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Nucleus Torn im Interview (Dezember 2010)

Travellers to Andromeda

Cover des aktuellen Albums "Andromeda Awaiting"

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The-Pit.de: Ich muss übrigens noch sagen, dass mir der Gesang auf dem Album fast noch besser gefällt als vorher. Liegt vielleicht auch wieder daran, dass das Ganze ruhiger ist und der Gesang bei den entsprechenden Passagen entsprechend mehr im Vordergrund steht, aber ich meine, es ist bei Pianopassagen sowieso noch viel schwieriger, richtig gut zu singen, weil der Sänger da ja noch mehr gefordert ist. Und gerade beim zweiten Stück, bei dieser Ballade, da singt die Maria zum Beispiel besonders schön. Auch wenn die Leistung vorher natürlich auch schon gut war.

Fredy: Mich freut es natürlich, das zu hören. Wir sind uns alle einig, dass wir da noch einen Schritt vorwärts gemacht haben, im Bereich Gesangsarrangements und auch anschließendem Recording, und ich kann nur andeuten, dass es noch in diese Richtung weitergehen wird; das ist wahrscheinlich einer der Aspekte, auf die wir am meisten unsere Aufmerksamkeit gelegt haben – und das merkt man mittlerweile. Was ich vielleicht außerdem noch erwähnen sollte: Rein vom Harmonischen her war es einfach, für „Andromeda Awaiting“ Gesangslinien zu kreieren, weil „Knell“ war teilweise so ungewöhnlich und dissonant, dass es schwierig war, in eine so dichte musikalische Textur noch Gesang zu integrieren. Das war einer der ausschlaggebenden Punkte auch, der mich dazu bewogen hat, „Andromeda Awaiting“ etwas anders zu gestalten, damit mehr Platz war für die einzelnen Elemente in der musikalischen Textur.

The-Pit.de: Und kannst du über die Texte selbst etwas sagen?

Fredy: Gerne. Das Wichtigste ist zunächst einmal, dass es der Abschluss der Trilogie bestehend aus „Nihil“, „Knell“ und eben „Andromeda Awaiting“ ist. Bei „Knell“ habe ich immer davon gesprochen, dass es eine Art Seelenwanderung wäre, eine Art Erforschung des Unterbewussten auch, wobei gar nicht mal wichtig ist, von wem, oder um wessen Unterbewusstsein es sich handelt, sondern es geht einfach darum, dass es so etwas wie ein Abtauchen darstellt. Und gerade „Knell“ war ja wirklich ziemlich dunkel; die Landschaften, die da sowohl musikalischer als auch textlicher Natur entstanden sind, waren ziemlich abgründig und sicherlich nicht unbedingt ein Ort, an dem man sich als Mensch oder auch als Künstler gerne aufhalten möchte. Und ich habe wie zuvor auch schon bei „Nihil“ gespürt, dass da noch ein Impetus vorhanden ist, der sich in ein anderes Album umsetzen lässt. Wenn man „Knell“ hört und dabei die Texte liest, dann merkt man, dass sich da etwas zwischen den Stücken II und III verändert und es kommt ein neuer Fluss und ein anderes Gefühl in die Musik und auch die Texte hinein, und das war dann eigentlich der Auslöser für „Andromeda Awaiting“. Ich habe auf musikalischer Ebene versucht, da anzusetzen und das textlich dann auch so einfließen zu lassen; diese Reise quasi weiterzuführen und zu schauen, was da eben noch kommen kann. Und das Spannende ist, dass ich letztlich nicht an dem Ort angekommen bin, an dem ich ankommen wollte oder von dem ich es erwartet hätte, und es stellte sich so eine Art desillusioniertes Gefühl in der Musik und auch den Texten ein, eben wegen dieses Nichtankommens, wo man eigentlich ankommen wollte. Der Weg war zwar ein wunderschöner, denn ich denke, „Andromeda Awaiting“ hat zum Teil ein sehr positives Gefühl, oder zumindest ein in schönerem Sinne verträumtes Gefühl, aber irgendwie am Schluss hat es auch etwas Desillusioniertes, leicht Enttäuschtes. Ganz ehrlich, ich dachte, die Trilogie würde mit einem Paukenschlag enden und stattdessen reist man da wirklich so ein bisschen ins Nichts. Und ich denke – ohne jetzt zu viel zu verraten, denn ich will jetzt nicht wirklich auf die persönlichen Aspekte eingehen –, wenn jemand die Musik hört und die Texte liest und sich vor Augen führt, dass es der Ausdruck eines Musikers ist, der da ein Album schreibt, hat er eigentlich den schönsten Schlüssel zu den Texten...

Für mich und ich glaube auch für unser Publikum ist es wichtiger, dass die Texte mit der Musik verschmelzen. Ich denke... wie soll ich das ausdrücken... es ist ein Arbeitsprozess oder ein Schöpfungsprozess und der hat seine Aspekte, die funktionieren und seine Aspekte, die auf eine andere Art und Weise funktionieren als geplant und das steckt in den Texten drin. Die Texte reflektieren also bis zu einem gewissen Grad den Schöpfungsprozess des Albums. In Bezug auf die Trilogie stellt „Andromeda Awaiting“ den Abschluss der auf „Nihil“ und „Knell“ erzählten Geschichte der Seelenwanderung und Erforschung des Unterbewusstseins dar, bei dem es um alle großen Themen wie Liebe und Tod geht – wie immer bei Nucleus Torn nicht ohne Augenzwinkern.  Ich hoffe mal, das ist einigermaßen verständlich, ist halt nicht leicht zu erklären...

The-Pit.de: Ja, ich glaube, ich verstehe, was gemeint ist, und dass nicht jeder auf die persönlichen Aspekte direkt eingehen will, ist auch völlig in Ordnung... Was mir bei euch auch sehr gut gefällt, sind diese Flöten, wie sie zum Beispiel im ersten Stück vorkommen, sowohl Blockflöten als auch Querflöten. Ich finde, das wurde sehr gut integriert; es gibt so viele Mittelalterbands, wo mir das persönlich tierisch auf die Nerven geht, wenn da zu viel solches Zeug eingebaut wird, während mir das bei euch besser gefällt. Ich weiß ja nicht, wie du zu dem ganzen Mittelalterzeug stehst? Ich meine, du hast auch mal angedeutet, dass du mal in einer Mittelalterband gespielt hast?

Fredy: Das stimmt, so um 1997 herum. Wir waren da vielleicht ein bisschen der Zeit voraus, jedenfalls im Schweizer Raum, aber das war jetzt nicht diese Form von „Hardcore-Mittelalterbands“ wie es sie heute gibt. Wenn ich ganz direkt sein darf, diese Kombination von Pseudo-Mittelaltermusik mit heftigem Metal finde ich persönlich schrecklich und unerträglich. Dieses ganze plumpe Gehacke und dann hat man da eine Melodie, die von zehn Dudelsäcken parallel gespielt wird mit irgendwelchen fetten Pauken und so... nee, entschuldigung, das ist wirklich nicht mein Fall.

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