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Rage Against Racism 2011 – Gründe für die Absage

Das Malheur der fehlenden Fluchtwege

Das RAR 2011 musste leider abgesagt werden

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Schlechte Nachrichten hört man einfach nicht gerne und wenn es dann auch noch das recht renommierte „Umsonst und Draußen“-Festival Rage Against Racism trifft, dann ist der Unmut in der schwermetallischen Szene umso größer. Loveparade und Vieles mehr geisterte im Sekundentakt via Facebook und Co. durch den Äther und so manche schlaue Phrase verkam schnell zur Wirklichkeit. Was lag da näher, als geschwind den Hörer in die Hand zu nehmen und den Festival-Ideengeber und Projektmanager Levent Bierbach-Tomicki anzurufen, um kurz nachzuhaken.

 

The-Pit.de: Hi Levent, auf der Homepage zum Rage Against Racism habt ihr bekannt gegeben, dass das Festival dieses Jahr ausfällt. Kannst du dazu weitere Informationen herausrücken?

Levent Bierbach-Tomicki: Das ist folgendermaßen. Die Mühle liegt auf einem Hügel und alle Ausgänge, die es von diesem Gelände gibt, führen auf die Clarenbachstraße. Die Straße ist recht schmal und sie ist für die Zuschauer als Fluchtweg nicht geeignet. Sollte wirklich etwas passieren, müssten die Einsatzfahrzeuge über die Clarenbachstraße einfahren. Die Menschen würden versuchen herauszukommen, die Rettungskräfte würden versuchen hereinzukommen. Man sagte mir: „Stellen sie sich einmal vor, hier schlägt der Blitz ein und es liegen 50 Leute auf der Wiese, dann müssen wir mit den Autos heranfahren können.“ Das leuchtet uns auch ein und ist auch kein Problem, aber man kann das Gelände nach hinten hin nur sehr schwer öffnen. Man müsste eine Treppe bauen lassen. Da die Ämter aber erst Anfang April auf uns zugekommen sind, ist das natürlich in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich. Wir haben dann versucht, das Festival zu verlegen, aber auch dafür hätten wir letztendlich ein Sicherheitskonzept gebraucht und das kostet natürlich. Architekten, Brandschutzsachverständige etc. Also haben wir gesagt, dass wir dieses teure Konzept jetzt nicht für einen anderen Ort umsetzen. Wir lassen lieber dieses Jahr das Festival ausfallen und stecken das Geld in die Mühle, um das Gelände fit zu bekommen.

The-Pit.de: Die ersten enttäuschten Fans machen sich schon bemerkbar und nicht wenige skandierten mit dem Tenor „Alles nur wegen der Loveparade. Das RAR gehört schon zu den etablierten Festivals hier im Pott – warum gab es dann in den letzten Jahren keine Probleme?

Levent Bierbach-Tomicki: Auswirkungen sind natürlich relativ. Man ist da sicher früher etwas großzügiger gewesen und jetzt malt man natürlich in verschiedenen Bereichen den Teufel an die Wand, dieses „Was wäre, wenn“-Spiel. Auf dem anderen Gelände wurde gefragt: „Was machen sie denn, wenn die Leute nach Hause gehen?“ „Dann gehen sie halt nach Hause“. Daraufhin wurde wieder gefragt: „Mmmh, da ist doch eine Straße“, und ich antwortete: „Ja sicher.“ „Da fahren dann doch auch Autos“, kam dann zurück und ich dann wieder: „Ja sicher, aber nicht so viele, denn es ist dann später Samstagabend.“ „Das ist ja noch schlimmer, dann fahren die Autos ja schneller“ war dann das Gegenargument. Solche Spiralen der Gefährdungsbegutachtung zogen sich dann immer weiter nach oben. Natürlich guckt man nach der Loveparade genauer hin, aber andererseits bin ich froh, dass in den letzten acht Jahren an der Mühle auch nichts passiert ist. Wir wären dann nicht so gut geschützt gewesen, wie wir uns das alle vorgestellt hatten. Wenn sich auf der Clarenbachstraße die Hölle aufgetan hätte, dann hätten wir wirklich Probleme bekommen, das Gelände zu evakuieren. Das wollen wir in den nächsten Jahren auch vermeiden. Wir wollen ja niemanden gefährden. Wer schon einmal dort war, der weiß, dass es immer sehr friedlich war, aber man kann manche Gefahren ausschließen und das wollen wir auch für die nächsten Jahre tun. Die Loveparade war vielleicht noch einmal der Anstoß, genauer hinzuschauen. Deswegen kann man das zukünftige Publikum besser schützen und das ist eigentlich gut. Es ist halt nur sehr schade, dass es so kurzfristig ist und dass wir das einfach nicht mehr hinbekommen können.

The-Pit.de: Ein großer Pluspunkt des Festivals war einmal mehr das starke Billing.

