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When Trees Leave Wolves: Listening-Session im Studio (November 2014)

Ein Sonntag unter dem Groovekeulenfirmament

Frontmann Lionwolf live mit When Trees Leave Wolf beim Rage Against Racism 2014

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Leichte Kost bieten die Aachener When Trees Leave Wolves nicht an, und dann aber wiederum doch. Wie das, wenn sich doch alle Fingerzeige gen Fragezeichen zuneigen, wenn das Offensichtliche sich bescheiden wegduckt und den Blick auf eine komplett andere Facette des heimischen Sounds freilegt? Das Quintett macht es sich wahrlich nicht leicht, kredenzt eine Mischung aus Southern Rock, Doom, Sludge, Alternative und Metal, hat von jedem reichlich intus, aber dann doch nicht so viel, als dass ein Genre die Oberhand gewinnen könnte.

Was sich so kompliziert anhört, hat aber unterm Strich nur einen für den Fan schlussendliche Folge: An die Eier packen und höllisch groovend rocken, was das Zeug hält. Und man ahnt es schon, die aktuelle EP „ReSISToR“ vom Juni 2013 ist nur ein wagemutiger Schritt, ein weiteres Herantasten an die eigenen soundlichen Wünsche, getragen von der nicht mehr ganz so unfixen Idee, sich noch ein bisschen besser zu präsentieren; einfach noch ein Stückchen weiter zu verkaufen, ohne die Seele an die Businessbedingungen zu verlieren, sondern sich noch mehr dem eigenen Konzept hinzugeben.

Heute an einem Sonntagnachmittag sitzen wir also in gemütlicher Runde im Studio, mit der Kaffeetasse in inniger Umarmung, und während die drei Anwesenden, Frontmann Lionwolf sowie die beiden Gitarristen Izzy Grim und Orange Dragon, ein wenig im Plauderton durchaus der angespannten Endphase der Produktion entgegenfiebern, wirkt allein Produzent Kristoph („der ist erst zufrieden, wenn er die Fehler ausgemerzt hat, die wir nicht mehr hören“) eine Spur unausgeglichener herumtigernd, weil er die noch anstehenden Baustellen kennt und wohl am besten weiß, was noch alles bevorsteht. Und doch wirkt er souverän genug, etwas mehr als zwei Stunden zu opfern, die einmal erst in großer Runde damit verbracht werden, über die eigenen musikalischen Vorlieben zu diskutieren: „Du kennst Saigon Kick?“ über „ich find Crowbar geil“, „Down sind unschlagbar klasse“ bis hin zu dem Werdegang von Motorjesus. Ein kleiner Austausch, wer wo geerdet ist, schon landen wir bei Mustasch, dessen Fronter Ralf ja die letzte EP mit einem „bei uns in Schweden nennt man das Arschtritt, ein Killer“ adelte – was so entspannt wirkt, pendelt sich langsam dem Höhepunkt entgegen, und das ist nun mal die Listeningsession des Full-Lenght-Debüts „Thirteen Stars“, welches im frühen 2015 via 7Hard anvisiert ist.

Mehr zusammengewachsen, wobei sich die Band erstaunlich geschlossen gibt, wo Interna auch wirklich noch Interna sind, die eigenen Stärken ausbauen und über die Schwächen auch mal lachen können, so die Marschroute, als sie beschlossen hatten, trotz der doch sehr eigenwilligen aktuellen Musikszene – unreflektiertes Hinterherhecheln von „Trends“ und immer wieder die hohlen Phrasen, den Underground zu unterstützen – sich in das Wagnis eines Debüts zu stürzen, die Kostenfrage erst gar nicht zu diskutieren, nicht aber ausblenden und so ganz nebenbei sich demütig dankbar zu zeigen, dass man die Chance bekommt, über den Wohlfühlraum Aachen hinaus punkten zu können. Auf dem Weg zum Ziel visieren wir heute sieben von neun neuen Songs an – an dieser Stelle nochmals ein fettes Dankeschön für den exklusiven Einblick, der nur eines zum Schluss zulässt: Die Fahrt nach Duisburg hat sich gelohnt:

- „Epitaph (Intro)“ – ein Schulterschluss zur EP, denn so ruhig, wie „ReSISToR“ endet, startet auch „Thirteen Stars“, ein paar Streicher mischen sich unter und sorgen für reichlich Atmosphäre.

