Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Zu Besuch im Aexxys Art Studio

Von Tontechnikerschulen, Homerecording und Bassidolen

Stephan vor dem Recordingpult

Zum Thema

Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen mit Stephan ein paar Worte zu wechseln. Bei einer Tasse Kaffee am Tresen des Aufenthaltsraumes sitzend nahm das Gespräch seinen Lauf.

The-Pit.de: Hi Stephan! Schön, dass wir uns in deinen heiligen Hallen etwas umsehen durften. Möchtest du uns und unseren Lesern etwas über den Werdegang und die Entstehung deines Studios erzählen?

Stephan Fimmers:  Hi! Freut mich, dass ihr zu mir gefunden habt. Ich kann euch gerne ein wenig über die Geschichte des Aexxys Art Studios erzählen. Begonnen hat eigentlich alles ganz klassisch. Der jetzige Aufnahmeraum war zuvor der Proberaum, in dem wir zuallererst einfach nur geprobt haben. Stück für Stück kam dann die kleine PA, das kleine Mischpult und der erste Vierspur-Kassettenrecorder dazu. Dieser wurde dann später vom ersten Achtspur-Digitalrecorder ersetzt. Hier im jetzigen Aufenthaltsraum entstand dann der erste Regieraum. Schritt für Schritt hat sich das Ganze langsam ausgebreitet. Im Prinzip war hier nie Stillstand. 

The-Pit.de: Im Prinzip also die klassische Aufbausituation. 

 Stephan Fimmers: Ganz genau! 

The-Pit.de: Du hast ja mehrere Diplome verschiedener Audiofachinstitute. Der Normalmusikfan kann sich unter einer Ausbildung zum Tontechniker nicht so viel vorstellen. Kannst du kurz umreißen wie diese abläuft?

Stephan Fimmers: Das erste Problem an der Sache ist, dass es ja keine anerkannte Ausbildung gibt. Es gibt nur Privatschulen wie die MSG und die Deutsche POP zum Beispiel. Diese Privatschulen kosten aber natürlich Geld, was den Einstieg schon wieder erschwert. Die Ausbildung selbst beinhaltet einen Querschnitt durch alles, was mit Tontechnik zu tun hat. Auf der SAE beinhaltet das zum Beispiel Einblicke in die Bereiche Rundfunk, Akustik, elektronische Musik, Livetechnik und Studiotechnik, um jetzt mal die Wichtigsten zu nennen. Das Prinzip bei den meisten Schulen basiert auf learning by doing und es gibt für den ambitionierten Schüler unfassbar viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel höchst technisierte Studios. Wenn man sich dort anstrengt, dann kann man da auch sehr viel lernen. Als ich als Schüler auf der Schule war, da war der Gitarrist von Bonfire dort als Lehrer. Wenn einem so jemand am Mischpult beim Mischen etwas erklärt, dann bleibt schon dementsprechend viel hängen und man kommt den Geheimnissen der „Großen“ schon deutliche Schritte näher. 

The-Pit.de: Inzwischen arbeitest du ja selbst als Dozent auf der MSG. Das ist ja schon eine beeindruckende Entwicklung. Vom kleinen Lehrling bis zum Lehrer. Das war warscheinlich so zuvor nicht absehbar. 

Stephan Fimmers: Nein, gar nicht. Zu der Dozententätigkeit kam ich eher zufällig. Nach der SAE war ich noch auf der deutschen POP, früher MSG. Das ist eigentlich auch ein Studio, das Schulungen macht. Dort habe ich noch einige Weiterbildungen gemacht. Der Masterdozent dort, Gerhard Wölfl, hatte schon mit Paradise Lost und Guano Apes gearbeitet. An der Schule musste ich ein Referat halten. Dieses fand der damalige Schulleiter so gut, dass er mich gleich als Dozent angeheuert hat. Diese Tätigkeit stellte mich vor völlig neue Herausforderungen. Man macht mit der Zeit so viele Sachen intuitiv und aus Reflex. Plötzlich ist man dann aber in der Situation, dass man dem Schüler einen jeden Schritt, den man macht, erklären muss. Das verändert die Arbeitssituation völlig. Plötzlich muss man sich bei jedem Arbeitsschritt wieder überlegen, warum man etwas gerade jetzt macht. Und dann muss das Wissen ja noch verständlich vermittelt werden. Es ergibt sich aber schlagartig noch ein weiteres Problem: Die Schüler kommen ja nicht alle aus dem Rock-/Metalsektor. Da sitzen dann vor einem Leute aus der Klassik, dem Hip Hop, aus der Popbranche und was auch immer. Zwangsläufig entstehen dann Fragen an die man niemals gedacht hat. Zum Beispiel: Als das erste Mal eine verzerrte Gitarre zur Sprache kam, wurde ich sofort mit der Frage konfrontiert, was denn eine verzerrte Gitarre sei. Da denkt man sich als Metaller dann natürlich schon erst einmal seinen Teil. Ich habe dort aber auch noch sehr viel gelernt. Ich habe den Schülern dann Mixübungen gegeben. Da gab es dann auch mal Grindcore zum Abmischen. Bei mir in der Klasse waren viele Technoleute. Es ist sehr interessant, wie unbefangen Schüler an diese Aufgabenstellung gehen und es kommen ungewöhnliche Ergebnisse dabei heraus. 

