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My Dying Bride im Interview (März 2009)

"Auf keinen Fall hätte ich denen erzählt, dass ich in einer Band spiele, die My Dying Bride heißt."

Die Band im Jahr 2007, noch mit Sarah Stanton

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The-Pit.de: Na ja, dass ihr kompromisslos bleibt, ist natürlich gut, denn My Dying Bride kann man schließlich unter tausend Bands heraushören, auch wegen des einzigartigen Gitarrensounds mit den typischen Harmonien. Was mich zu der Frage bringt: Was hältst du eigentlich von der Entwicklung von Paradise Lost und Anathema, die ja früher mit euch zu den „drei großen Bands des Doom Metal“ gezählt wurden, aber – im Gegensatz zu euch – inzwischen völlig andere Musik machen?

Andy: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. So gut ich die beiden Bands auf persönlicher Ebene auch kenne und obwohl wir mit ihnen gut befreundet sind – ich weiß trotzdem wenig über ihre interne Arbeit. Ich denke, Anathemas Einstellung gegenüber Musik ist eher akustischer Natur, irgendwie freidenkerisch. Ich kenne die Jungs schon lange und sie werden es nicht negativ auffassen - und ich meine das auch durchaus positiv -, wenn ich sage, dass es mich nicht unbedingt überrascht, dass sie einen eher akustischen Weg eingeschlagen haben. Professionelle Musiker sind sie ohnehin.

Das Paradise-Lost-Ding hat mich da schon eher schockiert; die Episode, als sie mehr in den elektronischen Bereich gingen. Aber im Prinzip weiß ich nicht viel über diese Art Musik und zu dem Zeitpunkt war es für sie vielleicht das richtige. Und Paradise Lost sind in dem, was sie tun, sicherlich gut. Trotzdem haben wir bei My Dying Bride nie das Bedürfnis danach verspürt, großartig etwas zu verändern. Wie ich schon vorher erwähnte: Als Martin ging und später dann noch Calvin (Robertshaw – Gitarrist bis 1999, Anm. d. Verf.), stand die Frage im Raum, wie es weitergehen soll und wir sagten: „Scheiß drauf! Wir lieben diese Art Musik, wir lieben diesen düsteren Sound und machen so weiter!“

The-Pit.de: Auf jeden Fall eine gute Entscheidung! Aber ich hab doch noch mal eine Frage im Zusammenhang mit der Geige: Letztens habe ich gelesen, dass Aaron meinte, ihr würdet sie im Gegensatz zu vielen Folk Metal-Bands heutzutage eher im klassischen Sinne als im folkigen einsetzen. Hört ihr eigentlich auch klassische Musik in eurer Freizeit?

Andy: Um ehrlich zu sein, ich hab lediglich ein einziges klassisches Stück auf meinem mp3-Player und das ist das Requiem von Mozart. Wohl keine große Überraschung (lacht). In der Klassik gibt es vieles, wo sozusagen Heavy Metal drinsteckt. Zum Beispiel „Die Planeten“ von Holst oder „Die vier Jahreszeiten“ von Vivaldi. Ich bin bestimmt kein großer Klassikexperte und werde auch nicht so tun, als wäre ich einer, aber ich denke, dass klassische Musik unheimlich viel Kraft, Energie und Dynamik hat, so wie sie außer Heavy Metal sonst keine andere Musik innehat.

Einige der besten Heavy-Metal-Songs beginnen mit einer wunderschönen klassischen Melodie und ich glaube, wir haben die gleiche Vorstellung wie klassische Musik. Deswegen muss die Violine bei uns auch so eingesetzt werden, wie wir es eben tun. Wenn wir sie in Irish-Folk-Manier einsetzten, würde das ja lächerlich klingen – während bei anderen Bands so etwas perfekt ins Konzept passt. Bei uns aber soll das Ganze viel Seele und Tiefgang haben –  und das schafft die Geige auf diese Weise. Ich meine, wir könnten das vielleicht auch mit einem Cellisten erreichen, aber ich denke, sechs Mitglieder sind genug...

The-Pit.de: Wahrscheinlich. Auf eurer Homepage meine ich gelesen zu haben, dein Lieblingsalbum von My Dying Bride sei „For Lies I Sire“ (Irrtum, Herr Nagel, bei Andy ist „The Light At The End Of The World“ aufgeführt, Anm. d. Verf.), was nicht überraschend ist, weil Musiker ja immer das letzte Album als das beste ansehen (aus dem Telefonhörer ertönt auf diese Behauptung hin äußerst amüsiertes Gelächter). Was allerdings ist denn zur Zeit dein Lieblingssong auf dem Album?

Andy: Also wenn ich nur einen Track nennen soll, würde meine Wahl auf „My Body, A Funeral“ fallen. In dem Stück kommt eigentlich alles zusammen, wofür My Dying Bride steht, was diese Band ausmacht – mal abgesehen von den nicht enthaltenen Death-Metal-Vocals. Aber ansonsten hat der Song schöne Harmonien, die Violine setzt genau zum richtigen Zeitpunkt ein und spielt eine passende Melodie, und auch der Titel ist ziemlich cool. Der Song handelt davon, dass man unvermeidlicherweise immer älter wird und das soll der Titel aussagen.

The-Pit.de: Interessant. Was mir auch noch aufgefallen ist an „For Lies I Sire“: Es gibt mit „A Chapter In Loathing“ einen Song, der sich doch ziemlich vom restlichen Material unterscheidet, da er um einiges brutaler ist als die anderen Stücke. Und bei diesem Track ertönt am Anfang exakt dasselbe Riff wie am Ende von „The Blood, The Wine, The Roses“ vom Vorgängeralbum. War das Absicht?

Andy: Ja. Die eigentliche Idee war, als wir „A Line Of Deathless Kings“ aufnahmen, das neue Album mit dem End-Riffing von „The Blood, The Wine, The Roses“ zu beginnen. Anfangs hatten wir allerdings nur dieses Riff und daraus entstand langsam der Song „A Chapter In Loathing“; das Stück wuchs und wuchs und es wurde letzten Endes klar, dass es als erster Track einfach nicht funktioniert hätte, einfach wegen seines Naturells. Für mich stellt der Song allerdings ein Highlight der Platte dar, weil er eben so völlig anders ist als das restliche Material.

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