Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Psychotic Waltz / The Shadow Theory im Interview (Dezember 2010)

"Ich mag eigentlich gar keinen Prog"

Cover von "Bleeding"

Zum Thema


The-Pit.de: Na ja, Iron Maiden sind zumindest auf ihren letzten Alben ein klein wenig proggiger geworden.

Devon: Gut, aber das ist eine natürliche Entwicklung, jedenfalls haben Judas Priest diesen Stil mehr oder weniger erfunden. Aber der Metal, den ich wirklich liebe, wurde von Black Sabbath erfunden und Psychotic Waltz haben quasi von beiden Formaten etwas genommen: Die Twin-Gitarren, die Harmonics, ähnlich wie sie eben Iron Maiden, Judas Priest oder auch Queensrÿche am Start hatten, aber mit dunkler Akkordstruktur versehen wie bei Black Sabbath. Und diesen Stil wollten wir so ein bisschen weiterführen, aber es gab da eigentlich keine Prog-Band, mit der wir, ich sage mal, konkurriert hätten, auch weil Prog Metal zumindest zu der Zeit – wenigstens nach meinem Kenntnisstand – eigentlich gar nicht richtig existierte. Die progressivste Band damals war vielleicht Fates Warning mit ihrem „Awaken The Guardian“-Album, wovon wir vielleicht auch ein wenig beeinflusst wurden. Ansonsten aber nicht viel, auch wenn wir von Gruppen wie Watchtower natürlich gehört haben.

The-Pit.de: Die sind ziemlich verfrickelt.

Devon: Ich weiß noch, bei unserem allerersten Konzert überhaupt mit Deadsoul Tribe spielten wir als Drei-Mann-Band unter dem Namen „Devon Graves & The Flies Of Creation“ in Wien bei einem Festival, wo Slayer Headliner waren. Dort waren auch Testament anwesend, deren damaliger Bassist Steve DiGiorgio ein guter Freund von mir ist. Er hatte auch mal bei Psychotic Waltz vorgespielt, als Ward die Band verlassen hatte. Steve lud mich in den Tourbus ein, wir tranken ein bisschen Wodka und Tequila und er meinte: „Du musst unbedingt Watchtower anhören – der Sänger klingt genau wie du!“ Und ich hörte es an und meinte: „Nein, Mann! Der Typ hört sich eher nach John Arch an.“ (früherer Fates Warning-Sänger – Anm. d. Verf.) Steve konnte nicht glauben, dass ich nicht meine Stimme heraushörte, aber ich meine, der Typ hätte wohl eher John Arch gehört. Ich sollte mich mal mit ihm treffen und ihn fragen, ob das stimmt.

Jedenfalls hatten wir mit Prog eigentlich nicht so viel am Hut, Dream Theater zum Beispiel kam etwas später und ich habe mich nie so richtig mit der Band befasst. Wir haben auch mal mit denen zusammen gespielt und vor der Tour kamen ein paar Leute zu uns und fragten: „Habt ihr schon mal etwas von Dream Theater gehört?“, und wir meinten nur: „Nein“. Als wir dann später mit den Jungs sprachen, haben wir erzählt, dass wir ständig von Leuten gefragt werden, ob wir Dream Theater kennen würden, woraufhin sie meinten: „Das ist witzig, weil wir ständig von Leuten gefragt werden, ob wir Psychotic Waltz kennen“.

Dennoch, wir kamen nicht von der Prog-Szene, sondern aus einer ganz anderen Ecke und entwickelten uns eher aus dem klassischen Heavy Metal heraus. Diese überkomplizierte Musik langweilt mich eher ein bisschen. Welche Gruppe ich allerdings wirklich toll finde, ist O.S.I. – ich weiß nicht, ob du das jetzt als Prog betrachten würdest, auf jeden Fall mag ich Kevin Moore sehr. Ich mag seinen Gesang und die Art, wie er produziert.

The-Pit.de: Er war früher Keyboarder bei Dream Theater.

Devon: Richtig. Auf jeden Fall mag ich seinen Gesang; ich meine, jemand wie James LaBrie beeindruckt mich schon auf gewisse Weise, er ist ein großartiger Sänger, keine Frage, und Dream Theater sind fantastische Musiker, aber das gibt mir trotzdem irgendwie nicht wirklich etwas, da höre ich mir lieber zum Beispiel Jane’s Addiction an. Jedenfalls lieber etwas Simpleres, Roheres, etwas mit mehr Ecken und Kanten. Man muss definitiv nicht vier Jahre aufs Musikcollege gehen und sonst wie schnell Gitarre spielen, um mich zu beeindrucken.

Ich gebe dir mal ein Beispiel: Der Song „Money“ von Pink Floyd fängt mit einem 7/8-Takt an, wechselt beim Gitarrensolo in einen 4/4-Takt, um am Ende wieder zum 7/8-Takt zurückzukehren – trotzdem hat man nie wirklich das Gefühl, dass da ein gravierender Taktwechsel stattfindet, der Song groovt und rockt durchgängig. Das ist für mich ein sehr cleverer Weg, intellektuelle Taktwechsel zu benutzen. Aber wenn man heraushört, dass bewusst versucht wurde, sich clever anzuhören, beeindruckt mich das nicht. In meiner Philosophie gibt es zwei Arten von Musik: die intellektuelle und die passionierte und ich selbst zähle mich eher zu den passionierten Typen. Es gibt aber einen Weg, beide Welten zusammenzuführen und das haben wir mit Psychotic Waltz versucht, oder jetzt mit The Shadow Theory oder eigentlich bei allem, was ich bisher gemacht habe. Keine Ahnung, ob ich das erfolgreich tue, das muss das Publikum entscheiden. Aber wenn Bands zu sehr übertreiben, beeindruckt mich das vielleicht auf eine intellektuelle Weise, aber es erzeugt bei mir keine Gänsehaut oder erfüllt mein Herz. Und ich suche immer nach einer physischen Reaktion auf Musik, die Seele soll berührt werden. Daher hat Prog mir nie so richtig etwas gegeben. Allerdings fällt mir doch eine Prog-Band ein, die wirklich großartig ist: Riverside.

The-Pit.de: Ja, die kenne ich.

Devon: Fantastische Musik, ich hab vor einer Weile mal ein Akustikkonzert mit denen gespielt, da habe ich sie in Budapest supportet. Das war an dem Tag, an dem Ronnie James Dio gestorben ist. Ich war in jedem Fall in höchstem Maße beeindruckt von denen, sehr farbenfrohe Musik, zwar sehr progressiv, aber trotzdem mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben. Ich kann dir gar nicht genau sagen, welche Zutat sie haben, die andere Prog-Bands nicht haben, aber sie haben sie einfach.

Aber um auf deine ursprüngliche Frage zurückzukommen, ich kriege wohl doch noch fünf Prog-Acts zusammen: Rush, O.S.I., Riverside, Jethro Tull und Porcupine Tree. Auch wenn es halt eigentlich nicht mein Genre ist; ich habe von den aufgelisteten Bands auch keine Alben, außer einer O.S.I.-Scheibe. Ich habe viele Pink Floyd-Alben, aber zum Beispiel keines von Rush.

The-Pit.de: Devon, ich danke dir für das sehr ausführliche Interview und wünsche noch einen schönen Abend. Wir sehen uns auf der Tour im März.

Devon: Ja, ich danke auch, pass auf dich auf und bis dann!

Seite
comments powered by Disqus

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin