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My Dying Bride im Interview (März 2009)

"Auf keinen Fall hätte ich denen erzählt, dass ich in einer Band spiele, die My Dying Bride heißt."

Das Cover der neuen Scheibe "For Lies I Sire"

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The-Pit.de: Highlights sind bei My Dying Bride ja auch meistens die poetischen, kryptischen Texte. Auch wenn das eher Aarons Domäne ist, kannst du uns dazu vielleicht auch etwas sagen? Zum Beispiel, was den Titel betrifft?

Andy: Lass es mich so formulieren: Ich muss die Texte - wie jeder andere auch - lesen, und für mich bedeuten sie vielleicht nicht unbedingt dasselbe wie für dich, das ist häufig eine Interpretationsfrage, denke ich. Deshalb ist es eher schwierig, darüber etwas Konkretes auszusagen. Was den Titel betrifft, so ist dieser natürlich mit dem Song „The Lies I Sire“ verknüpft und auch das Artwork ist übrigens damit verknüpft. Im Prinzip bedeutet der Titel so viel wie „Die Lügen, die ich erschaffe“. Es geht also um Verlogenheit, Vertrauensverlust etc. Viele Stücke der Platte thematisieren diese Dingen in verschiedenster Weise, ohne dass es sich um ein Konzeptalbum handelt.

Zum Beispiel der letzte Song „Death Triumphant“: Da geht es um einen Mann, der ein gutes Leben geführt hat und glaubt, er habe es verdient, sozusagen einen „guten Tod“ zu sterben. So versucht er, mit dem Tod einen Deal einzugehen und es ist nun die Frage, ob der Tod, der dem Protagonisten gewissermaßen als richtige Person, mit der er sprechen kann, gegenübertritt, auf diesen Deal eingeht oder nicht.

Auf jeden Fall typischer My-Dying-Bride-Stoff, sehr makaber und düster.

The-Pit.de: Noch einmal zurück zur Musik: Du hast ja vorhin schon über die Entwicklung eurer Songs gesprochen und dass ihr diesmal schon fast alles fertig hattet, als ihr ins Studio gegangen seid. Trotzdem würde mich interessieren, wie das Songwriting bei euch im allgemeinen so abläuft. Entstehen eure Stücke eher aus Jams heraus oder kommt einer mit einem Riff an und ihr werkelt daran herum?

Andy: Ein bisschen von beidem. Wir arbeiten auf jeden Fall viel mit Pro-Tools; gerade, wenn man zu Hause sitzt, auf der Gitarre nach neuen Songideen sucht und plötzlich denkt: Mann, das ist doch mal ein geiles Riff!, dann kann man mit Hilfe von Pro-Tools Drums dazupacken oder eine zweite Gitarre usw. Man kann dadurch im Prinzip mit einem fertigen Song bereits in den Proberaum gehen, wobei mir es grundsätzlich lieber ist, eher mit einer Hauptidee zum Proben zu gehen und die anderen Bandmitglieder mit einzubeziehen, ihre Meinungen und Ideen zu hören und daraus dann einen Song entstehen zu lassen. Einfach, indem man verschiedenes ausprobiert, über einer Idee jammt und auf diese Art das Ganze wachsen lässt.

Und es gibt kaum etwas Vergleichbares, als wenn sich plötzlich etwas einfach richtig anfühlt, wo sich die Nackenhaare aufstellen und jeder im Raum denkt: „Scheiße, das ist es!“

Ich habe auch schon vor Jahren gelernt, dass man Material, bei dem sich dieses Gefühl nicht gleich einstellt, lieber erst mal beiseite legen und mit was anderem weitermachen sollte. Kann sein, dass es später funktioniert, aber wenn das zu diesem Zeitpunkt eben gerade nicht der Fall ist, sollte man nicht zwanghaft versuchen, daran herumzuwerkeln, weil sonst die ganze Energie und Vitalität einer Probe verlorengeht.

Es läuft also meistens so ab, dass wir mit Ideen zur Probe kommen und damit arbeiten. Wie gesagt, ein bisschen von beidem, sowohl Jammen, als auch zu Hause Ideen sammeln. Am  meisten Spaß macht letztlich jedenfalls immer eine richtige Probe.

The-Pit.de: Das kann ich gut nachvollziehen. Eine letzte Frage hätte ich noch: Kannst du mir sagen, woher eigentlich der doch eher ungewöhnliche Bandname „My Dying Bride“ stammt?

Andy: Ja, das war eine Idee von Aaron – der Name stammt nicht von einem Film, einem Buch oder so was. Bevor wir ihn angenommen haben, hatten wir zwei Optionen: die eine war „My Dying Child“ und die andere „My Dying Bride“. Und der Grund, warum wir überhaupt auf diese Bezeichnungen gekommen sind, war, dass damals, um 1990, als wir die Band ins Leben riefen, Death Metal ziemlich groß im Geschäft war. Und das war geil, natürlich liebten wir Death Metal, aber wir wollten lieber einen Namen, der die Zeit überdauern würde und keinen von diesen typischen Death-Metal-Bandnamen. Wir wollten einen Namen, der gleichzeitig poetisch, tragisch, ernsthaft und zum Nachdenken anregend ist. Zum Glück haben wir uns für „Bride“ und nicht für „Child“ entschieden, das hört sich irgendwie viel poetischer und trister an; im Nachhinein denke ich, die Entscheidung zugunsten von „Child“ wäre ein großer Fehler gewesen.

Wir wurden also My Dying Bride und ich erinnere mich noch, wie ich damals in einem lokalen Pub war, nicht weit entfernt von dort, wo ich früher mal gewohnt habe. Dort fragte man mich, ob ich in einer Band spielte und wie sie denn heißen würde. Aber ich habe es nicht gesagt (lacht)! Auf keinen beschissenen Fall hätte ich denen erzählt, dass ich in einer Band spiele, die My Dying Bride heißt! Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute für sowas bereit gewesen wären (lacht erneut). Oder ob ich bereit gewesen wäre, zu hören, was sie sagen würden; das kommt der Wahrheit vielleicht eher näher (lacht wieder).

The-Pit.de: Interessant. Gibt es noch irgendwas, was du den Fans sagen möchtest?

Andy: Zunächst einmal danke ich dir, dass du dir die Zeit genommen hast. Und vielen Dank an alle, die dieses Interview lesen werden, sich die neue CD anhören und zu unseren Konzerten kommen, denn ohne euch wäre das alles gar nicht möglich. Ein ganz fettes Dankeschön an euch!

The-Pit.de: Ich bedanke mich natürlich ebenfalls bei dir, es hat viel Spaß gemacht und war sehr interessant, mit dir zu reden. Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende.

Andy: Wünsche ich dir auch. Ich hoffe, wir sehen uns...

An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Andy, dass er sich die Zeit genommen hat und an Wolf-Rüdiger Mühlmann von Sure Shot Worx für die Ermöglichung des Interviews.

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