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Katatonia im Interview (Oktober 2009)

"Wir rennen niemandem hinterher. Man wird Katatonia nicht bei MTV Cribs oder so was sehen."

Das Cover des neuen Albums "Night Is The New Day"

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The-Pit.de: Gut. Dann lass uns doch mal etwas weiter in die Vergangenheit zurückgehen. Kannst du vielleicht ein bisschen was darüber erzählen, wie ihr die Band gegründet habt und was damals eure Einflüsse waren und was sie heute sind? Ihr habt ja als von Doom und Black Metal beeinflusste Band begonnen...

Anders: Damals standen wir in Schweden ziemlich alleine mit dem da, was wir taten, denn es herrschte der totale Death Metal-Boom. Aber wir fühlten uns irgendwie mehr von dem inspiriert, was in Großbritannien abging, gerade beim Peaceville-Label – von Paradise Lost, My Dying Bride, Anathema; diesen ganzen Melodic Doom Metal-Bands. Und wir wollten so etwas ähnliches machen, nur noch düsterer, von daher haben wir uns des Images der Black Metal-Szene bedient, die zu der Zeit übrigens auch stark präsent war, zum Beispiel durch Mayhem oder Darkthrone. Diese beiden Stile haben wir miteinander vermixt, was denke ich eine sehr eigenständige Mischung ergeben hat und das formte Katatonia nach und nach zu dem, was wir heute sind. Von da an waren wir die Band in Schweden, die für diesen Sound stand; es gab quasi keine Konkurrenz, denn es gab dort keine andere Band, die einen solchen Sound spielte.

 

The-Pit.de: Aber auf euren ersten Alben sind die Songs noch sehr lang. Wie kam es denn zu der Entwicklung, dass die Stücke später wesentlich kürzer und kompakter wurden?

Anders (denkt kurz nach): Ich denke, die Herausforderung lag zunächst mal darin, dass wir das noch nie gemacht hatten, wir wollten es einfach ausprobieren. Wir wussten gar nicht richtig, wie es geht, einen „normalen“ Song zu machen.

 

The-Pit.de: Manchmal ist es ja einfacher, einen langen Song zu schreiben, als einen kurzen...

Anders: Ja, besonders im Black-, Death- und Doom Metal-Bereich. Wenn erst mal cleane Vocals dazukommen, ergibt es sich eher, dass man bei der „Formel“ bleibt, halt mit Strophe und Refrain – gerade was Refrains angeht, weil da ja normalerweise die Hooklines liegen. Und das war die Herausforderung für uns, wir wollten eine „echte“ Band sein. Ich weiß noch, als wir „Discouraged Ones“ aufgenommen haben, da wollten wir „echte“ Songs haben, Songs, mit denen sich die Leute schnell identifizieren können. Trotzdem haben wir natürlich schnell kapiert, dass jetzt nicht jeder Song auf Zwang 3:30 lang sein und immer nach dem Muster Strophe-Bridge-Refrain gehen muss, denn das wäre ja auch langweilig gewesen. Also sagten wir uns, lasst uns auch Songs haben, die sich von selbst irgendwie entwickeln. Das ist denke ich die Definition von Progressivität: Lass irgendetwas einfach dahin laufen, wo du nicht erwarten würdest, dass es dort landen würde. Von daher machen wir uns jetzt nicht großartig Gedanken um die Länge der Songs. Ich meine, auf dem ersten Album hatten wir Stücke, die elf Minuten lang sind und das haben wir seitdem nicht mehr gemacht, aber ich hätte kein Problem damit, zum Beispiel sieben Minuten lange Stücke zu haben. Letztlich geht es um die Arrangements. Wenn etwas sehr clever arrangiert ist, so wie Opeth das machen, dann ist es sehr schön, lange Stücke zu haben. Aber man sollte keine langen Stück machen, nur damit es einfach lange Stücke werden.

 

The-Pit.de: Nein, natürlich nicht. – Könntest du dir vorstellen, dass ihr irgendwann wieder Doom-Elemente und Growls verwendet?

Anders: Growls nicht wirklich, denn das würde die Band momentan limitieren. Jonas entwickelt sich als cleaner Sänger immer noch weiter, er wird von Album zu Album besser.

 

The-Pit.de: Ich meine, mal gehört zu haben, er selbst sähe sich nicht als besonders guten Death Metal-Sänger an. Stimmt das?

Anders: Ich denke, er ist ein großartiger Death Metal-Sänger.

 

The-Pit.de: Ich meine, weil Mikael Åkerfeldt bei „Brave Murder Day“ die Growls übernommen hat.

Anders: Der ist halt noch besser (lacht).

 

The-Pit.de: Ja gut, aber den zu überbieten, geht ja sowieso nicht.

Anders: Ja, aber es war damals eine Technik-Geschichte bei Jonas, das weiß ich noch. Er sollte auf „Brave Murder Day“ singen und wir haben’s probiert, aber es funktionierte einfach nicht, denn es klang echt scheiße. Also mussten wir ehrlich zu ihm sein und er musste ehrlich mit sich selbst sein. Wir sagten uns: „Das können wir so nicht veröffentlichen“ und zum Glück hatte Mikael damals gerade Zeit und konnte die Scheibe neu einsingen – damals hatte er noch weit mehr Freizeit. Das war sehr cool. „Brave Murder Day“ ist auch einer meiner absoluten Favoriten, denn es ist das einzige Album, das diesen Stil hat, keines unserer anderen Alben klingt auch nur entfernt wie „Brave Murder Day“.

 

The-Pit.de: Und „Day“ ist für mich einer der traurigsten Songs, die ich je gehört habe.

Anders: Das war auch das erste Mal, dass Jonas bemerkte, dass er sehr wohl clean singen kann und das gab ihm viel Selbstvertrauen. (Schmunzelnd): Andererseits hätte er sonst auch keine Zukunft in der Band gehabt, was würde er machen? Nicht singen... Okay, er war der Schlagzeuger... Na gut, dann wäre er der Schlagzeuger (lacht).

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