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In Extremo im Interview (Februar 2017)

„Eigentlich bin ich mit einem großen Kindergarten im Reisebus unterwegs und mache Städtereisen“

The-Pit.de: Eure mittelalterlichen Stücke oder auch das eben benannte „Lieb Vaterland“ haben zum Teil schon andere Künstler aufgegriffen; schaut man da auch mal rüber, was der Kollege daraus gemacht hat?

Micha: Das interessiert mich nicht, ich habe auch keine Ahnung, was die so machen. Man trifft sich einmal im Jahr auf dem Festival, da sagt man sich „Guten Tag“ und das war‘s. Man sagt ja manchmal „Konkurrenz“, aber, wenn ich mal so arrogant sein darf, dazwischen liegen einige tausend mehr verkaufte CDs, Punkt. Das mein ich auch im Ernst, da sind einige Kollegen dabei, die noch nie Danke für unsere Vorarbeit in der Szene gesagt haben.

The-Pit.de: Gut, aber „Lieb Vaterland“ gibt es ja auch von Udo Jürgens, der sicher noch ein paar CDs mehr verkauft hat.

Micha: Ja, gut, das kenne ich. Das ist eine Hammernummer und er war auch irgendwie ein cooler Typ, Gott hab ihn selig. Aber trotzdem orientiert man sich nicht daran.

The-Pit.de: Zu „Sternhagelvoll“ habt ihr ein ganz besonders Video gemacht, schon allein dieser 360°-Winkel ist ja der Knaller und man kann sich quasi überall mit hineinsetzen. Wer ist auf die Idee gekommen?

Micha: Wir haben mit einem Videoteam gesprochen, die auch schon andere Videos für uns gemacht haben und die haben uns diese neue Technik vorgestellt. Ich konnte mir gar nicht viel darunter vorstellen, aber als wir das gesehen haben, dachte ich, das gibt es doch gar nicht! Was du dort manchmal nach dem zwanzigsten Mal noch entdeckst, ist schon geil. Es ist natürlich auch ein absoluter Gute-Laune-Song, der Text ist ja auch absolut zeitlos und wer uns kennt, der muss eh darüber schmunzeln. Ich muss da selber manchmal noch lachen.

The-Pit.de: Zu sehen ist unter anderen auch Rummelsnuff, habt ihr eigentlich noch Bezug zu der „alten“ Berliner Szene?

Micha: Nein, eigentlich gar nicht. Irgendwie hat sich das nach der Wende alles etwas getrennt, der eine ist da hin und der andere dort hin. Aber man sieht sich eben nach zwanzig Jahren auch mal wieder, er ist ja auch ein cooler Typ und eine Kunstfigur.

The-Pit.de: Als Bonustrack habt ihr das „Palästina“-Lied mit dabei. Ihr hattet meines Erachtens mal gesagt, dass ihr dies nicht mehr spielt, weil es überall gespielt wird. Wie kam es zur Sinneswandlung?

Micha: Das ist das Palästina-Lied 2. Man soll ja nie „nie“ sagen, zehn Jahre später denkt man wieder ganz anders drüber. Wir haben halt zusammengesessen und einfach gedacht, komm, lass uns das nochmal machen. Eigentlich sollte es gar nicht auf die Platte drauf, aber irgendwie fanden wir, dass es eine Klasse-Nummer ist und haben es als Bonus mit drauf gepackt. Sonst wäre dies auch verschenkte Arbeit gewesen.

The-Pit.de: Wie viele Lieder entstehen im Vorfeld ungefähr?

Micha: 30.

The-Pit.de: Und wie schwer wird dann die Entscheidung?

Micha: Schwer, wobei es sich bei einigen früh herauskristallisiert, was ein Muss ist. Bei anderen merkst du auch schnell, dort ist es nicht so. Wobei es sind halt immer sieben Leute, der eine mag das, der andere das. Meist entscheiden wir das demokratisch oder halt danach, wer am lautesten schreit.

The-Pit.de: Bei der Erstellung der Setlist ist es ähnlich?

Micha: Das ist Blues. Wir haben mittlerweile über zweihundertfünfzig Songs und eine Setlist zu erstellen, wird immer schwieriger. Aber ich glaube, dies gelingt uns trotzdem noch recht gut, meist eine Mischung aus Alt und Neu. Bei neuen Titeln fallen wieder Klassiker raus, was auch nicht jedem gefällt und im Endeffekt kannst du es eh niemandem recht machen, am wenigstens uns selber.

The-Pit.de: Als abschließende Frage mal ein Satz von dir aus einem alten Interview. Du hattest mal geäußert, dass du dir nicht vorstellen kannst, mit fünfzig noch im Lendenschurz auf der Bühne zu stehen. Ist das jetzt nur eine Kleidungsfrage?

Micha: Habe ich das mal gesagt? Ach, vergiss es! Nein, warum sollte man aufhören, das macht alles noch viel zu viel Spaß. Die Aussage ist bestimmt vor fünfzehn Jahren entstanden, da hat man noch nicht weitergedacht. Wenn ich jetzt aufhören würde, wäre ich total bescheuert. Das macht alles Spaß, für mich ist das auch kein Job, sondern mehr. Eigentlich bin ich mit einem großen Kindergarten im Reisebus unterwegs und mache Städtereisen. Je oller, je doller, glaub mir das. Also Aufhören ist kein Thema.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Michael Rhein für das Interview und an Theresa von Carrycoal für die Vermittlung. Im Sommer sind In Extremo wieder auf ihrer Burgentour zu erleben, die sich Fans nicht entgehen lassen sollten.

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