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Rebellion: Whiskyspecial mit Tomi Göttlich - Teil 3

Eine Geschmacksreise durch Islay

Ich hab den Knaller schon eingeschüttet, smile! Generöse 4 cl gönne ich mir. Es riecht süß, buttrig und schwefelig, aber ich warte noch eine Weile. Das Zeug ist 26 Jahre alt und muss noch etwas atmen. Also weiter im Programm: Die jüngste und kleinste Destillerie Schottlands heißt Kilchoman. Sie wurde erst 2005 gegründet und deswegen sind die Whiskys dieser Destillerie gute Anwärter auf Preissteigerungen, da sie nur sehr begrenzt verfügbar sind und schon in jungen Jahren einen sehr vielversprechenden Geschmack aufweisen. Ich habe kürzlich einen vierjährigen in Fassstärke probiert, der mich wirklich begeistert hat. Angesichts der zu erwartenden Wertsteigerungen dieser sehr seltenen Abfüllungen habe ich ganze 6 Flaschen zu 80,- € pro Flasche gekauft (mehr konnte ich nicht bekommen). Leider habe ich hiervon keine Verkostungsnotiz, aber ich hab noch eine andere von einem, der auch wirklich ungewöhnlich gut war:

Name: Kilchoman

Fass: keine Angaben

Abfüller: Destillerie

Alter etc.: autumn 2009 release > 46 %

Nase: Jod, Rauch, Torf, sehr bitter aber mir fetter, vanilliger Süße, dahinter, buttrig, aber nicht so fett wie beim Ardbeg

Geschmack: bitter, fast schon wie Teer, sofort starker Rauch und Kohle lutschen, langsam kommt im Abgang die Süße durch, schmeckt in der Kombination wie Lakritz, anhaltender Rauch, aber immer noch bitter, ganz spät wird er salzig

(16.06.2011 – ganz alleine)

Mein erster Kilchoman und es war … eine sehr angenehme Überraschung. Eine sehr intensive Nase, eleganter als der Ardbeg und raffinierter als der Laphroaigh, nicht so schwer wie der Lagavulin, aber mit mehr Finesse als der Caol Lia. Eine sehr vielversprechende Destillerie, die es sich weiter zu erkunden wohl lohnt. Der Ausdruck ist sehr, sehr stark, der Abgang ziemlich lang. Er könnte etwas mehr geschmackliche Nuancen haben, aber er ist definitiv etwas Besonderes - wow, wie cool, dass ein alter Mann noch so überrascht werden kann.

11 von 15 Punkten

Kilchoman ist kaum unter 50,- € zu haben. Da muss man wissen, was man ausgeben will - und natürlich auch kann. Anfänger seien auf die preiswerteren Standards anderer Islaydestillerien verwiesen, die nicht wirklich enttäuschen, Spezialisten dagegen sei Kilchoman aber uneingeschränkt empfohlen.

Und jetzt zum Knaller: Meines Erachtens die beste Destillerie von Islay und aus Schottland und somit weltweit ist Port Ellen, den ich auch gerade im Glas habe. Er riecht in etwa so: salzig mit deutlicher Aprikose, leicht muffige Schwefelnoten schwingen im Hintergrund und gaaaanz hinten bitter erdig oder ist es eher Lakritz. Zusammengefasst: teerige Gummibärchen, aber gesalzen … lach … einfach nur saugeil abgefahren.

Port Ellen wurde leider 1983 geschlossen und in der Folge demontiert, so dass hier nie mehr Whisky hergestellt werden wird. Dieses Schicksal ist kein Einzelfall, aber im Fall von Port Ellen eben besonders dramatisch, weil der Whisky so eine wirklich außergewöhnliche Qualität hat. Er ist typisch Islay und doch fruchtiger und facettenreicher als die typischen Islays, er ist trotzdem sehr robust, so dass ihm weder Alter noch das Fass den Charakter nehmen können. Jim Murray hat geschrieben, dass man so viel davon kaufen sollte, wie man kann, denn er ist nur noch sehr begrenzt verfügbar. Mittlerweile sind kaum noch Flaschen unter 250,- € auf dem Markt Ich selber habe mich beizeiten an Jim´s Rat gehalten, denn ich möchte so lange ich lebe immer eine Flasche Port Ellen offen haben - für besondere Anlässe. Und was besonders ist, das bestimme ich nach Lust und Laune - jetzt zum Beispiel ist ein besonderer Anlass … ich rieche eben noch Mal. Ja, je länger er steht, desto mehr treten Salz und Frucht in den Vordergrund und die muffigen Töne verschwinden mehr und mehr. So, jetzt will ich aber endlich trinken - salzig, mit leichter Frucht und sehr starkem Rauch kommt er daher. Eine beeindruckende Tiefe im Geschmack, erst etwas später wird er vom Rachen her ausgehend leicht bitter, wobei die süßen Noten nicht ganz verschwinden. Im langen Abgang bleiben Lakritztöne und Rauch. Das liest sich in der Verkostungsnotiz dann so:

