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Nucleus Torn im Interview (Dezember 2010)

Travellers to Andromeda

Das Cover des zweiten Albums der Trilogie, "Knell"

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The-Pit.de: Okay. Es gibt ja Linernotes zu dem Album, in denen du dich geäußert hast, und zu „Silver“ meintest du, die EP sei damals ein „Desaster“ gewesen. Wie darf man das denn verstehen?

Fredy: Hm, sagen wir mal so: Wenn du eine CD in deiner Diskographie oder in deiner Sammlung hast, und du weißt, du hast sie geschrieben, initiiert und darauf gespielt und du weißt, sie klingt ziemlich schlecht, dann fühlt sich das nicht sonderlich toll an. Und das war genau das Problem mit „Silver“. Wir standen bei den Aufnahmen enorm unter Zeitdruck, denn es war teuer, das Equipment auszuleihen und ich war Student und hatte beim besten Willen kein Geld. Und wir haben einfach aufgenommen, haben aber von Anfang an grundlegendste Fehler gemacht. Das war schon vor den Schlagzeugaufnahmen so; wir hatten einfach unmöglichste Temposchwankungen in dem ganzen Zeugs drin, da konnte man gar nicht seriös dazu einspielen und es war auch nicht mehr möglich, da irgendwas zu ändern, damals ging das einfach nicht. Wir hatten ein Album, auf dem es ein paar gute Performances gab und ein paar gute Ideen, aber das schlichtweg überschattet war von den ganzen Fehlentscheidungen, die wir von Beginn an gemacht hatten, weil wir keine Ahnung von der Materie hatten, und wenn man zurückschaut nach mehreren Alben, die man aufgenommen hat, kann man sich nur noch an den Kopf fassen, weil es einfach so daneben war. Aber am Anfang seiner Karriere passiert einem solches Zeug eben manchmal. Und das Tolle ist, dass man heute Digital Editing auf praktisch jedem Computer machen kann; und ich habe die ganzen alten Aufnahmen auf Computer überspielen lassen und das dann einfach überarbeitet, indem ich die ganzen meiner Meinung nach unbrauchbaren Parts einfach gelöscht habe. Das Album wurde einfach drei, vier Minuten kürzer und was ich dann auch gemacht habe, war, diese blöden Timingschwankungen zu korrigieren, ich hab da ein Programm, wo ich das einfach am Click ausgerichtet hab. Das klingt für Leute mit einem etwas idealistischen Bild wahrscheinlich ziemlich schlimm, und das wäre für mich ziemlich tragisch gewesen vor zehn Jahren, weil ich hab als Musiker immer alles perfekt und ohne Click einspielen können oder müssen, aber das ist ja in der heutigen Zeit Blödsinn, da wird ohnehin ausgerichtet an Clicks bis zum Geht-nicht-mehr, gerade im Metalbereich.

The-Pit.de: Das hört man „Silver“ aber zum Glück nicht wirklich an, insofern hast du das ganz gut hinbekommen...

Fredy: Da bin ich froh darüber, denn das war eigentlich mein großes Ziel. Ich wollte Digital Editing benutzen, um die wirklich groben Fehler auszumerzen, aber was ich eben nicht wollte, war „Silver“ neu zu machen und daraus ein künstliches Produkt zu schaffen; ich wollte quasi die Essenz der Performances aus diesen Takes der damaligen Zeit hervorheben, und lediglich das wegkorrigieren, was so unglaublich störend war. Das war etwa zwei Tage Arbeit und dann hab ich das Album durchgehört und dachte: Wow, eigentlich war das Zeug wirklich gut! Und als diese ganzen Fehler erst mal weg waren, war das für uns alle ein versöhnlicher Moment; ich hab’s dann unserem Sänger vorgespielt und du hättest sein Gesicht sehen sollen, so nach dem Motto: „Wow, das ist ja was!“

The-Pit.de: Und bei „Submission“ spielst du in den Linernotes darauf an – und das hast du ja auch letztes Mal schon gesagt –, dass es dir innerhalb einer Band schwerfällt, zu machen, was dir gesagt wird. Hattest du bei dem dort genannten Projekt, The New Grove Project, jetzt eigentlich tatsächlich mitgespielt oder doch nicht?

Fredy: Doch, da hab ich gespielt, sogar sehr viel, im Endeffekt hab ich auch quasi die künstlerische Regie übernommen. Ich war schon fast gezwungen dazu, weil andere Leute einfach zu wenig vorbereitet oder zu wenig motiviert waren oder was auch immer, und da hab ich’s einfach mal gemacht. Ich denke, das ist einfach mein Charakter, denn wenn es Arbeit zu tun gibt, dann tue ich sie halt, weil mir diese Musik dann doch immer irgendwas bedeutet und ich kann dann etwas nicht einfach so sein lassen. Es hat zwar lange gedauert, aber schließlich wurde das Album fertig und erschien dann auch. Im Moment ist, glaube ich, keine Website online, da sich das Ganze irgendwie in Luft aufgelöst hat, weil auch wieder einige Leute in andere Länder gezogen sind und so – jetzt ist das alles also noch schwieriger als es von Anfang an war, mit Leuten in Schweden, Belgien und der Schweiz.

The-Pit.de: Das ist natürlich wirklich weit verbreitet... Es gibt ja dann noch die zwei Tracks „Leadless“ und „Lurking“ und die finde ich sehr gut, muss ich sagen, da die irgendwie noch mehr aus dem Rahmen fallen; „Leadless“ hat was Orientalisches und „Lurking“ – das hab ich auch in der Rezension geschrieben – in den Gitarren gar was von Muse, so was Postrockiges auf jeden Fall. Wie siehst du das?

Fredy: Da bin ich völlig einverstanden. „Lurking“ hat was von Britpop, ich würde es jetzt mal Post-Britpop nennen, auch was von Radiohead ist da drin, das ist so ein bisschen angeschrägt. Die Songs zeigen so ein bisschen die rockige Seite von Nucleus Torn, obwohl ich mir dessen lange Zeit gar nicht so bewusst war. Auf „Nihil“, „Knell“ und „Andromeda Awaiting“ ist zwar sehr viel Metal zu hören und auch sehr viel Musik, die mit Metal nichts zu tun hat, aber klassische harte Rockmusik ist eigentlich kaum zu hören. Und „Lurking“ und mit Abstrichen auch „Leadless“ zeigen so ein bisschen ein Bindeglied zu irgendwas mittendrin. Und ich denke, beide Songs haben auch einen ziemlich poppigen Charakter; in „Lurking“ gibt es ziemlich experimentelle Harmonien und schräge Gitarren, aber dennoch hat der Song einen gewissen Pop-Appeal, und das ist ja auch mal etwas, das man von uns bisher noch relativ wenig gehört hat. Und das ist für uns auch spannend, mal in eine etwas andere Schiene zu gehen und das, ohne jegliche Identität von Nucleus Torn zu gefährden – eher noch das Ganze zu festigen, weil es eben einfach mal was anderes war und von den Klangfarben her war’s mal spannend, knackige Rockmusik zu machen, ohne gleich das volle verzerrte Brett aufzufahren. Für mich als Gitarrist war es jedenfalls sehr cool und davon will ich mehr in Zukunft.

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