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Psychotic Waltz / The Shadow Theory im Interview (Dezember 2010)

"Ich mag eigentlich gar keinen Prog"

Psychotic Waltz zu "Into The Everflow"-Zeiten; Dan Rock mit dem legendären "Halbbart"

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The-Pit.de: Natürlich habe ich auch einige Fragen bezüglich Psychotic Waltz, da ihr euch ja gerade wiedervereint habt. Zunächst mal: Ist es wahr, dass sich die Band auch deswegen aufgelöst hat, weil jemand euch verklagte, da er beim Dreh eines Videoclips durch einen Scheinwerfer erblindete?

Devon (lacht): Haha, nein, das stimmt nicht. Also, wir sind zwar tatsächlich verklagt worden im Zusammenhang mit dem Videodreh zu „Faded“, aber es war eigentlich so, dass wir uns alle schlichtweg nicht mehr ausstehen konnten. Brian war der erste, der die Gruppe verließ, denn es war für ihn einfach zu hart, im Rollstuhl sitzen zu müssen und dabei zu touren. Außerdem hatte er gerade geheiratet und eine Tochter bekommen, also entschloss er sich, aufzuhören. Und ich und Dan (Rock – Gitarre – Anm. d. Verf.) hatten bei einer Menge Dinge unterschiedliche Ansichten und waren sehr frustriert. Als Brian dann aufhörte, machte es das für mich leichter, ebenfalls hinzuschmeißen. Allerdings holten wir erst noch Steve Cox ins Boot und machten ein paar Tourneen. Ich wusste jedoch, schon als wir das letzte Album aufnahmen, dass ich die Band verlassen würde, denn das Ganze hatte sich in eine wirklich unschöne Richtung entwickelt. Dan tat all das, wovon er dachte, es wäre das Beste für die Gruppe, dies aber war für mich nicht so toll und damit hatte ich ein mächtiges Problem – so wurden die Schwierigkeiten immer größer. Wie gesagt, es wurde für mich einfacher zu gehen, da Brain bereits das Handtuch geworfen hatte, und wie gesagt, wir machten mit seinem Ersatz Steve Cox ein paar Tourneen, die auch okay waren, aber die anderen schrieben jetzt Musik, die zwar gut war, aber nicht so gut, denn ohne das Duo Brian und Dan war einfach diese Chemie nicht mehr da.

The-Pit.de: Ich denke auch, dass die meisten Fans die beiden ersten Alben „A Social Grace“ und „Into The Everflow“ als die besten ansehen.

Devon: Und das sehe ich genauso. Es gibt ein paar Songs von „Mosquito“, die ich sehr mag, wie zum Beispiel „Haze One“, das ist sogar einer meiner absoluten Favoriten, und was „Bleeding“ betrifft, so mag ich das Album, aber meiner Ansicht nach hätte es auch das erste Deadsoul Tribe-Album sein können, da ich ungefähr die Hälfte dieser Platte schrieb, das waren die Songs „Locust“, „Bleeding“, „Skeleton“ und „My Grave“, und möglicherweise noch ein paar mehr, die eigentlich für mein Soloalbum geplant waren, doch wir brauchten Material und so brachte ich diese Stücke ein. Ich mag das Material wirklich gerne, aber es war einfach nicht mehr dieselbe Chemie, wie damals, als Dan und Brian so viel Zeit miteinander verbracht haben. Die beiden waren früher allerbeste Freunde, praktisch unzertrennlich und spielten jede Minute zusammen Gitarre, experimentierten mit Musik herum und dachten sich richtig coole Sachen aus. Daher kam auch das Material der ersten beiden Alben, von den beiden Jungs, und als „Mosquito“ anstand, begannen sie auseinanderzugehen. Jeder schrieb bei sich zu Hause und brachte dann den anderen seine Stücke bei – wir spielten zusammen, aber wir schrieben nicht mehr zusammen. Außerdem kamen dann noch externe Einflüsse hinzu, die sich auswirkten, da wir das erste Mal mit einem externen Produzenten zusammenarbeiteten. Das war Scott Burns, der keine gute Meinung von meinen Melodien hatte und mich sehr stark kritisierte, da er meinte, ich würde Melodien schreiben, die für die Leute nicht einprägsam genug wären. Unser Management in Los Angeles war der Meinung, mit einem Produzenten wie Scott Burns hätten wir bessere Chancen, bei einem Majorlabel zu landen – daher die Idee, wir sollten Musik machen, die eingängiger ist. Es war für mich damals das Härteste überhaupt, das zu tun, denn ich konnte nicht nachvollziehen, wieso die Melodien nicht einprägsam wären – ich fand sie einprägsam. Heutzutage kann ich es besser nachvollziehen, aber ich wusste damals nicht, wie ich einprägsame Melodien unterbringen sollte. Ich schrieb also nicht mehr vom Grunde meines Herzens aus, sondern habe mehr oder weniger einfach geraten, was die wohl hören wollten. Und es ist nicht so, dass dabei nur Mist herausgekommen wäre, aber es war einfach so, dass das Gefühl, mit dem ich Musik schreibe, darunter litt, da ich die Musik plötzlich von einem ganz anderen Punkt aus schrieb und es brachte nicht besonders viel Spaß, von diesem Punkt aus zu schreiben, denn eigentlich sollte es ja nicht darum gehen, Scott Burns glücklich zu machen. Das war das erste Mal, dass mir der Gedanke kam, auszusteigen. Allerdings muss ich der Fairness halber sagen, dass Scott schon einige Argumente auf seiner Seite hatte und er sagte mir eines, das Sinn machte; er sagte: „Hör zu, Mann. Bei jeder Band in deiner Plattensammlung haben sie einen Weg gefunden, Melodien zu kreieren, die dir gefallen und die einprägsam sind.“ Und er hatte recht – obwohl ich einige obskure Platten in meiner Sammlung habe (lacht).

