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Rebellion: Whiskyspecial mit Tomi Göttlich - Teil 1

Hände weg von Blends

Tach zusammen, mein Name ist Tomi Göttlich. Ich trinke seit über 20 Jahren Whisky und leite seit etwa 15 Jahren regelmäßig sogenannte Whiskyseminare oder -verkostungen. Als ich angesprochen wurde, ob ich nicht Lust hätte, diesen Blog - oder wie immer man das nennt - zu schreiben, habe ich spontan zugesagt, denn neben Metal und meinen Töchtern ist der Whisky eine meiner größten Leidenschaften und ich liebe es auch, darüber zu reden. The-Pit.de finde ich eh megaklasse, so dass alles gepasst hat.

Jetzt rückt der vereinbarte Termin näher und ich muss langsam mal einen Anfang finden. Vorgaben gab es eigentlich keine, was ja cool ist, weil ich dann schreiben kann, was ich will. Andererseits - wo soll ich anfangen? Für wen schreibe ich denn? Für den Profi, den das Einzelfass in Fassstärke interessiert oder für den blutigen Anfänger, der nicht einmal genau weiß, was diese Begriffe eigentlich bedeuten. Bei einem Tasting (Verkostung) ist das alles im Vorfeld bereits klar und wenn es anders läuft, kann man normalerweise spontan nachsteuern. Hier geht das nicht ganz so einfach. Ich denke deswegen, dass ich versuchen werde, sowohl die Experten als auch die Anfänger zu bedienen. Die Anfänger bitte ich um Geduld, ich werde mich bemühen, in den weiteren Folgen Schritt für Schritt Herstellung und alles Weitere zu erklären und will trotzdem auch die eine oder andere Info für den Fortgeschrittenen einfließen lassen. Aber das ganze Geschreibsel macht mir doch einen furchtbar trockenen Mund. Ich schütte mir jetzt erst einmal einen Dram (Glass Whisky) ein.

Whisky schüttet man in sogenannte „Nosing“-Gläser, die sehen etwa so aus wie ein Sektkelch, sind aber bauchiger und verjüngen sich am oberen Ende, damit man besser riechen kann. Gerade Gläser eignen sich bestenfalls für Bourbon, den will man nämlich gar nicht riechen und bestenfalls mit Wasser, Eis oder Cola trinken. Natürlich machen wir das nicht, wir trinken Scotch. Ein Scotch ist ein Whisky, der in Schottland destilliert und abgefüllt wurde und er muss mindestens 3 Jahre alt sein. Ist er jünger, nennt man ihn „Spirit“.

Jetzt habe ich meinen Scotch im Glas, er darf gerne ein wenig atmen, für jedes Jahr sollte man ihm etwa eine Minute geben. Einen 10jährigen sollte man also 10 Minuten stehen lassen, einen 40jährigen - ihr könnt ja rechnen. Der Scotch in meinem Glas ist 13 Jahre alt. Ich rieche jetzt erst einmal - süße kandierte Früchte mit einer etwas muffig scharfen Schwefelnote. An den Nasenwänden beißt er salzig und hinter den muffigen Noten wird es bitter und erdig und er riecht krass nach Rauch - etwa wie ein Schwarzwälder Schinken (vom Metzger, nicht von Aldi :) ). Man sollte nicht zu schnell trinken, lieber erst einmal riechen und drüber reden. Whisky trinkt man ja eh am besten in guter Gesellschaft und wer sich bei meiner obigen Geruchsbeschreibung im Geiste fragt, ob ich sie noch alle habe, der darf das gerne tun.

