und ein bisschen mutig, das anzugehen, aber das musste auch mal einer machen.

 

The-Pit.de: Ihr habt ja jetzt auf der Tour “Schattenspieler”, “Krank” und “Wir” gespielt - Stücke, die einfach nicht aufs “2weite Ich” gekommen sind oder gänzliche Neulinge?

 

 

Thomas Lindner: “Wir” sollte eigentlich aufs Album. Haben wir dann runter gelassen, weil wir - also wir haben es aufgenommen, das gibt es, das Stück - uns da die Prämisse offengehalten, dass wir auf einem Sampler in irgendeiner Zeitung etwas Exklusives haben. Wenn einer anfragt, haben wir da noch was.

“Schattenspieler” und “Krank” - “Krank” ist eine ältere Nummer, die wir neu aufgemotzt haben und “Schattenspieler” ist neu.

 

The-Pit.de: Und was hat es mit dem gecoverten “Miststück” auf sich bzw. warum gerade Megaherz? 

 

Thomas Lindner: Och erstens kennen wir die Jungs gut, die kommen aus dem gleichen Eck, zweitens ist es ‘ne geile Nummer und drittens brauchten wir noch was fürs Set.

 

 

The-Pit.de: Wahrscheinlich eher “kannten” - der Sänger, der Alex ist ja weg, der Matthias ist auch wieder weg... 

 

Thomas Lindner: Ja ja gut, die haben gerade Probleme, aber der Alex ist ja gerade unterwegs mit Eisbrecher oder fährt bald...

 

The-Pit.de: Ja, mit JBO... 

 

Thomas Lindner: Mit JBO - ich wünsche denen Glück, ist ein netter Kerl einfach. Und mit dem Alex möchte ich auch mal was zusammen machen. Also vielleicht wird er, wenn er Bock hat, auf der nächsten Wetoscheibe zu hören sein, oder so. Mal gucken.

 

The-Pit.de: Und in welchem Schrank habt Ihr Melodie K. und die Jungs gefunden?

 

 

Thomas Lindner: Also der Sänger ist ja der Veranstalter von heute, dem gehört der Laden und genau hier haben wir sie auch kennen gelernt, hier haben wir ja auch schon Fantreffen mit Schandmaul gemacht, daher kennen wir die. Und die machen halt einfach unglaubliche Party und das finden wir unglaublich super, deswegen haben wir sie mitgenommen.

 

The-Pit.de: Sind für 2007 denn schon Festivalauftritte mit Weto geplant - dieses Jahr war ja das WGT mit dabei - oder ist der Sommer immer noch Schandmaul- und Regicidezeit? 

 

Thomas Lindner: Also wir haben vor, was zu spielen. So vier, fünf Festivals, mal sehen, da ist noch nichts in trockenen Tüchern. Wir sind noch am Suchen - sozusagen.

 

 

The-Pit.de: Was bedeutet Musikersein für Dich persönlich? Es wäre doch bestimmt sicherer gewesen, Ingenieur oder Lehrer zu werden, da ist die Bezahlung doch fast garantiert, wobei beim Musiker immer das Risiko besteht. 

 

Thomas Lindner: Ja, das ist für mich ein absoluter Traumberuf. Das ist das Schönste und Grösste, was mir je passieren konnte und es war ein langer Kampf. So, seit 2002 kann ich sagen, dass ich Profimusiker bin, die ersten vier Jahre Schandmaul waren einfach 44 Stunden Arbeit in der Woche und am Wochenende dann in den Sprinter steigen und Konzerte geben. Das ging dann halt irgendwann einfach nicht mehr von der Zeit her; das ist ein Glücksspiel. Eine ganz lange Zeit hat man dann ein bisschen Geld bekommen, wusste dann aber nicht, wie man die nächste Miete bezahlen soll. Es ist ein Risiko gewesen, wir sind es alle eingegangen und momentan (klopft auf den Tisch) schaut so aus, als geht’s es gut aus.

 

The-Pit.de: Was sind denn Pläne, die Ihr unbedingt noch einmal realisieren wollt? 

 

Thomas Lindner: Ja, weiter touren, mehr Leute erreichen, ich würde gerne noch eine zweite Platte machen, das ist mal so das Nächste. Und konkreter wird es dann noch nicht, denn wie gesagt: Man muss das ja auch immer alles handeln mit den beiden Bands, dass die sich nicht in die Quere kommen. Aber das ist so erst einmal der nächste Plan, unsere Musik unter das Volk zu tragen und zu sagen: “Hallo, hier sind wir” - damit sich das weiter herumspricht.

 

 

The-Pit.de: Dann zum Abschluss: Was war Dein persönliches Highlight des Jahres 2006? 

 

Thomas Lindner: Persönliches Highlight 2006, hm. (überlegt) Also so global gesehen muss ich sagen, dass die Herbsttournee von Schandmaul einfach das Grossartigste bisher war. Das Amphi Festival hier (in Köln, Anm. d. Verf.), das war auch riesig. Die Wetoplatte ist riesig - 2006 ist ein grosses Jahr gewesen

 

The-Pit.de: Das ist toll. Irgendwelche Abschlussworte? 

 

Thomas Lindner: Tja, alle, die das lesen/hören/sehen, sollen vorbeikommen und sich das mal anschauen und sich ein eigenes Bild machen, weil das Leben ist nicht immer ein Ponyhof; man muss auch mal die Kehrseite der Medaille kennen lernen - und das macht Weto.

 

 

Wir danken Weto, sowie Thomas Lindner, Gordeon Music und Dirk Verseck für ein entspanntes Interview, sowie Organisation, Cola und Sockengespräche.

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