Doch meine Mentalität damals war, lieber etwas zu tun, was niemand erwartet, denn es ist leicht, das Offensichtliche zu tun. Wenn einer erwartete, dass ich eine Melodie in die eine Richtung führte, würde ich sie genau in die entgegengesetzte führen. Das fand ich angemessen, denn unsere Musik war sehr verrückt und unvorhersehbar und die anderen in der Band hatten dieselbe Mentalität. Und ich mag Songs wie „Into The Everflow“ immer noch gerne, denn ich denke, das war es, was uns damals ausmachte. Dennoch habe ich in der Zeit, die wir auseinander waren, gelernt, Melodien zu schreiben, von denen ich denke, dass sie leichter einprägsam sind. Auch habe ich zum Beispiel gelernt, ein bisschen Platz zwischen den Textzeilen zu lassen, denn auf den frühen Psychotic Waltz-Alben habe ich fast die ganze Zeit gesungen. Ich hab den Mund aufgemacht bis zum Ende des Songs und permanent kamen Worte aus mir heraus; ich habe quasi den gesamten akustischen Raum eingenommen, was echt nicht so cool ist, denn man muss die Musik ein bisschen atmen lassen – allerdings hatte ich keine Ahnung, wie man das macht. Also wenn wir jetzt wieder zusammenkommen, werde ich wohl ein paar Melodien nehmen, die etwas mehr strukturiert sind, aber gleichzeitig das Bizarre beibehalten. Die Tage, wo ich versucht habe, „Popalben“ zu machen, sind vorbei. Die Tage, in denen Heavy Metal eine Form des Pop waren, sind vorbei. Und genau das war es ja, was wir mit „Mosquito“ versucht haben: Wir versuchten, einen Majordeal zu ergattern, doch waren genau in der Zeit gelandet, wo es gerade damit zu Ende ging, dass Majorlabels Metalbands gesignt haben, da die Seattle-Szene aufkam. Man signte Soundgarden oder Nirvana und nicht eine Metalcombo aus San Diego. Es sei denn, wir wären zu einer Grungeband geworden, was uns aber auch nicht unbedingt einen Majordeal eingebracht hätte (lacht). Na ja, es gab eine Menge Einflüsse, weswegen dieser leichte Stilwechsel nach den ersten beiden Alben stattgefunden hat und weswegen der ganze Druck letztlich zum Ende der Band führte.
Und wie gesagt, wenn wir jetzt wieder zusammenkommen, denke ich, werden wir versuchen, die Mentalität der ersten beiden Alben wieder zu erlangen, aber gleichzeitig ein paar Melodien mit mehr Zugang zu kreieren. Es gibt auch ein paar Dinge, die ich nicht mehr machen werde; zum Beispiel kann hoch singen cool sein, aber es ist nicht cool, einen Song mit hohem Gesang zu beginnen, denn dann kann man nirgendwo mehr hin. Die Musik sollte sich erst mal aufbauen und die höchste Note sollte dann auch der Höhepunkt sein. Ich fing an, die Psychotic-Waltz-Sachen zu schreiben, als ich 19 Jahre alt war – ein junger Kerl, der versuchte, die Welt zu beeindrucken, ich wollte höher und lauter und besser singen als irgendjemand anders da draußen, das war damals die Motivation hinter meinem Songwriting und ich denke, das wäre heutzutage ein wenig unreif. Ich würde also gerne die Qualitäten unserer ersten beiden Alben nehmen und eine etwas gereiftere Einstellung hinzupacken, in der Hoffnung, noch bessere Musik zu machen.

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