Grundsätzlich sind derartige Beschreibungen hochgradig subjektiv und objektiv nicht belegbar. Es macht aber Spaß und inspiriert, sich darüber auszutauschen, was man denn so alles an Geruchsnoten zu finden glaubt. Mit ein wenig Erfahrung kann man die Region, aus welcher der Scotch stammt, bereits am Geruch erkennen. Aber langsam - Schritt für Schritt - wenn man einen Scotch einer bestimmten Region zuordnen will, muss er natürlich auch aus einer Region kommen. Die meisten Scotch Whiskys tun das nämlich nicht. Sie sind Verschnitte aus verschiedenen Regionen. Das nennt sich dann „Blend“. Johnny Walker, Dimple, Chivas Regal etc. sind alles “blended Scotch Whiskys”. Sie wurden also aus verschiedenen Fässern von verschiedenen Destillerien miteinander verschnitten. Meist tut man so etwas, um den Geschmack für die breite Masse von „Kunden“ zugänglich zu machen, sprich die Ecken und Kanten abzuschleifen.

Ich trinke jetzt erst mal. Wie tut man das? Man füllt sich den Mund und lässt die Flüssigkeit einmal durch den ganzen Mund wandern (ähnlich wie bei Wein), um dann über die Zungenmitte zu schlucken. Jetzt mache ich das - er schmeckt recht salzig und raucht ziemlich stark, als würde Rauch aus dem Rachen durch die Nase aufsteigen. Im Rachen wird er dann trocken und bitter, im Mund süßlich und auf der Zungenmitte zimtig und trocken. Im Abgang raucht er noch leicht. Die Bittertöne aus dem Rachen schwingen noch ein wenig mit, aber es deuten sich auch karamellige und buttrige Toffeenoten an. Mmmmh... der ist echt lecker.

Für einen untrainierten Gaumen mag eine derartige Geschmacksexplosion unangenehm sein. Vielleicht zu aufdringlich, um ihn beim Gespräch mit Freunden nebenbei zu trinken. Genau das finde ich lecker, entweder ich schmecke oder ich rede, beides zusammen geht nicht. Die meisten Menschen sehen das aber anders und deswegen macht man „blended Scotch Whiskys“ für die Mehrheit. Der Genießer und Kenner (und auch der neugierige Anfänger) bevorzugt natürlich einen „Single Malt“, sprich einen Whisky aus einer einzigen Destillerie. Da kann man dann wirklich vom Geruch und vom Geschmack her die Region und oft auch die einzelne Destillerie erkennen. Jede der ca. 130 (!) gegenwärtig auf dem Markt verfügbaren Destillerien hat nämlich ihren eigenen einzigartigen Geschmack und den sollte man meiner bescheidenen Meinung nach nicht verpanschen - also Hände weg von Blends!

Geruch und Geschmack des eben von mir getrunkenen Single Malts verraten eindeutig und stolz seine Herkunft von der Insel Islay. Er schmeckt ein wenig anders als der Standard Whisky dieser Destillerie. Das soll auch so sein, denn es ist kein Standard Whisky, sondern ein „Single Cask“(Einzelfass) Whisky. Der normale Single Malt, oder auch kurz „Standard“, einer bestimmten Destillerie ist nämlich auch ein Verschnitt, nur eben nicht aus verschiedenen Destillerien, wohl aber aus verschiedenen Fässern einer Destillerie. Das ist auch notwendig, wenn man die nächste Woche etwa eine Flasche Laphroaigh kauft, würde man schon blöd gucken, wenn der ganz anders schmeckt als die Flasche, die man gestern leer getrunken hat. Jedes Fass schmeckt aber anders, also muss man verschneiden, um immer denselben Geschmack zu haben. Wenn man nun den Standard Laphroaigh in- und auswendig kennt, dann fragt man sich natürlich irgendwann, wie denn wohl die einzelnen Fässer schmecken, aus denen er sozusagen zusammengesetzt wurde. Das kann man tun. Es gibt durchaus Einzelfassabfüllungen (Single Cask), diese sind natürlich nur begrenzt verfügbar, aber garantieren dafür echte Exklusivität, welche auch auf den Flaschen entsprechend vermerkt wird und sich natürlich im Preis niederschlägt.

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