- „Blackened Flow“ – macht deutlich, dass WTLW an ihren Feinheiten weiter gefeilt haben und auch Frontmann Lionwolf noch souveräner ans Werk geht. Fast schon Sprechgesang zu Beginn, Vocals auch mal verfremdet und doch am Ende unverkennbar noch sich selbst sein, der Spagat ist gelungen. Insgesamt etwas experimenteller, dunkler, leicht Mystik ausstrahlend.

- „Catspaw“ – schwergewichtig, dunkel, einfach rollend, der Song funktioniert und treibt sich schon selbst voran, der Gesang ist hier etwas straighter angelegt, aber trotzdem variabler, weiterentwickelter als noch bei der EP. Lionwolf treibt den Gesang durchaus etwas auf die Spitze, auch kommen hier durch einige aggressivere Shouts ein wenig mehr seiner Wurzeln durch.

- „Piss On Your Law“ – lebt nicht nur erneut vom fett rollenden Groove, sondern wird gerade durch die Drums von Thor angetrieben. Ein Endzeit-Song mit kurzem Sireneneffekt, der durch die Kriegstreiberei leider nie an Aktualität verliert. Lionwolf setzt hierbei auch deutlich mehr auf aggressiveren Gesang als bei den beiden Stücken zuvor, starke Headbangernummer.

- „End Of The Road“ – der große Auftritt für Leadgitarrist Izzy Grim, der ständig im Vordergrund agiert; er verfällt nicht ins Gniedeln, setzt aber seinen Stempel. Der Track rollt ungemein mächtig und vermischt den „Steifen“ von Crowbar mit Down und auch Corrosion Of Comformity; insgesamt etwas rockiger angelegt und nur gute vier Minuten lang.

- „Down Comfort“ – ruhiger, mit sirenenartiger Gitarre startender Beginn, insgesamt ruhiger angelegt, recht doomig, fast schon minimalistisch, kratzt dabei locker an der Grenze zum Sludge (dezente Note), ohne diese jedoch zu überschreiten. Ein Test, wohin denn die Reise geht, Izzy Grim darf sogar in den Vordergrund treten, ohne sich eine Sehnenscheidenentzündung einzuhandeln.

- „Thirteen Stars“ – bündelt dann nochmals alle WTLW-Stärken, auch hier steht wieder der sprittig hochprozentige Groove im Vordergrund, auch hier hören wir Lionwolf facettenreicher, die Drums treiben unentwegt an und werden immer dann ein bisschen „progressiver“, wenn sich alle anderen zurücknehmen.

- „C.G.L.I.C. (Creepy Grinding Lovers In A Candlelight)“ – wieder rockiger angelegt, liebevoll mit einem Black Label Society-Gedächtnisriff kommentiert, einige deutlichere Down-Einflüsse. Gerade auch bei Lionswolfs Gesang schieben sich diese in den Vordergrund.

Hatten When Trees Leave Wolves ihre Vorproduktion noch im Vorfeld einigen nahen Freunden vorgestellt mit der Frage, ob sie denn noch gut wieder erkennbar sind, so kann man die Bejahungen aus dem engeren Bandumfeld erneut vollauf bestätigen. Die Trademarks, die sie sich schon auf der EP „ReSISToR“ herausgearbeitet haben, kommen hier mehr auf den Punkt, sind variabler, aber unverkennbar noch immer aus der Aachener Southernschmiede. Fett rollend, nicht schwermütig, experimentell, ohne sich auf diversen Schleichwegen zu verirren – die erste Hörprobe macht jetzt schon Bock auf mehr, egal, ob live oder digital. Die Grundlage für steigenden Erfolg werden sie mit „Thirteen Stars“ nicht nur weiter ausbauen, sondern ganz sicher dabei gleich ein paar erste Stufen überspringen.

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