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Ihsahn im Interview (Februar 2010)

"Wenn ich im Alter von elf Jahren einen Gitarrenlehrer wie mich gehabt hätte, würde ich verdammt noch mal lieber üben"

Sang auf Ihsahns zweitem Album: Mikael Åkerfeldt

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The-Pit.de: Es gibt auf dem Album auch einen Song mit dem Titel „Frozen Lakes On Mars“. Hat der irgendeine bestimmte Bedeutung? Interessierst du dich vielleicht für Astronomie?

Ihsahn: Na ja, zunächst einmal ist Mars ja bekanntermaßen der Gott des Krieges. Und das ist so eine Art Link zu den vorigen Alben, in denen diese ganzen Engelsfiguren (mit Engel bezieht er sich natürlich auf Luzifer – Anm. d. Verf.) vorkamen – „Adversary“, „Angel“ sind verschiedene Namen für dieselbe Sache. Es gibt Hinweise auf Ikarus oder Prometheus – diese ganzen „gegnerischen“ Typen, die ich gerne für meine Texte verwende, weil sie sehr gut dafür stehen, was ich ausdrücken will. Und trotz oder wegen dieser abstrakten Art ist es ganz natürlich, Hinweise und Referenzen zu geben. Dieses Mal bin ich in Form des Planeten Mars noch abstrakter vorgegangen. Die Lyrics handeln vom Symbolismus bezüglich Mars, wobei ich mich auch visuell inspirieren ließ; ich hatte eine ganze Menge Bilder auf einem Laptop, alles mögliche, von Malereien bis hin zu Satellitenfotos vom Mars. All diese Dinge wurden sozusagen im Prozess miteinander vermischt.


The-Pit.de: Aha. Auf dem Album spielt außerdem Jørgen Munkeby von Shining (Nor), (hier geht’s zum Review von „Blackjazz“ – Anm. d. Verf.) auf einigen Tracks Saxophon. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und zu der Entscheidung, das Saxophon auf „After“ einzusetzen?

Ihsahn: Das ist eine ganz witzige Geschichte. Zunächst kannte ich Shining und Jørgen Munkeby überhaupt nicht, die Idee, in meiner Musik das Saxophon einzusetzen hatte ich allerdings schon längere Zeit. Auf meinen früheren Alben hatte ich ja auch bereits Gäste: Auf dem ersten war Garm (Ulver, ex-Arcturus, ex-Borknagar – Anm. d. Verf.) und auf dem zweiten Mikael Åkerfeldt von Opeth Gastsänger bei jeweils einem Song, und da es sich ja wie gesagt um eine Trilogie handelt, wollte ich diese „Tradition“, einen Gastmusiker dabei zu haben, fortführen. Wegen des Konzepts auf der neuen Platte, das beinahe postapokalyptisch anmutet, sehr unmenschlich gewissermaßen, wollte ich diesmal jedoch keine Gesangsstimme als Gastauftritt haben, sondern stattdessen meine Saxophon-Idee verwirklichen; es würde der Musik die nötige epische Tiefe verleihen, deshalb fühlte ich, dass es jetzt an der richtigen Zeit dafür war. Ich fand immer, dass das Saxophon ein sehr nach Einsamkeit klingendes, fast meditatives Instrument ist.
Jedenfalls, als ich Promotion für „The Adversary“ in Paris betrieb, traf ich an der Gepäckausgabe des Flughafens Charles de Gaulle zufällig Bugge Wesseltoft, der einer der berühmtesten Jazzmusiker Norwegens ist und an diesem Wochenende eine Show in Paris spielte. Wir kamen ins Gespräch, er gab mir seine Handynummer und wir trafen uns ein paar Mal. Als ich dann Saxophon auf dem neuen Album haben wollte, dachte ich, der Kerl ist Jazzmusiker, er wird wohl eine Menge Saxophonisten kennen. Also rief ich ihn an und er nannte mir drei Namen, wies aber insbesondere auf Jørgen Munkeby hin, da dieser seiner Meinung nach am besten mit meiner Art Musik zurechtkommen würde. Also rief ich Jørgen an und erfuhr, dass er vor Shining bei Jaga Jazzist spielte, einer experimentellen Jazzcombo, die ich jahrelang sehr viel gehört hatte – nur sind da um die fünfzehn Leute in der Band, deswegen habe ich nie wirklich nachgeguckt, wer wer ist.
Dann hörte ich außerdem noch, dass er mit meinen Freunden von Enslaved kollaboriert hatte. Ich habe also einen ganz schönen Umweg gemacht, hätte ich einfach mit jemandem von Enslaved gesprochen, hätte ich ihn wohl viel schneller kennengelernt (lacht). Auf jeden Fall war er ein absoluter Glückstreffer und hat alles so performt, wie ich es mir vorgestellt habe, wenn nicht besser. Ein sehr netter Typ, der ein guter Freund geworden ist.


The-Pit.de: Cool. Es gibt auf dem Album weiterhin zwei Longtracks, „Undercurrent“ und „On The Shores“, die gewissermaßen zusammengehören, da bei beiden teilweise die gleichen Melodien verwendet werden. Irgendwie musste ich deswegen ein bisschen an „Shine On You Crazy Diamond“ von Pink Floyd denken. Natürlich ist das nicht die gleiche Musik, aber schon wegen der Aufteilung...

Ihsahn: Wenn du das denkst, fasse ich das als großes Kompliment auf...


The-Pit.de: Pink Floyd sind ja auch weiß Gott nicht die schlechteste Referenz...

Ihsahn: Nein, überhaupt nicht (lacht). Natürlich kenne ich „Shine On You Crazy Diamond“ oder auch „Dark Side Of The Moon“ sehr gut, aber im allgemeinen kommt es öfters vor, dass die Leute Einflüsse von Bands und Künstlern in meiner Musik heraushören, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Und selbstverständlich kommt mir häufig zu Ohren, dass die Leute die Opeth-Einflüsse heraushören, was vielleicht auch auf eine indirekte Art passiert. Ich meine, ich liebe Opeth, aber es ist natürlich leicht für die Menschen, diese Verbindung herzustellen, da Mikael auf meinem zweiten Album gesungen hat. Es ist ohnehin einfacher für die Leute, eine Verbindung mit etwas herzustellen, das sie schnell erkennen können. Allerdings ist es glaube ich das erste, nein, eigentlich das zweite Mal, dass sich tatsächlich jemand auf Pink Floyd im Vergleich mit diesem Album bezieht. Da kann ich mich selbst nur als glücklich drüber ansehen (lacht).

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