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Zu Besuch im Aexxys Art Studio

Von Tontechnikerschulen, Homerecording und Bassidolen

Die Technik im Regieraum ist beeindruckend

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The-Pit.de: Du spielst neben deiner Haupttätigkeit als Toningeneur noch in zwei Bands. Wie schaffst dDu das denn zeitlich? 

Stephan Fimmers: (lacht) Das ist schwer. Mit Necrophagist ist derzeit ja noch Pause. Als wir aber auf Tour waren musste das Studio einfach warten. Mit Grand Sermon sieht die Sache etwas anders aus. Da haben wir zwar die CD gemacht, schaffen es aber kaum gemeinsam zu proben, weil alle von uns noch in anderen Bands aktiv sind. 

The-Pit.de: Du bist ja Linkshänder. Ist es schwieriger als Linkshänder ein vernünftiges Instrument zu bekommen? 

Stephan Fimmers: Schwieriger in dem Sinne ist es nicht. Aber deutlich teurer ist es. Von den Customfirmen bekommt man alles, was man haben will. Ich habe nicht die Möglichkeit wie Rechtshänder, dass ich einfach in ein x-beliebiges Geschäft gehe und gleich einmal zwanzig Bässe probespiele. Also weiß ich auch nicht, ob es vielleicht ein billigeres Modell gäbe, das trotz geringerem Preis einen guten Sound hat. Die großen Firmen sind da recht unflexibel. Ich habe einmal auf der Musikmesse bei einem namhaften Hersteller nachgefragt, ob sie mir ein Custommodell einer ihrer Bassgitarren bauen würden und habe eine glatte Abfuhr erhalten. Für die großen Firmen ist ein Instrument nicht relevant und somit lassen diese sich auf so etwas gar nicht ein. 

The-Pit.de: Du hast ja jetzt schon jede Menge CDs eingespielt. Bist du noch nervös, wenn es an die Aufnahmen geht? 

Stephan Fimmers: Bei den meisten CDs, die ich eingespielt habe, habe ich mich auch selbst aufgenommen. Da war dann niemand anders dabei. Einmal habe ich mit einem anderen Tontechniker aufgenommen und dieser hat mir bescheinigt, dass ich der schlimmste Musiker bin, mit dem er jemals gearbeitet hat. Das liegt, glaube ich, aber einfach daran, dass ich schon während des Einspielens des Takes weiß, ob er gut war oder nicht. Der Tontechniker kann aber nicht wissen, wie ich die Aufnahme schneiden oder überarbeiten will. Ich habe den armen Mann unglaublich gestresst und er hatte danach auch richtig schlechte Laune. Nervös bin ich aber eigentlich nicht. Ich möchte die Arbeit mit mir einfach keinem mehr antun, deshalb nehme ich mich lieber wieder selber auf. 

The-Pit.de: Du tauchst in einigen Internetrankings als einer der besten Bassisten im Heavy Metal auf. Wie denkst Ddu darüber?

Stephan Fimmers: Ich fühle mich da natürlich brutal geehrt. Ich sehe das aber ein wenig differenziert. Zu einem guten Musiker gehört mehr als nur Technik. Außerdem fühle ich mich Welten von einer Basslegende entfernt. Wenn man Alex Webster von Cannibal Corpse näher betrachtet, dann merkt man schnell, dass dieser ja auch die Songs macht und nicht nur Bass spielt. Steve DiGiorgio ist auch so ein Fall. Was der früher bei Death gezaubert hat ist sagenhaft. Im Vergleich sehe ich mich eigentlich ganz weit davon entfernt. Das mag jeder etwas unterschiedlich empfinden, aber ich selbst sehe mich nicht als so großes Genie am Bass. 

The-Pit.de: Wenn man Deine Spieltechnik betrachtet, dann solltest du nicht so tief stapeln. Da hast du schon einiges drauf. 

Stephan Fimmers: Ja gut, aber die Technik ist für mich immer nur Mittel zum musikalischen Zweck. Da kann man recht banale Vergleiche aufstellen. Die Aussage „Ich kann so und so schnell spielen“ kann ich gleichsetzen mit „Ich kann so oder so schnell laufen“. Dafür braucht man viel Disziplin und einen eisernen Willen, um seine Zeit mit stundenlangem Üben zu verbringen. Das können aber andere auch schaffen, wenn sie hart genug üben. Darum finde ich den Ausdruck Legende nicht angebracht. 

