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In Extremo im Interview (Februar 2017)

„Eigentlich bin ich mit einem großen Kindergarten im Reisebus unterwegs und mache Städtereisen“

The-Pit.de: Ihr habt bei dem Song Hansi Kürsch als Gastsänger, wie habt ihr ihn überzeugt auf Deutsch zu singen?

Micha: Wir kennen uns ja schon lange. Da haben wir ihn einfach angerufen, gesagt, dass wir einen Song haben, der aber auf Deutsch ist. Daraufhin hat er gemeint, dass er das zwar noch nie gemacht hat, worauf ich sagte „dann machst du es jetzt“. Dann kam sein Okay, so einfach war das. Man fragt ja auch nur Leute, die man schon länger kennt und wo es passt. Dies war bei Heaven Shall Burn das Gleiche. Wir setzen uns nicht vorher hin und denken daran, mit wem wir arbeiten, dies ist während der Produktion entstanden.

The-Pit.de: Und wie habt ihr wiederum den Kosakenchor ran bekommen?

Micha: Den haben wir über unseren russischen Fanclub kennengelernt, es ist wirklich einer der berühmtesten Chöre aus Moskau, die touren eigentlich die ganze Zeit. Wir haben unser Lied hingeschickt und sie haben dann ihre Stimme draufgegeben. Sie waren in Moskau übrigens auch mit auf der Bühne, das war einfach fantastisch.

The-Pit.de: Du sprachst gerade Heaven Shall Burn an, die ja immer noch kleine Clubtouren machen. Bei euch sind es mittlerweile fast nur noch große Säle.

Micha: Das stimmt nicht ganz, bevor das Album herauskam, haben wir auch eine Clubtour gespielt. Zum Beispiel in Jena im F-Haus, wo die Leute direkt bis vorne stehen und nach zwei Minuten das Wasser von der Decke tropft. Das ist zwar mit sieben Mann manchmal etwas eng, aber es macht unheimlich Spaß. Aber große Hallen oder Festivals machen genauso Spaß, es ist einfach die Abwechslung.

The-Pit.de: Eine Akustik-Tour ist ebenfalls wieder vorstellbar?

Micha: Mit Sicherheit.

The-Pit.de: Neue Töne sind bei euch in puncto Sozialkritik gekommen. „Quid pro Quo“ ist da natürlich vorne mit dabei, wie ist das Lied entstanden?

Micha: Ich würde sagen, es ist spontan entstanden. Da haben wir alle zusammengesessen und jeder hat ein paar Textzeilen mit reingeschmissen. Ich mein, wenn du heute die Medien anmachst, kommst du nicht Drumherum, da liegen die Texte quasi schon auf der Straße. Wenn du dies siehst, alle machen nur die Hände auf und keiner will mehr was geben, dies ist ja schon der Grundgedanke des Lieds. Und wenn du nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt gehst, springt dir eigentlich sowas entgegen.

The-Pit.de: Bisher habt ihr euch aber mit solchen Themen zurückgehalten.

Micha: Wir sind ja eigentlich auch Entertainer und keine Politiker. Jetzt haben wir mit „Lieb Vaterland“ eine Aussage gemacht, dies ist ein Antikriegslied, was alles aussagt und was man auch nicht weiter übersetzen muss. Dazu gibt es auch ein Video, welches schon ziemlich heftig geworden ist.

The-Pit.de: Dieser Ausspruch „Lieb Vaterland“ stammt ja eigentlich aus „Wacht am Rhein“, was ursprünglich ein Soldatenlied war. Wie seid ihr darauf gekommen, dies „umzudrehen“?

Micha: Ja, richtig. Kay hat sich darüber viele Gedanken gemacht und viel mit seinem Opa geredet. Es war damals schon wie heute, junge Leute werden mit Versprechen angeworben und zwei Tage später stehen sie an der Front und werden abgeknallt. Und für wen? Für irgendwelche Arschlöcher und genau dies sagt das Lied aus. Alles ist auf der Flucht, alles leidet, Familien zerbrechen und dies ist ein ewiger Kreislauf. Seit dem ersten Weltkrieg hat die Menschheit eigentlich gar nichts dazugelernt, damit ist das Lied eigentlich zeitlos. Wir haben ja auch nur den kleinen Ausschnitt genommen, der restliche Text ist ja von uns und der Rest des Refrains aus einem katholischen Gebetsbuch.

The-Pit.de: Du lebst zum Teil auch in Kroatien, wo die Flüchtlingspolitik auch zum Thema geworden ist. Bei ihnen ist der Krieg noch nicht so lange her, gibt es dort eine andere Sichtweise, als bei einigen Leuten hierzulande?

Micha: Ich lebe einen Großteil in Kroatien und werde im Dorf auch als Einheimischer akzeptiert. Dort werde ich selbst von älteren Menschen angehauen, was in Deutschland los ist. Man kann sicher, auch was die Region hier betrifft, nicht alle über einen Kamm scheren, aber vor gut fünfundzwanzig Jahren standen wir alle, auch halb Sachsen, in Westberlin vor dem LKW und haben die Plastetüten abgeholt. Damals standen alle da und waren froh endlich frei zu sein. Und ich muss wirklich sagen, die sollen sich alle schämen, Leute jetzt mit Dreck zu bewerfen. Ich meine, da stehen Frauen und Kinder, und selbst wenn es schwarze Schafe gibt, aber, wenn ich das sehe, bekomme ich echt Wut auf die Dummheit dieser Menschen. Ich komme ja selbst aus dem Osten, aber ich schäme mich wirklich dafür. Erwachsene Menschen schubsen Kinder durch die Gegend, wo leben wir denn? Da muss man einfach auch mal Flagge zeigen. Überleg doch, der halbe Osten ist über den Acker gekrochen, hat alles stehen und liegen gelassen und heute beschimpfen sie einen, der vor Krieg geflohen ist. Dafür habe ich keinerlei Verständnis.

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