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Ihsahn im Interview (Februar 2010)

"Wenn ich im Alter von elf Jahren einen Gitarrenlehrer wie mich gehabt hätte, würde ich verdammt noch mal lieber üben"

Emperor sind engültig Geschichte

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The-Pit.de: Und wird es, um das Album zu promoten, auch Live-Aktivitäten geben? Ich habe gehört, dass du dich selbst ja eher im Studio wohl fühlst.

Ihsahn: Oh ja, ich bin definitiv lieber im Studio. Ich war noch nie ein großer Fan von ausgedehnten Touren: Im Tourbus fahren, besoffene und bekiffte Leute überall und jeden Tag, schlechte Bedingungen; als wir die Emperor-Reunion-Konzerte gemacht haben, waren das nur einige ausgewählte Shows unter guten Bedingungen, denn da konnten wir uns wirklich auf eine Show zur Zeit fokussieren. Das gab mir dann auch das Interesse zurück, überhaupt live zu spielen und ich bin sehr froh, eine wirklich starke Liveband zusammen zu haben, in Form von Leprous – ich habe gewissermaßen im wahrsten Sinne eine komplette Band angeheuert. – Bisher bestätigt sind das Inferno Festival in Norwegen, Wacken in Deutschland, Brutal Assault in Tschechien und Hellfest in Frankreich. Wir werden also lediglich auf ausgewählten Festivals diesen Sommer in Europa spielen.


The-Pit.de: Du hast außerdem bei YouTube einige Videos reingestellt, bei denen man den Aufnahmeprozess verfolgen kann.

Ihsahn: Ja, ich mochte es schon immer, Studioreporte zu sehen, hauptsächlich, weil ich schon immer daran interessiert war, welches Studioequipment benutzt wird, welche Gitarrenverstärker, Mikrophone und so weiter, und wie aufgenommen wird, aber meistens – im Gegensatz zu meinen Videos – sieht man nur den Engineer und einen von der Band aufnehmen, während der Rest der Band irgendwelchen Blödsinn macht, sich betrinkt oder Videospiele zockt. In meinen Videos sieht man die Realität, wie ich tatsächlich arbeite – deswegen haben wir ein wenig ironisch auch eine Warnung dazu geschrieben, dass hier absolut nichts Aufregendes oder Enthusiasmus zu sehen sei; kein Herumgealbere oder ähnliches, sondern nur mich oder meine Frau und mich, wie wir Studioarbeit betreiben.


The-Pit.de: Und wie sieht es mit deiner Aktivität als Musikpädagoge aus? Bist du eigentlich Gitarrenlehrer oder unterrichtest du richtig Musik als Fach, sozusagen?

Ihsahn: Ich war so etwas wie ein Bandlehrer und hab auch Studiotechnologie unterrichtet, aber inzwischen gebe ich eigentlich hauptsächlich ganz normal Gitarrenunterricht. Einmal die Woche arbeite ich außerdem an einer lokalen Musikschule, wo ich so eine Art Vorlesungen abhalte, was dann sicherlich eine etwas akademischere Annäherung bedeutet, des weiteren schreibe ich ein paar Kolumnen für Guitar World. Einige meiner Schüler kommen natürlich auch immer wieder mit einem Emperor-Song an, den sie gerne spielen lernen möchten, was mich schließlich dazu veranlasste, ein Buch mit Emperor-Tabulaturen zu schreiben.


The-Pit.de: Mein früherer Gitarrenlehrer meinte glaube ich mal, dass Leute unterrichten auch eine Geben-und-nehmen-Situation sein kann.

Ihsahn: Wenn man denn talentierte Schüler hat... Aber bei denen, die immer Ausreden haben, warum sie ihren Kram nicht geübt haben, ist das nicht sehr inspirierend. Da geht das eigentlich nur in eine Richtung (lacht laut). – Und ich will nicht anmaßend erscheinen, aber ich selbst hatte nie einen Gitarrenlehrer, und in manchen Situationen, wenn mir die Kids dann erzählen, sie wären zu beschäftigt gewesen, um zu üben, denke ich mir: Wenn ich im Alter von elf Jahren einen Gitarrenlehrer wie mich gehabt hätte, würde ich verdammt noch mal lieber üben (lacht wieder).


The-Pit.de: Ich denke, mein Gitarrenlehrer war auch immer etwas zu freundlich mit mir. Ich meine, er war und ist ein großartiger Gitarrist, aber ich war auf jeden Fall auch einer der Typen, die zwar gerne spielen wollten, aber keine rechte Lust hatten, zum Beispiel technische Übungen zu machen.

Ihsahn: Das kann ich allerdings irgendwie verstehen (lacht). Ich hab mich lieber damit beschäftigt, Musik zu schreiben, als der weltbeste Shredder zu werden. In dem Sinne ist es mir ja fast schon ein wenig peinlich, wenn ich Kolumnen für Guitar World schreibe, und da ist auf einer Seite Paul Gilbert, und dann blättert man um und da bin ich. Dann denke ich mir: Was soll ich bitteschön noch hinzufügen, was Paul Gilbert oder Slash oder Dave Mustaine nicht bereits erwähnt haben? – Ich versuche, meine Kolumne darauf zu fokussieren, wie ich Gitarrenriffs schreibe oder Kontraste kreiere.


The-Pit.de: Ich war vor nicht allzu langer Zeit übrigens bei einem Workshop von John Petrucci und dachte danach: Okay, vielleicht sollte ich nie wieder Gitarre spielen...

Ihsahn: Haha, ja, aber ich erinnere mich noch, Ende der Neunziger hatte er dieses Lehrvideo gemacht und das war tatsächlich hilfreich, nicht so wie bei Yngwie Malmsteen, wo es nur heißt: „Guck mal, wie schnell ich spielen kann“. Petrucci hat ja selbst an der Berklee School studiert und hatte dort Unterricht und kann die Inhalte dementsprechend auch vermitteln.

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