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My Dying Bride im Interview (September 2012)

Musikalische Mosaike

Das Artwork der neuen Scheibe "A Map Of All Our Failures"

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The-Pit.de: Und basierte „The Barghest O’ Whitby“ auch auf einer schon länger kursierenden Idee oder ist das komplett neues Material?

Lena: Das ist komplett neu. Wir sind eine recht experimentelle Band und mögen es, einmalige Projekte durchzuziehen, wie auch mit „Evinta“. Viele Leute denken dann gleich, das wäre auch die zukünftige Ausrichtung von My Dying Bride, aber das ist nicht der Fall. Vielleicht machen wir so etwas irgendwann noch mal, aber momentan gibt es keine Pläne in dieser Richtung. Was „The Barghest O’ Whitby“ betrifft: Wir hatten eigentlich erst nur den Release eines neuen Albums geplant, doch wir hatten damals einige Gigs und das „Evinta“-Projekt und alles hing so ein bisschen hinterher. Dennoch hatten wir bereits begonnen, am neuen Album zu arbeiten und alles zusammenzustellen. Und innerhalb dieses Prozesses gab es diesen einen Song, der immer größer und länger wurde. Der ursprüngliche Plan war, drei neue Songs zu haben, doch schließlich wurde daraus ein einziges Stück von 27 Minuten Länge. Und bei unserem Label haben wir die absolute Freiheit, zu tun, was wir wollen; bei einem größeren Label wäre das nicht möglich gewesen, denn so etwas kann man ja nicht im Radio spielen oder eine CD daraus machen (lacht). Jedenfalls war es nicht beabsichtigt, dass das so ein massiv langes Stück wird, es hat sich einfach so ergeben.

The-Pit.de: Stimmt es, dass ihr außerdem an einer Biographie und einer neuen DVD arbeitet?

Lena: Das ist richtig. Die DVD wird eine Dokumentation mit Behind-the-scenes-Material, wie wir auf Tour sind, vor einem Gig und nach einem Gig, wie wir auschillen – ich denke, für die Fans wird es sehr interessant sein, die Band so hautnah erleben zu können, was uns zum Buch bringt: Es wird eine umfangreiche Biographie werden, da jeder, der mal etwas mit My Dying Bride zu tun hatte, zu Wort kommt, inklusive Crew- und Ex-Bandmitglieder; jeder wurde bezüglich Stories und Anekdoten interviewt. In hoffentlich zwei Jahren zum 25-Jährigen werden wir das Buch fertig und veröffentlichungsreif haben.

The-Pit.de: Man darf also gespannt sein. Aber um wieder auf die neue Scheibe zurückzukommen: Interessant ist auch der Titel; gibt es eine tiefgründigere Bedeutung hinter „A Map Of All Our Failures“ oder ist das nur ein weiterer Titel, der sich für ein My-Dying-Bride-Album einfach gut eignet?

Lena: Nun, der Titel fasst im Prinzip das zusammen, was man von dem ganzen Album erwarten kann. Einige Leute haben das komplett auseinandergenommen, aber an sich illustriert es einfach nur, was man zu hören bekommt: Es klingt sehr verzweifelt, sehr trostlos, was im Übrigen auch die anderen Songtitel zeigen.

The-Pit.de: Basiert „Hail Odysseus“ auf der tatsächlichen Sage um Odysseus oder ist das mehr als Metapher zu verstehen?

Lena: Doch, es basiert auf Homers „Odyssee“. Wir hatten natürlich nicht die Zeit, die ganze Saga abzudecken (im Gegensatz zu Symphony X – Anm. d. Verf.), deswegen haben wir nur einige Teile daraus ausgewählt und ein bisschen unser eigenes Ding entwickelt. Während des Schreibprozesses meinte Aaron, die eröffnenden Riffs würden ein bisschen nach einem Sklavenschiff klingen, nach Sklaven, die unter Deck sind und das Schiff vorantreiben und diesen Gedankengang weiterspinnend entstand schließlich „Hail Odysseus“.

The-Pit.de: In dem Stück gibt es einige coole Horn-artige Arrangements und ich mag auch den chorartigen Gesang am Ende von „Abandoned As Christ“ sehr gerne. Das heißt, ihr habt wieder einige sehr detailverliebte Arrangements am Start. Sicherlich ist es ein sehr langer Prozess, in dem die Songs bei euch entstehen.

Lena: In der Tat ist dies ein sehr langer Prozess. Es gibt Riffs auf dem Album, mit denen wir zwei oder drei Jahre lang herumgespielt haben. Wir schmeißen niemals Riffs in den Mülleimer, wir behalten sie stets, um sie zu verändern und weiterzuentwickeln. Als es dazu kam, das Album zusammenzufügen, hatten wir eine ganze Menge Ideen, aus denen wir schöpfen konnten. Es ist ein bisschen wie ein Puzzle oder Mosaik zusammenzusetzen; wir machen das meist im Proberaum, schreiben um, diskutieren das aus, es ist quasi eine gleichberechtigte Spielwiese, bei der jeder etwas sagen darf. Als es dann ins Studio ging, waren 95 Prozent von dem, was im Proberaum geschrieben wurde, fertig, so dass wir ungefähr wussten, wie es sich anfühlt, das live zu spielen. Es ist doch ziemlich distanziert, sich gegenseitig mp3s hin- und herzuschicken, daher müssen wir natürlich auch alle zusammenkommen und -spielen, um die Musik zu fühlen. Als wir dann das Studio betraten, nahmen wir unsere Parts individuell auf und guckten dann, was man noch für Verzierungen und Ähnliches einfügen kann, um die Story noch etwas auszuschmücken, wenn man so will; so wie man bei „Hail Odysseus“ zum Beispiel Wind, See oder das ächzende Holz des Schiffes hören kann – das alles ergänzt sich zum gedanklichen Bild hinzu, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Es kommt eine ganze Menge zusammen, hauptsächlich weil wir immerhin sechs Bandmitglieder haben und einer davon auch noch zwei Dinge spielt – und allein das Keyboard ermöglicht schon eine breite Klangpalette.

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