Name: Port Ellen

Fass: Sherry Butt

Abfüller: Old Malt Cask

Alter etc.: 26 Jahre, destilliert: 09.1978, abgefüllt: 03.2005, cask nr. DL 1709, 586 bottles > 50 %

Nase: salzig mit deutlicher Aprikose, leicht muffige Schwefelnoten schwingen im Hintergrund und gaaaanz hinten bitter erdig oder ist es eher Lakritz? Zusammengefasst: teerige Gummibärchen, aber gesalzen, einfach nur saugeil abgefahren, je länger er steht, desto mehr treten Salz und Frucht in den Vordergrund und die muffigen Töne verschwinden mehr und mehr

Geschmack: salzig, mit leichter Frucht und sehr starkem Rauch kommt er daher, eine beeindruckende Tiefe im Geschmack, erst etwas später wird er vom Rachen her ausgehend leicht bitter, wobei die süßen Noten nicht ganz verschwinden, teilweise buttrig werdend,  im langen Abgang bleiben Lakritztöne und Rauch.

(27.08.2012 – für Whisky Blog von The-Pit.de)

Mmmmh, ein echtes Erlebnis! Sehr tief im Geschmack, sehr sauber und klar im Ausdruck und dabei doch sehr balanciert. Wirklich Klasse! Port Ellen rockt ohne Ende.

13 von 15 Punkten

So, jetzt ist es aber gut, ich will jetzt Heimspiel in HR 3 gucken. Die Leverkusenfans mögen es mir nachsehen, aber diesen Sieg meiner Eintracht gegen ein internationales Top Team und gegen Herrn Kienhöfer (der braucht echt mal eine Backpfeife, der Spinner), den will ich gerne noch ein wenig zelebrieren. Hoffentlich sieht es noch halbwegs gut für uns aus, wenn ihr das lest. Als Frankfurtfan ist man ja Berg- und Talfahrten gewohnt.

Morgen geht es für mich nach Island und in zwei Wochen ist finished product für die CD, also bald hab ich wieder etwas mehr Zeit. Vielleicht zum Abschluss noch eine Notiz des vielleicht besten Malts den ich je getrunken habe, der ist übrigens immer noch verfügbar. Wer es sich leisten kann und will, kann ihn gerne kaufen (ebay), der Preis ist dabei relativ, denn ich garantiere, dass er in einigen Jahren noch teurer wird (habe selber noch zwei Flaschen gekauft für 160,- € vor etwa 2 Jahren über ebay (so geht Investment - zumindest theoretisch, denn bevor ich die verkaufe, trinke ich sie lieber)

Name: Port Ellen

Fass: Eiche

Abfüller: Destillerie 3rd Edition

Alter etc.: 24 Jahre, destilliert: 1979, abgefüllt 2003, bottle nr. 6574 von 9000 Flaschen > 57,3%

Nase: süß, fruchtig und mild mit frischen Grasnoten, Jod und Salz eher dezent im Hintergrund, Torf deutet sich nur an, eine Spur von Schinken und Rauch, bei weiterem Riechen kommt eine Pfirsichnote dazu, Volker riecht eine Banane, jetzt habe ich sie auch, irgendwo ist da auch noch Vanille, super balanciert, ständig treten neue Noten in den Vordergrund, eine gigantische Nase

eschmack: salzig, torfig mit einer Spur Kohle, sehr eindrucksvoll, erst langsam kommt Vanille durch, im Rachen wird es torfig, leichte Holznoten, leicht verspätet kommt der Rauch deutlicher nach vorne, das torfige Salzgefühl bleibt dominierend, spät wird es noch ein bisschen grasig.

(26.11.2008 – mit Matthias Velte, Volker Reichard, Thorsten Groh und Josef Ostrowski)

Also das ist echt ein Hammer. Es knallt gut, der Ausdruck ist klar und definiert. Der Whisky erzählt dir seine Geschichte Stück für Stück. Ein echter Oberhammer, gaaanz lange im Abgang, Matthias würde ihn bei 13 sehen, ich sehe ihn eher noch stärker, mag auch an meiner persönlichen Präferenz liegen.

14 von 15 Punkten

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