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Katatonia im Interview (Oktober 2009)

"Wir rennen niemandem hinterher. Man wird Katatonia nicht bei MTV Cribs oder so was sehen."

Legte die Messlatte enorm hoch: "The Great Cold Distance" von 2006

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The-Pit.de: Klingt logisch. Was habt ihr denn im Gegensatz zu „The Great Cold Distance“ verändert? Mein Eindruck ist zum Beispiel, dass ihr mehr Keyboards eingesetzt habt.

Anders: Oh ja, sehr viel mehr. Wir glaubten, dass wir dieses Element weitaus mehr verwenden könnten, um das Ganze atmosphärischer zu gestalten. Natürlich sind wir eine Metalband und daher liegt der Fokus stets klar auf Gitarrenriffs und fetten, wuchtigen Drums und so weiter, aber es gibt so viel, was man darüber hinaus verwenden kann. Ich meine natürlich nicht gleich bombastischen Streicher-Hollywood-Kram (grinst)...

 

The-Pit.de: Das würde wohl auch nicht so ganz passen...

Anders: Nein, das wäre nicht mehr Katatonia. Aber wir fanden, wir könnten beispielsweise Sounds verwenden, die gar nicht mal unbedingt ein Instrument sein müssen. Das kann einfach nur ein Sound sein, von dem man eigentlich gar nicht richtig weiß, was das überhaupt ist. Und das versuchten wir, sehr oft auf diesem Album einzusetzen, um die Produktion mehrdimensionaler erscheinen zu lassen – man hört sehr viel auf einmal abgehen, ohne dass das Klangbild over the top erscheint, vielmehr werden diese Sounds auf subtile Art und Weise dem Klangbild hinzugefügt.  

 

The-Pit.de: Wenn du das sagst, stellt sich natürlich die Frage, ob es auch einen 5.1-Mix geben wird...

Anders: Das hoffe ich stark, denn ich denke, das Album verdient das. Es ist geradezu dafür prädestiniert und kommt dem jetzt schon ziemlich nahe, besonders unter Kopfhörern. Aber das liegt natürlich beim Label, ich kann das leider nicht entscheiden. Aber das wäre schon sehr cool.

 

The-Pit.de: Gibt es irgendeine Bedeutung bezüglich des Titels „Night Is The New Day“ oder passt diese Bezeichnung einfach nur gut zu euch?

Anders: Beides. Erstmal klingt es natürlich sehr Katatonia-mäßig. Es folgt so ein bisschen unserer Tradition, ein wenig Ironie in unseren Albumtiteln zu haben, wie zum Beispiel „Viva Emptiness“. Gleichzeitig jedoch zeigt es, wie wir die Zukunft der Welt sehen. Es wird ein Ende geben und ich glaube nicht, dass sich die Dinge zum Besseren entwickeln werden. Es gibt definitiv einen Niedergang, der sich in der Mentalität der Leute widerspiegelt – es ist schon oft eine ziemlich kalte Welt da draußen und das ist es, was der Titel aufzeigt: Eines Tages wird die Nacht der neue Tag sein.

 

The-Pit.de: Auf „The Great Cold Distance“ habt ihr einen Song, der „Deliberation“ heißt und auf „Night Is The New Day“ einen, der „Liberation“ heißt...

Anders (fällt mir, die Frage ahnend, gleich ins Wort): Da gibt es keinen Zusammenhang, das ist Zufall.

 

The-Pit.de: Okay. Hast du einen Lieblingssong auf dem Album oder wechselt das?

Anders: Das ändert sich jeden Tag und kommt ganz auf die Umstände an. Auf der Bühne zum Beispiel könnte „Liberation“ ein Favorit sein, aber wenn ich auf dem Bett mit Kopfhörern liege – nicht, dass ich das tun würde, weil ich im Moment genug von dem Album habe (lacht) – würde ich wohl einen anderen Song wählen, einen, den wir nicht unbedingt live spielen. Im Prinzip würde ich aber nicht unbedingt einen Song herauspicken, denn das beste ist, das Album als Ganzes zu hören.

 

The-Pit.de: Ich selbst mag zum Beispiel den Song „Idle Blood“ sehr gerne. Klingt fast wie eine Opeth-Ballade...

Anders: Das ist übrigens Mikaels (Åkerfeldt, Opeth-Frontmann – Anm. d. Verf.) Lieblingsstück auf dem Album, wie er uns erzählt hat. Das macht demnach Sinn (lacht). Ja, wir versuchen immer, ein paar Sachen auszuprobieren, die für uns sonst nicht so typisch sind, beispielsweise „Siebziger-Jahre-Sounds“, also den Einsatz eines Mellotrons oder der Fender Rhodes und solche Dinge. Wir dachten, wir könnten das gut in das Album einbringen und in einen Song packen, der etwas anders als die traditionellen Katatonia-Stücke klingt. Und „Idle Blood“ hebt sich in dieser Hinsicht schon etwas vom restlichen Material ab. Wir wagten es, einen Song in die CD zu integrieren, der sich etwas Seventies-lastiger anhört, aber immer noch unverkennbar Katatonia ist.

 

The-Pit.de: Und haben Jonas und du wieder alle Stücke geschrieben oder haben auch die anderen etwas beigetragen? Dürfen sie das überhaupt?

Anders: Die anderen sind stets willkommen, ihren Beitrag zum Songwriting zu leisten – aber sie tun es nicht. Ich frage sie auch immer.

 

The-Pit.de: Es hat sich also einfach so entwickelt, dass ihr beide das Songwriting-Team seid?

Anders: Ja genau, es hat sich einfach so entwickelt und es funktioniert bestens. Wir arbeiten sehr gut zusammen, aber mehr Input der anderen würde natürlich nicht schaden, denn wer weiß schon? Es konnte sich irgendwo ein verstecktes Meisterwerk verbergen. Die anderen sind sehr talentiert, aber vielleicht haben sie ihre Position noch nicht gefunden, das auch zu zeigen. Sie sind mehr daran interessiert, live zu spielen, als daran, zu komponieren.

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