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Ozzy Osbourne: I Am Ozzy

Über drei Jahrzehnte exzessiver Konsum von Alkohol und Drogen haben ihre Spuren hinterlassen - doch ein paar Erinnerungen sind anscheinend noch da.

So sieht die englische Ausgabe des Buches aus

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Was? Ozzy Osbourne hat eine Autobiographie geschrieben? Wie, bitte schön, soll das möglich sein? Eigentlich sollte man doch meinen, der britische Sänger kann sich sowieso an nichts mehr erinnern, bei den unfassbaren Mengen an Alkohol und Drogen, die er fast vierzig Jahre in sich hineingeschüttet hat – und das Bild, das er in der erst wenige Jahre alten Reality-Soap „The Osbournes“ abgegeben hat, dürfte maßgeblich dazu beitragen, dass man diesem Menschen niemals zugetraut hätte, ein Buch zu verfassen, sah man ihn dort doch als völlig verpeilten Altrocker, der kaum einen Satz ohne völlig unverständliches Herumgestottere über die Lippen brachte, durch die Gegend wanken. Doch so verplant er dort auch war, immerhin konnte in der Öffentlichkeit die Wahrnehmung, bei dem ehemaligen Black Sabbath-Frontmann handele es sich um einen komplett Wahnsinnigen, der einer lebenden Taube und einer lebenden Fledermaus den Kopf abbiss und durch seine Songtexte angeblich Jugendliche in den Selbstmord trieb, etwas relativiert werden. Zumindest hat die Show vielleicht wenigstens geholfen, dass auch vielen Leuten außerhalb der Rock-/Metalszene endlich klar wurde, dass Ozzy eigentlich ein recht sympathischer und im Prinzip völlig harmloser Zeitgenosse ist – so konfus er aufgrund seiner damals immer noch grassierenden Drogensucht auch wirken mochte.

Noch bevor die Lektüre überhaupt richtig losgeht, spielt Ozzy auf den ersten Seiten allerdings selbst ironischerweise auf diese Tatsache an: „They said I would never write this book“ heißt es zunächst – auf der nächsten Seite „Well, fuck ’em – ’cos here it is“, dann „All I have to do now is remember something“ und anschließend „Bollocks, I can’t remember anything“. Mit diesen wenigen Sätzen beweist er gleich seinen Sinn für Humor und zeigt – was er im Buch an vielen Stellen immer wieder erwähnt – dass er kein Problem damit hat, über sich selbst zu lachen; seinem Sohn Jack erklärt er jedenfalls, der Humor habe ihn über all die Jahre überhaupt am Leben gehalten. Ein weiterer Fakt, warum ihm vermutlich niemand zutraute, jemals ein Buch zu schreiben, liegt wohl darin begründet, dass er lange an einer Rechtschreib- und Leseschwäche litt – allerdings hatte er mit Chris Ayres einen Co-Autor an seiner Seite, der die ganzen Geschichten und Anekdoten in Buchform brachte.

Zugleich ist Ozzy auch clever genug, zu Beginn des gut 400 Seiten starken Buches darauf hinzuweisen, dass die Erinnerungen mancher Leute, die er in dem Schinken erwähnt, möglicherweise ein wenig anders seien als die von ihm aufgeschriebenen, was er bestimmt nicht anfechten werde, da er sich eben über mehrere Dekaden so ziemlich jede bewusstseinsverändernde Substanz einflößte, die auf diesem Planeten erhältlich ist.

Dennoch muss man sagen, dass die meisten der hier aufgezeichneten Gespräche nicht so wirken, als seien sie ausgedacht oder irgendeine verzerrte Flickschusterei bestehend aus Erinnerungsfetzen – aber es ist sicherlich bei vielen Leuten so, dass sich bestimmte Situationen und Gespräche in der Erinnerung festsetzen, ganz gleich, was für einen exzessiven Lebenswandel man auch betrieben hat.

Und klar – exzessiver und ausschweifender als John Michael Osbourne, wie Ozzy mit bürgerlichem Namen heißt, kann man kaum noch leben. Es fängt schon in seiner Jugend an, als er in einer Metallfabrik arbeitet, in welcher ein großer Bottich steht, über dem extra ein Hinweisschild angebracht ist, dass man niemals die Schutzmaske abnehmen und sich nicht über den Bottich beugen darf, da man sonst die giftigen Gase einatmet. Natürlich aber reizt es den Protagonisten, gerade diese Warnung zu ignorieren und so nimmt er eines Tages eben doch die Maske ab, um sich den Gasen hinzugeben – was er als eine Erfahrung beschreibt, die ähnlich wie Klebstoffschnüffeln sei, nur hundertmal stärker. Im Folgenden wird aus einmal pro Tag die Maske abnehmen und toxische Gase einatmen bald zweimal, dann dreimal und so weiter und so fort. Dass Ozzy eine Person mit Hang zu schneller Abhängigkeit ist, zeigt sich also sehr früh, einhergehend damit, dass ihn seine Mitmenschen für einen Clown halten oder für einen Verrückten – oder beides.

Ozzy stammt aus ärmlichen Verhältnissen, gerät auf die schiefe Bahn (er hat als Teenager ein paar Einbrüche auf dem Kerbholz, weswegen er für ein paar Wochen in den Knast wandert), hat mehrere Jobs, die ihn schnell ankotzen (ihm gefällt ausgerechnet nur der in einem Schlachthaus) und besonders der in einer Fabrik für Autohupen treibt ihn beinahe in den Wahnsinn. Da ist das Musikbusiness schon verlockender; hauptsächlich durch die Beatles hat er die Musik für sich entdeckt und außerdem, dass er auch ganz gut singen kann. Als er dann zunächst auf Geezer Butler trifft und die beiden sich später mit Tony Iommi, der bereits mit ihm dieselbe Schule, nur eine Klasse höher, besuchte, und Bill Ward zusammentun, ist die legendäre erste Black Sabbath-Besetzung geboren. Damals tritt man jedoch noch unter dem Namen The Polka Tulk Blues Band auf – etwas später nennt man sich dann Earth – und spielt Bluesrock. Schließlich folgt die erneute Umbenennung in Black Sabbath und der Stilwechsel zu düsterem Heavy Rock – dank eines Geistesblitzes von Iommi, der eine lange Schlange vor einem Kino sieht, in dem ein Horrorfilm aufgeführt wird und daher meint: „Es ist doch seltsam, dass Leute Geld bezahlen, um sich erschrecken zu lassen – vielleicht sollten wir einfach erschreckende Musik machen.“

Klar ist das etwas Neues und die anderen Drei zeigen sich sofort begeistert. Der Weg nach oben ist steinig, doch man lässt keine Gelegenheit aus, spielt Gig um Gig (unter anderem im legendären Hamburger Starclub, wo auch die Beatles schon spielten und wo Black Sabbath teilweise unglaubliche sieben Sets am Tag zocken), lernt über die Konzerte, immer tighter zusammenzuspielen und wird schließlich belohnt: Die vier Arbeiterkinder aus dem ärmlichen Aston in Birmingham kriegen einen Plattenvertrag, nehmen ihr Debütalbum in zwölf Stunden auf (Ozzys Kommentar dazu: „So sollten meiner Meinung nach Alben gemacht werden, es ist lächerlich, fünfzehn Jahre daran herumzuwerkeln so wie Guns N’ Roses!“), und erleben im Folgenden einen kometenhaften Aufstieg.

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