The-Pit.de: Legende ist auch ein blöder Ausdruck. Als Vorbild für junge Bassspieler dürftest du aber doch gelten. 

Stephan Fimmers: Das Wort Vorbild gefällt mir schon sehr viel besser. Ich habe vor ein paar Tagen auf Youtube ein Video von einem Basser, der bestimmt gerade mal so um die zwanzig war, gesehen. Der Kerl war so gut, dass ich mir nur dachte: „Kann ich nicht!“ Da bin ich ja dann auch beeindruckt. Es ist ja immer so, dass man die Menschen bewundert, die etwas können, was man selber eben (noch) nicht kann. 

The-Pit.de: Ganz heftig sind ja auch die Jazzer unterwegs. 

Stephan Fimmers: Ja klar. Zu der Zeit, als ich noch Gitarrist werden wollte, wurde mir nahe gelegt, mich mit Jazz zu beschäftigen. Als ich mir dann so einige Sachen anhörte dachte ich mir oft: „Aha, jetzt hat er einen falschen Ton gespielt, hat's gecheckt und spielt ihn gleich wieder falsch“. Das war so mein erster Eindruck vom Jazz. 

The-Pit.de: Das bringt uns gleich weiter: Was hörst Du denn privat für Musik? Unabhängig von Necrophagist und Aexxys Art. 

Stephan Fimmers: Ich höre nach der Arbeit nur noch sehr wenig Musik intensiv. Meistens, wenn ich aus dem Studio heimfahre, höre ich B5 Aktuell (ein Nachrichtensender – Anm. d. Verf.) weil ich da am besten abschalten kann. Ansonsten ist mein Musikgeschmack sehr breit gefächert. Ich höre Funk, viel Metal von In Flames über Motörhead bis Pestilence und auch sonst bin ich nicht mit Scheuklappen unterwegs. 

The-Pit.de: Du kommst ja als Musiker und Tontechniker viel rum. Gehst du auch noch als Zuhörer auf Konzerte? 

Stephan Fimmers: Wenig. Ich bin ja auch livemixingtechnisch noch viel unterwegs, wenn auch hauptsächlich mit einer Countryband. Wenn die aber einmal ein Wochenende Pause haben, dann mache ich meist als Techniker wieder etwas mit ein paar Metalbands. Und wenn selbst das ausbleibt, dann bleibe ich lieber auf der Couch und erhole mich ein wenig. 

The-Pit.de: Man hört, vor allem von Musikern aus dem Ausland, immer wieder, dass die Szene in Deutschland eine der besten ist. Du warst schon in vielen Ländern. Wie siehst du das?

Stephan Fimmers: So rein aus meinem Blickwinkel würde ich sagen, dass es die Musiker in den USA schon sehr viel leichter haben. Die Bands haben dort einfach viel mehr Chancen live zu spielen. Dort setzten sich die Bands in ihren Van, fahren von Club zu Club uns spielen so im Jahr bis zu 250 Konzerte. Anscheinend funktioniert das bei denen mit der Kohle, den Versicherungen und was weiß ich was. Für eine deutsche Band ist es ja undenkbar, wenn man sagt, man möchte jetzt einfach mal zwei Monate durch Europa touren. In dem Bereich sind uns die USA vermutlich tatsächlich voraus. 

The-Pit.de: Vielen Dank Stephan für das nette Gespräch, ich hoffe wir sehen uns einmal live bei einem Konzert

Stephan Fimmers: Ich bedanke mich ebenfalls, ich denke wir werden uns sicherlich einmal bei einem Konzert treffen.

Dass die Chemie zwischen Musikfreaks gestimmt hat, das ist dem Interview unschwer anzukennen. Für den Termin waren 60 Minuten veranschlagt, aber erst weit nach über drei Stunden verlassen die Redakteure das Aexxys Art Studio wieder. Viel zuviel gibt es zu erzählen und zu bereden. Ein wenig Fachsimpelei muss natürlich auch sein und die ganze Technik eines Tonstudios zu inspizieren nimmt natürlich auch Zeit in Anspruch. Stephan erweist sich im Gespräch als äußerst redefreudig, sympathisch und aufgeschlossen. Von Starallüren kann nicht die geringste Rede sein. Als Haupteindruck bleibt von ihm der eines Mannes, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und diesen auch mit jeder Sekunde genießt.

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