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Rebellion: Whiskyspecial mit Tomi Göttlich - Teil 2

Willkommen in Islay - dem Whisky-Mekka

So - da bin ich wieder. Es ist jetzt genau null Uhr Sonntagnacht oder Montagmorgen, wie immer man das auch sehen mag, und ich brauche alles, außer jetzt noch eine Stunde zu schreiben. War ein ziemlich hartes Wochenende. Wir müssen am 10. September die fertige Produktion bei unserer Plattenfirma Massacre abgeben und sind extremst hinten dran. Oh, keine Panik, das ist eigentlich immer so, ob früher bei Grave Digger oder jetzt bei Rebellion. Ich nehme mir immer vor: Beim nächsten Mal wird es anders, aber irgendwie funktioniert das nie.

Wir haben am Mittwoch die Bässe fertig gemacht, am Donnerstag von 14 Uhr bis 22 Uhr Chöre aufgenommen und Freitag und Samstag Lead Vocals mit Micha. Eigentlich hatte ich vor, am Freitag nach den Aufnahmen mit Micha den Blog zusammenzuschreiben, aber der hat gekniffen und auf seine Stimme verwiesen, so dass ich Whisky und Bier hatte, während er Kamillentee trank. Nebenbei gehe ich ja noch einer geregelten Arbeit nach und habe eine Familie, die mich in derartigen Phasen eigentlich nur recht selten sieht, aber ein Ende ist ja abzusehen. Also immer weitermachen und nicht nachdenken, denn: Alles wird gut.

Was ich jetzt eigentlich bräuchte, wäre ein guter Dram. Da fällt mir ein, ich habe ja noch die eine oder andere Flasche und während ich den heute veröffentlichten ersten Blog bei The-Pit.de lese, mache ich schnell eine Pause und hole mir einige Flaschen aus dem Keller. Ich wollte heute eigentlich über Islay schreiben, die erste Region vorstellen, aber der erste Schluck ist… brrrr, nicht wirklich lecker. Der erste Schluck ist eigentlich immer etwas scharf und man schmeckt kaum, was man da im Glas hat. Das liegt daran, dass sich die Nerven im Mundraum erst an den Alkohol gewöhnen müssen. Es macht also wenig Sinn, zuerst einen sehr teuren Schluck zu trinken, der wäre verschenkt, denn man schmeckt relativ wenig. Also nimmt man einen sogenannten „Antrinker“ vorneweg, der den Mund an den Alkohol gewöhnt. Und genau durch diesen quäle ich meinen verwöhnten Gaumen gerade. Aber es ist ja Besserung in Aussicht. Ich habe mir für das Ende sogar eine ganz besondere Spezialität aufgehoben, aber dazu später mehr.

Islay ist eine kleine Insel vor der Westküste Schottlands, aber sie ist für Whisky-Trinker DIE Insel. Es gibt auf Islay (gesprochen "Eila") sage und schreibe acht (!!!) Destillerien, die in Betrieb sind und es gab noch eine neunte (es gab sogar noch wesentlich mehr, aber wir sind hier ja nicht auf absolutem Insider-Niveau), die leider heute nicht mehr arbeitet und auch nie mehr in Betrieb genommen werden wird, da sie teilweise abgebaut wurde. Whiskys von Islay sind schwer, torfig, salzig und nichts für Mädchen. Wasser spielt eine wichtige Rolle für den Whisky, denn die Gerste wird zum Keimen gebracht, dann wird der Keimungsprozess durch Erhitzen unterbrochen und das beim Keimen entstandene Malz (daher Malt Whisky) wird in Wasser gelöst, sprich, man schrotet die gekeimten Körner und gibt sie in Wasser; beim Bier ist es übrigens ähnlich. Die Brühe, die hierbei entsteht, nennt man deswegen sinnigerweise auch „beer“. Die Zugabe von Hefe führt zum Gärungsprozess… aber das machen wir später, heute geht es um Islay.

Der Boden auf Islay ist sehr, sehr torfig. Das Wasser fließt also nicht durch ein Kiesbett, sondern durch schwere Torferde und ist somit brackig und bitter. Daher kommt der Torfgeschmack der Islay Whiskys, denn in derartigem Wasser wird das Malz aus der Gerste gelöst. Das Erhitzen des keimenden Korns nennt man Darren. Die Hitze wird durch Feuer erzeugt; da es auf Islay kaum Bäume gibt, verwendet man schon immer Torf zum Feuern, früher im Herd und Ofen und heute noch zum Darren. Die Darrböden, unter denen das Feuer gemacht wird und auf denen die feuchten keimenden Körner liegen, haben kleine Löcher, so dass der Rauch die Körner quasi räuchert. Torfrauch ist im Vergleich zu Holzrauch bitter, beißend und schwer, und natürlich schmeckt man das im Whisky. Letztlich und endlich schläft der Whisky jahrelang in Holzfässern in Lagerhäusern, die direkt am Meer liegen. Holz atmet natürlich. Stellt euch mal vor, ihr würdet einen Pulli oder ein Sweatshirt einige Tage am Strand liegen lassen, das würde man durchaus riechen. Whisky lagert teilweise über 20 Jahre lang dort - klar, dass man das merkt.

Wir hatten im letzten Blog Laphroaigh angesprochen. Eine fantastische Destillerie, von der es neben dem leider nicht mehr ganz überzeugenden Standard immer wieder gute Einzelfass-Abfüllungen in voller Fassstärke auf dem Markt gibt. Checkt mal ebay oder die diversen Online-Shops, bei Preisen zwischen 50 und 60 Euro kann man ohne Probleme fündig werden. Laphroaig reibt seine Fässer vor dem Befüllen noch mit Seetang aus, denn die bekloppten Schotten wollen noch mehr Salz und Jod - manche brauchen es halt etwas härter.

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