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Rebellion: Whiskyspecial mit Tomi Göttlich - Teil 4

Campbeltown, eine Region voller Blutfehden und Whisky

Wenn man Familie, Job und Band hat, muss man schon auf so manches verzichten. Meist tue ich das gerne, denn ich bekomme ja auch unglaublich viel zurück. Besonders deutlich wurde mir das mit dem „Verzichten“ im Sommerurlaub 2011. Wir waren mit dem Wohnmobil vier Wochen lang in Schottland unterwegs und es war ein gigantischer Urlaub. Man fährt quasi fast ständig an irgendeiner Destillerie vorbei, die man gerne besuchen würde. Man hat aber Frau und Kinder dabei und ist froh, dass die Frau einem fünf oder sechs Besuche ermöglicht. Mehr geht eben einfach nicht, aber so ist es halt. Dafür erlebt man auch Dinge, die man sonst vielleicht nicht erlebt hätte. Auf einem Campingplatz an der Ostküste zum Beispiel spielte meine Tochter mit einem schottischen Mädchen. Ich kam mit dem Vater ins Gespräch und erzählte ihm, dass ich gerne noch nach Campbeltown fahren wollte, des Whiskys wegen. Er sah mich fast verächtlich an und sagte die Stadt sei hässlich und schmutzig und er selber sei überhaupt noch nie da gewesen und würde auch mit Sicherheit niemals dorthin fahren. Ich fragte ihn warum und er antwortete, dass er MacDonald hieße und dann ließ er mich stehen. Ich selber brauchte einige Minuten um diese Äußerung zu verstehen. Wenn der Hintergrund interessiert, der kann es hier nachlesen. Dagegen ist doch eine albanische Blutfehde ein Kindergeburtstag.  

Campbeltown liegt auf der von Paul McCartney einst so romantisch besungenen Mull of Kintyre. Also an der Westküste, wo die Whiskys torfiger und schwerer sind. Zu den besten Zeiten der Stadt gab es dort eine Vielzahl an Destillerien (man sagt so um die 30), so dass die Stadt als eigene Region geführt wurde. Heute sind davon nur noch zwei übrig geblieben und eine dritte wurde 2004 gegründet. Diese drei haben es aber in sich.

Die bekannteste hiervon ist Springbank. Die Destillerie ist eine der wenigen, die noch in privater Hand ist, also keinem großen Konzern gehört. Das macht sie natürlich erst mal sympathisch. Leider sind nur sehr wenige unabhängige Abfüllungen auf dem Markt, dafür bietet Springbank eine wachsende, aber noch überschaubare Palette an eigenen Abfüllungen an. Ich habe alle schon getrunken. Einer der besten ist erfreulicherweise der zehnjährige Standard. Natürlich habe ich den in meiner Datenbank und bräuchte ihn nur einzufügen. Da ich ihn aber schon 2009 aufschrieb und damals noch kein Fazit gezogen habe, habe ich ihn extra für euch nochmal eingeschenkt (jaja, was tu ich nicht alles). Ich hatte in der ersten Folge ja schon darauf hingewiesen, dass ein Standard Single Malt auch ein Verschnitt ist, nur eben ausschließlich aus Fässern einer Destillerie. Das Alter auf der Flasche ist dabei das Alter des jüngsten Fasses, welches sich in diesem Verschnitt befindet. Üblicherweise sind auch deutlich ältere Fässer dabei. Erst die geben die Tiefe im Geschmack und runden ihn ab. Natürlich sind diese alten Fässer nur begrenzt verfügbar. Keiner hätte vor 20 Jahren geahnt, dass der Whisky-Markt einmal derart explodieren würde, wie er das seit etwa zehn Jahren tut und ein Ende ist nicht in Sicht. Diese positive Entwicklung bedeutet aber auch, dass zum einen für alte Fässer sehr hohe Preise bezahlt werden und viele Destillerien diese dann eben doch an unabhängige Abfüller verkaufen oder sie auch selber als Premium Linie abfüllen. Somit können die Fässer leider nicht mehr in die Standard Malts fließen, welche dadurch in vielen Fällen spürbar schlechter geworden sind. Ein Beispiel hierfür ist Laphroaigh (Islay, siehe Teil 1) oder auch Aberlour aus der Speyside Region (kommt noch, in 2017 oder so). Dies ist, wie ihr aus der folgenden Verkostungsnotiz ersehen könnt, bei Springbank erfreulicherweise nicht der Fall. Daher ist als Einstieg in die Campeltown Whiskys von meiner Seite aus der zehnjährige Standard die beste Empfehlung; auch wenn er etwas teurer ist als die meisten anderen Standards, ist er das Geld wirklich wert. Er schmeckt in etwa so:

Name: Springbank

Fass: Vermählung

Abfüller: Destillerie

Alter etc.: 10 > 46%

Nase: Jod, Salz, Schwefel, Rauch, Schokolade, schwere süße Orangentöne, ich finde ja, er riecht noch ein bisschen nach Schinken hinter der Orange, Markus meint, ich spinne, es riecht eher irgendwie geräuchert

Geschmack: krasse Salznoten, Kohle und Torf mischen sich mit Marzipan und Honig, ständiges Schwanken zwischen den Elementen, im Abgang kommt eine anhaltende Rauchnote dazu und hinten auf der Zunge Aprikose, Zimt auf der Zungenmitte, während das Salz noch lange bleibt, ganz spät an den Zungenrändern kommt Minze zum Salz

(26.02.2009 – mit Markus Bensch)

revisited: 27.08.2012 – für Whisky Blog von The-Pit.de

Nase: wie gehabt nur jetzt etwas fruchtiger, die Orange ist quasi nicht mehr ganz so schwer

Geschmack: wie gehabt, der Rauch ist evtl. etwas stärker geworden ...

Ein wirklich beeindruckender Standard, sehr klar im Ausdruck, deutlich definiert (wenn auch nicht sehr gut). Unglaublich, wie der mit seinen 46% den Gaumen quasi überfällt. Ein Zehnjähriger, der zu den besten Standard Abfüllungen überhaupt gezählt werden muss. Kann in einer Reihe mit Ardbeg und Talisker benannt werden und zwar ohne jede Einschränkung.


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