The-Pit.de: Hattest du bei dir im Studio schon ein Erlebnis das du sicher nicht mehr vergessen wirst? 

Stephan Fimmers: Bei mir war einmal ein Gitarrist, der sich keine zwei neuen Saiten für eine Gitarre leisten konnte oder wollte. Das fand ich recht skurril. Eine Studioaufnahme kostet ja auch etwas und da dann an den Gitarrensaiten zu sparen ist ja wohl das falscheste Ende, an dem man sparen kann. Seit dem Zeitpunkt bespreche ich mich immer ausführlich mit jungen Bands, bevor die eigentlichen Aufnahmen beginnen. So etwas ist auch seitdem nicht mehr passiert. 

The-Pit.de: Hattest du einmal eine andere Jobvorstellung als Musiker beziehungsweise Tontechniker? 

Stephan Fimmers: Eigentlich wollte ich immer Kinderarzt werden. Daran bin ich aber leicht vorbeigeschrammt. Als ich dann mal mit der Musik begonnen hatte, zog es mich immer weiter da rein. Von der Gitarre kam ich zum Bass und der Rest ist Geschichte. 

The-Pit.de: Das ist aber ungewöhnlich, dass ein Gitarrist zum Bass wechselt. 

Stephan Fimmers: Ich war einfach ein schlechter Gitarrist! Ursprünglich wollte ich Berufsmusiker als Gitarrist werden. Technisch war ich bestimmt gar nicht so schlecht. Ich fand die anderen Gitarristen aber immer viel cooler als mich. Aus Probierlust habe ich mir dann einen Bass zugelegt und habe als Basser in der ersten Band gespielt. Meine Spielerei hat allen gefallen, ich fühlte mich wohl mit den dicken Saiten und den tiefen Tönen und seitdem ist der Bass mein Instrument. 

The-Pit.de: Das ist ein interessanter Werdegang. Vom, nach eigener Aussage, gescheiterten Gitarristen zu einem der gelobtesten Metalbassisten der Welt. 

Stephan Fimmers: Mir hat das Bassspielen viel Spaß gemacht und ich habe mich an dem Instrument einfach wohler gefühlt. 

The-Pit.de: Der Bass ist ja eh die bessere Gitarre. 

Stephan Fimmers: Das sehe ich genauso! (lacht) 

The-Pit.de: Durch die modernen Techniken des Homerecording produzieren viele kleine Bands ihre Platten zuhause. Siehst du darin eine Bedrohung für die professionellen Studios? 

Stephan Fimmers: Bedrohung ist vielleicht etwas krass formuliert. Es ist aber sicherlich so, dass dadurch Kunden wegfallen. Allerdings ist es auch so, dass dadurch wieder ein anderer Markt entsteht. Ich hatte schon den Fall, dass sich Bands für 1500 bis 2000 Euro Homerecordingequipment gekauft haben, ihre Instrumente zuhause eingespielt und ihre Musik dann mir zum Mixing gebracht haben. Heute ist in diesem Bereich schon sehr viel möglich und mit der richtigen Ambition und Anstrengung können auch Homerecordingaufnahmen echt fett werden. Die Grenzen zwischen Profi und Amateur weichen zusehends auf. Daher kann man schon irgendwie von einer Bedrohung sprechen. Damit muss man aber einfach leben. Der Markt ist ja nicht weg, er verändert sich nur. Ich versuche meine Arbeit eng an die Bands, die im Homerecording aufnehmen wollen, anzulehnen und den Musikern auch die nötigen Ratschläge und Tipps zu geben. Manche Sachen funktionieren ja zuhause ganz gut, Gitarre und Bass zum Beispiel, für wieder andere Instrumente (wie das Schlagzeug) oder auch den Gesang ist es schon immer noch ratsam, ein Studio aufzusuchen. Man muss eben einen Weg finden mit den Bands zu arbeiten. Die Budgets sind nicht so groß. Viele der Bands hätten bestimmt kein Problem damit, ein Studio aufzusuchen und sich unter die Arme greifen zu lassen, wenn das Geld dafür vorhanden wäre. 

Seite
comments powered by Disqus

Wolken mit Gesichtern oder Jesus auf einem Pfannkuchen

Hinzu kommen Borknagar, Wolfheart und Hinayana

Neues Album und Tour im nächsten Jahr

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna