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Rock Hard Festival 2014

Das Rock Hard Festival macht das Dutzend voll

Das diesjährige Rock Hard Festival dürfte mit so viel Spannung wie lange nicht mehr erwartet werden: Zwar handelt es sich nicht um eine Jubiläumsausgabe (die hatten wir schon 2012 mit zehn Jahren RHF), doch fand im Januar beim Rock Hard bekanntermaßen ein massiver Einschnitt in Sachen Belegschaft statt: Vier feste Redakteure nahmen ihren Hut (darunter auch Chefredakteur Götz Kühnemund), ihnen folgte eine Reihe freier Mitarbeiter – klar, dass das in metallischen Kreisen Diskussionen heraufbeschwor und geschockte Stammleser zurückließ. Hier wurden schließlich nicht einfach nur Schreiberlinge ausgetauscht, sondern gingen echte Typen; das Rock Hard galt stets als Szenesprachrohr und deren Protagonisten nicht als überhebliche VIP-Zeltgänger, sondern als Metalfans wie jeder andere auch, mit denen man fachsimpeln und sich dabei ein Bierchen gönnen konnte.  

Sicherlich laufen das Rock-Hard-Magazin und das gleichnamige Festival als zwei unterschiedliche Firmen und laut dem Heft war Götz, auch nachdem feststand, dass er nicht länger für den Chefredakteurposten verantwortlich sein würde, immer noch derjenige, der an den Headlinern dran war, trotzdem ist wohl klar, dass dieses brisante Thema, über das sich im RH-Forum immer noch fleißig das Maul zerrissen wird, auch auf dem Festival heiß debattiert werden und sich möglicherweise auch auf die Stimmung auswirken wird.

Man wird sehen, was passiert, fest steht, dass auch dieses Jahr wieder eine illustre Mischung seitens der Veranstalter zusammengestellt wurde: Mit Megadeth hat man zweifellos einen wirklich großen Namen nach Gelsenkirchen holen können – bleibt nur zu hoffen, dass Dave Mustaine ausschließlich die Musik sprechen lässt und abgesehen von gesanglichen Darbietungen ansonsten bitte schön die Schnauze hält. Dass die Band live immer noch Arsch treten kann, sollte jedenfalls bekannt sein.

Als Headliner für die beiden anderen Tage fungieren Carcass und Triptykon – letztere wieder am Freitag, wo sie auch schon vor drei Jahren mit tonnenschweren Düsterriffs in der Abenddämmerung alles platt walzten. Wenn die neue, sehnsüchtig erwartete zweite Platte auch nur halb so gut wird wie der Erstling, werden die Schweizer sicherlich erneut groß auftrumpfen. Auf Carcass (und vor allem deren Headliner-Slot) freuen sich mit Sicherheit auch die Leute ganz besonders, die vor einigen Monaten vom Auftritt in Oberhausen völlig zu Recht maßlos angepisst waren, als die Amis als Vorgruppe von Amon Amarth völlig verheizt wurden, da man sie zwang, viel früher als geplant aufzutreten.
 
Anhand dieser drei Headliner wird schon deutlich, dass das Festival wie immer Wert auf traditionellen Metal und Hard Rock gelegt hat, doch das Publikum hier ist eben auch eher Old School und hat ganz bestimmt keinen Bock auf allzu moderne Strömungen, die irgendwie auf -core enden. Mit Roxxcalibur beispielsweise hat man eine Band am Start, die zwar nicht selbst bei der NWOBHM dabei war, sich jedoch diesem Sound verschrieben hat und ein dementsprechendes Programm bieten will. Blues Pills beziehen sich mit ihren Bluesrock-Wurzeln auf sogar noch ältere Heroen und punkten vor allem mit einer fantastischen Sängerin und einem ebenso talentierten, noch blutjungen Gitarristen – eine der größten Nachwuchshoffnungen derzeit überhaupt. Ähnliche Wurzeln haben auch die Münsteraner Zodiac, die immer wieder bewiesen haben, dass sie gerade live richtig viel Spaß machen.

