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Rebellion: Whiskyspecial mit Tomi Göttlich - Teil 5

Whiskykunde aus 10.000 Höhenmeter

Der Whiskykeller im Hause Göttlich birgt noch mehr Stoff für das Special

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Wenn ich in den Urlaub fliege, ist natürlich ein Stop im Duty Free Shop Pflicht. Gelegentlich bekommt man eine Beratung und einen kostenlosen Schluck zum Probieren. Manchmal frage ich dann unschuldig sehr spezielle Fragen und freue mich, wenn ich die „Experten“ aus dem Beratungskonzept bringen kann. Meine Frau findet das immer echt peinlich - wahrscheinlich hat sie recht - aber es macht halt Spaß. Auf jeden Fall gab es heute Morgen keine Beratung, dafür aber eine Flasche Isle of Jura im Sonderangebot und da konnte ich nicht dran vorbeigehen. Isle of Jura ist natürlich auch ein Inselwhisky und kommt von der Insel Jura (lach, wer hätte das gedacht). Ich erspare euch die Geschmacksbeschreibung des Standards und verweise lieber auf die besten Einzelfass-Abfüllungen dieser Destillerie, die ich bisher getrunken habe. Das Geile daran ist, dass sie noch verfügbar und relativ preiswert ist. Das liegt natürlich daran, dass der Standard nicht schlecht aber eben auch nicht gut ist. Einzelfass-Abfüllungen anderer Destillerien sind oft sehr viel schneller vergriffen. Wenn euch die unten stehende Beschreibung reizt, fragt mal Tante Google, die sollte wissen, wo es noch was von dem geilen Zeug gibt.

Name: Isle of Jura

Fass: Oloroso Sherry first fill

Abfüller: Dun Bheagan

Alter etc.: 10 Jahre, destilliert: 11.2001, abgefüllt: 2012, cask nr. 90981, 614 bottles > 56,6 %

Nase: Marzipan, Krokant, leichte Schwefeltöne mit Salz, Rauch und Anklänge von erdigem Torf und irgendwas Fruchtiges in Richtung Traube

Geschmack: zuerst bitter-torfig, dann ein wenig angebrannt aber auch Marzipan und süß, teilweise Spuren von herben Waldhonig, er beginnt, leicht zu rauchen, wobei die bitter angebrannten Noten bleiben, später wird er nussig und Marzipan kommt nach vorne, während nur noch leicht bittere Torfnoten mitschwingen

(21.06.2012 – Facebook und ich)

Für einen Jura ist er doch sehr komplex und ungewöhnlich, im Ausdruck relativ klar, auch wenn er deutlicher sein könnte. Aber dieses beständige Changieren und Balancieren von Geschmackselementen verleiht ihm eine ganz eigene Note. Offensichtlich ein ziemlich torfiges und salziges Fass (zumindest für Jura-Verhältnisse), welches man noch einmal in einem Oloroso-Fass abgerundet hat. Für mich ist er einer der besten Juras, die ich bisher getrunken habe - außergewöhnlich und spannend.

12 von 15 Punkten

Highland Park, Scapa und Jura sind ja echt ganz nett, aber natürlich sehr viel gefälliger und weniger extrem als die Whiskys von Islay - oder von Mull. Dort gibt es die Destillerie Tobermory, die zum einen Tobermory und zum anderen Ledaig herstellt. Beide Whiskys sind großartig. Der Ledaig ist noch etwas kräftiger und gewöhnungsbedürftiger als der Tobermory. Wer es extrem liebt, sollte mal einen Ledaig in Fassstärke probieren. Also etwa 10-Jährige sind oft für 50,00 bis 60,00 € zu haben, aber Achtung, das Zeug ist echt nichts für Mädchen. Es schmeckt in etwa so:

Name: Ledaig

Fass: Butt (wohl Bourbon)

Abfüller: Chieftains

Alter etc.: 10 Jahre, destilliert: 03.1997, abgefüllt: 10.2007, cask nr.: 800004, 348 bottles > 61,3 %

Nase: schwefelig stechendes Gummi, Salz, Rauch, Jod und Torf und hintendran breite Vanillesüße (also ich will das ja nicht schreiben, aber irgendwie riecht er auch so ein bisschen wie so ein Dixie-Klo, nur so ein bisschen, ist echt eine krasse Nummer)

Geschmack: Vorneweg die maritimen Verdächtigen, das Salz beißt richtig, sehr torfig, Stefan schmeckt noch eine Melone, (man ist der voll; grinst), der bittere und torfige Geschmack dominiert, im Abgang bleiben die Elemente, es setzt sich noch eine Spur Vanille durch.

(30.08.2010 – mit Stefan Lüdtke)

Superklar im Ausdruck, einfach nur ein extremer Whisky, nett schmeckt er nicht, aber er kann einen echt erschrecken, ich habe selten so extreme Noten gehabt, es fühlt sich beim Trinken so an, als würde er Bremsspuren auf der Zunge hinterlassen. Das klingt blöd, aber wer schon einmal Ledaig getrunken hat, weiß, was ich meine.

12 von 15 Punkten

Ui, jetzt sehe ich, dass ich langsam Schluss machen sollte, erstens befinden wir uns schon im Landeanflug und zweitens wird sonst dieser Blog doch ziemlich lang, also mache ich es kurz. Eine der schönsten Flecken von Scottland ist sicherlich die Isle of Sky. Romantisch, nebelig und zumeist im Regen scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Feen und Elfen scheinen noch immer hier zu wohnen (und tun es wahrscheinlich wirklich noch). Sky in der Sonne zu erleben ist schwierig, aber wenn man das Glück hat, dann wird es ein unvergesslicher Moment bleiben.

Selbiges kann man auch über den Whisky dieser Insel sagen. Er hört auf den Namen Talisker. Die Standard-Abfüllung gehört meines Erachtens mit Sprinbank und Ardbeg zu den drei besten verfügbaren Standards überhaupt. Vielleicht finde ich den Talisker sogar noch einen Tucken besser, denn er ist noch direkter und unglaublich klar im Ausdruck, das liest sich dann in etwa so:

Name: Talisker

Fass: Komposition (ich finde "Gepansche" für einen meiner Lieblingswhiskys irgendwie unangemessen – grinst)

Abfüller: Destillerie

Alter etc.: 10 Jahre > 45,8 %

Nase: Jod, Salz, Rauch und eine Spur Torf, starke Minze und vielleicht eine ganz leichte Holznote, bei genauerem Nachriechen fliegt da noch eine Scheibe Schinken durch die Gegend

Geschmack: pfeffrig-scharf mit richtig Kraft, Jod und beißendes Salz, starker Rauch und im Rachen bitterer Torf, darunter kommen manchmal Spuren von Vanille durch, im Abgang wird er milder und gewinnt herbe, leicht sahnige Süße und raucht und raucht

(01.09.2010 – mit Stefan Lüdtke)

Wow, immer wieder ist er beeindruckend, sehr stark im Ausdruck, der hat sozusagen dicke haarige Eier, macht richtig Spaß, definitiv eine der besten verfügbaren Standards.

11 von 15 Punkten

So, ich hoffe, ich habe euch auf den einen oder anderen Whisky neugierig gemacht, ich selber werde schon wieder zurück aus Griechenland sein wenn ihr das lest (Sonntag Mittag landen wir), aber bis dahin werde ich mir nochmal den Sommer zurück holen (30 Grad), während ihr im Regen sitzt (lacht), - sorry, das war gemein...

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