Levent Bierbach-Tomicki: Das Ärgerliche war halt, dass das Festival komplett durchgeplant war. Wir hatten schon im letzten Juli begonnen, das Billing zusammenzustellen. Ich freue mich auch, dass so viele Leute das so gut fanden, weil da auch einiges an Mühe drinsteckt und ich selbst hätte gerne jede dieser Bands super gerne gesehen. Es ist einfach schade für alle Beteiligen - für uns halt ganz besonders, weil wir fertig waren, alles war getan, alles war angerichtet. Wir mussten eigentlich nur noch die T-Shirts bestellen und das wäre es gewesen. Na ja, von daher sind wir alle sehr enttäuscht und jetzt rappelt hier den ganzen Tag das Telefon, Nachrichten bei Facebook usw. Wir können das auch sehr gut verstehen und wir haben uns auch sehr schwer getan - es ist halt das Festival an der Mühle und es soll auch seinen Charakter behalten. Wir sind keine Kommerzveranstaltung, wir waren immer „Umsonst und Draußen“. Da steckt Herz und viel Persönlichkeit drin. Wenn man nur Kohle verdienen wollte, dann nimmt man einfach 20 Euro und macht das Festival woanders.

The-Pit.de: Nicht unwesentliche Faktoren dürften auch Themen wie Security usw. sein.

Levent Bierbach-Tomicki: Security hatten wir auch im ausreichenden Maße und auch Sanitäter. Solche Sachen haben wir natürlich schon immer beachtet. Es geht jetzt wirklich einzig und allein um diesen Fluchtweg.

The-Pit.de: Inwieweit sind dann andere Konzerte wie z.B. das im November stattfindende siebte „Love And Peace“-Festival gefährdet?

Levent Bierbach-Tomicki: Das ist nicht gefährdet und da bin ich ganz froh, weil auch dafür das Booking und alles auch schon abgeschlossen sind. In dem Gebäude selbst sind alle Veranstaltungen wie in den letzten Jahren ganz normal gesichert. Da gibt es Fluchtwege usw., da ist alles geklärt. Man muss halt schauen, was bei Festivals auf der Clarenbachstraße passiert und wie man die Leute auf der anderen Seite heraus bekommt. Da gilt es vier bis fünf Höhenmeter zu überwinden und wir werden eine Treppe bauen müssen. Dafür brauchst du aber auch Bauanträge, du brauchst jemanden, der genau ausrechnet, wohin usw. Dann muss das natürlich ins Sicherheitskonzept einfließen und das kannst du auch nicht allein machen. Ich hatte denen einen schönen Plan eingereicht, wo ich alles aufgemalt habe, aber damit waren sie nicht zufrieden. Wir haben jetzt auch einen Architekten und einen Sicherheitsbeauftragten und dann müssen wir schauen, dass wir auch die Kohle dafür wieder hereinbekommen. Sonst muss der Verein da in Vorleistung gehen und vielleicht steht dann für nächstes Jahr ein kleiner Obolus an.

The-Pit.de: Auf Facebook geht jetzt rum, dass es an diesem Tag einen Art Demoveranstaltung geben soll, wo auch Bands auftreten. Was kannst du darüber sagen?

Levent Bierbach-Tomicki: Das ist auch direkt an mich herangetragen worden. Ich kann sagen, dass die Mühle ein städtisches Jugendzentrum ist und dass sich alle hauptamtlichen Mitarbeiter in solch einer Richtung überhaupt nicht rühren werden. Wir bekommen nicht von Amts wegen abgesagt und gehen dann privat los und demonstrieren dagegen. Das können wir uns aus arbeitsrechtlichen Gründen gar nicht erlauben. Wenn das also jemand machen möchte, liegt das außerhalb unserer Handhabe. Ich kann sehr gut verstehen, dass auch viele Leute sehr erbost sind, aber ich glaube auch, dass es da um eine generelle Kritik geht, dass jetzt einiges so ins Wasser zu fallen scheint. Aber damit haben wir nichts zu tun.

The-Pit.de: Da gibt es die Parallele zum Pfingst Open Air in Essen-Werden, welches dieses Jahr ebenfalls wegen fehlender Sicherheit nicht stattfindet. Auch dort soll es zu einer Gegenveranstaltung kommen.

Levent Bierbach-Tomicki: Ich kann das auch gut verstehen, dass die Leute halt nicht auf ihr Event verzichten möchten und ihre Freizeitgestaltung teilweise nach dem Festivalkalender planen. Aber der Veranstalter übernimmt letztendlich die Verantwortung, und wenn dann hinterher jemandem ein Bein fehlt, dann hat er nichts davon gehabt, dass an diesem Tag die Sonne geschienen hat. Bevor wir jetzt anfangen, Leute zu gefährden, muss man das Ganze einsehen und die Sicherheit verbessern. Ich kann natürlich nichts dazu sagen, was sie sich da in Werden vorstellen, aber so wird das halt für uns laufen. Wir geben jetzt alles, um das hinzubekommen, damit wir die nächsten 20 Jahre wieder Festivals einplanen können.

The-Pit.de: Als Fazit können wir dann jetzt festzurren: In 2012 wird es wieder ein Rage Against Racism geben!

Levent Bierbach-Tomicki: Wir planen immer so um Fronleichnam, das ist halt unser Wochenende, und wir richten uns nicht nach anderen Festivals. Wir planen das erneut und gehen definitiv wieder auf die Bands zu, die dieses Jahr nicht zum Zuge gekommen sind, wobei wir eigentlich nächstes Jahr zehnjähriges Jubiläum feiern wollten und auch daran schon gearbeitet haben. Wir wollten halt Rage für das Rage einladen, ein bisschen Best Of, aber das machen wir nun ein Jahr später. Wir arbeiten daran, dass 2012 wieder das Festival stattfindet.

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