Ganz lange im Geschäft sind auch Tesla, die just in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern und als vorletzte Band am Sonntag mit Sicherheit auch eine ganze Menge Hits aus ihrer umfangreichen Discographie zum Besten geben werden. Ebenfalls schon lange dabei sind Monster Magnet, deren Verpflichtung ohne Übertreibung als eine der großen Überraschungen bezeichnet werden darf. Mal sehen, was die Truppe um Front-Weirdo Dave Wyndorf live so auf die Beine stellen wird. Genauso interessant zu sehen wird sein, wie sich Midnight auf der Bühne schlagen, nachdem die Rumpeltruppe (bzw. deren stinkbesoffener Schlagzeuger) vor zwei Jahren im Oberhausener Helvete unfreiwillig das unterhaltsamste Konzert seit langem ablieferten.

Mit den Thrashern von Sacred Reich sowie den Oriental-Metallern Orphaned Land geben sich alte Bekannte die Ehre, denn beide sind bereits je einmal (2009 bzw. 2010) im Amphitheater aufgetreten und werden bestimmt erneut gut abräumen. Dies wird garantiert auch Jeff Waters’ Truppe Annihilator tun, denn auf diese Band war live schon immer Verlass, wie sie auch beispielsweise beim letzten Wacken Open Air untermauert haben.

Extrem-Metal wird in diesem Jahr augenscheinlich deutlich weniger geboten, zumindest in schwarzmetallischer Hinsicht. Dafür gibt es wieder etwas mehr Todesstahl um die Ohren: Neben den bereits erwähnten Carcass ist mit Obituary eine weitere Kultformation aus diesem Bereich vertreten, auch die Polen Decapitated gehen in diese Ecke, während Insomnium die weitaus melodischere Variante dieser Spielart darstellen: Mit ihrem dieser Tage erscheinenden sechsten Album „Shadows Of The Dying Sun“ bringen die Finnen auch gleich neues Material mit.

Mit Dead Lord, Iron Savior, Nocturnal, Pretty Maids, Screamer und Sólstafir gibt es weitere stilistisch sehr unterschiedliche, aber in jedem Fall traditionell agierende Bands zu bestaunen, wobei letztgenannte am deutlichsten aus dem Rahmen fallen und mit ihrem atmosphärischen, psychedelisch geprägten Düsterrock für den Exotenfaktor sorgen werden. Auch stellt sich die Frage, wie sich Die Apokalyptischen Reiter schlagen werden, denn deren Verpflichtung wurde unter den Fans doch eher zwiespältig aufgenommen – auch wenn Bassist Volkmar Weber alias Volk-Man selbst als Schreiberling beim Rock Hard tätig ist. Eins ist klar: Selbst wenn das Wetter diesmal nicht mitspielen sollte (was wir alle natürlich nicht hoffen), wird’s hundertprozentig wieder ein kurzweiliges, spannendes, unterhaltsames und geiles Festival!

Eine Running Order existiert bereits, allerdings noch ohne konkrete Uhrzeiten, die wir aber natürlich nachliefern, sobald sie feststehen. Vorerst sieht das Ganze so aus:

Freitag, 6. Juni:

Triptykon
Die Apokalyptischen Reiter
Midnight
Decapitated
Zodiac
Nocturnal

Samstag, 7. Juni:

Carcass
Sacred Reich
Obituary
Pretty Maids
Sólstafir
Screamer
Dead Lord
Roxxcalibur

Sonntag, 8. Juni:

Megadeth
Tesla
Annihilator
Monster Magnet
Insomnium
Orphaned Land
Blues Pills
Iron Savior

Weitere wichtige Informationen:

Ort: Gelsenkirchen, Amphitheater
Preise: 77,00 € inkl. MwSt. und 10% VVK-Gebühr

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