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Mike Chick: Die Gameshow - Defeat Your Enemy

Ein gelungener Debütroman, der Lust auf mehr macht
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Erst neulich konnte ich nachts in beiden Ausgaben von “Swords Of Steel” blättern, einer noch jungen Anthologiereihe, in der Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Kurzgeschichten, geschrieben von Metal-Musikern, veröffentlicht wurden. Mit „Die Gameshow – Defeat Your Enemy“ liegt ein weiteres Werk eines Musikers vor, allerdings mit wesentlich weniger Pathos als die oben genannten Stories – der Karlsruher Toni Robinia hat sich unter dem Pseudonym „Mike Chick“ an seinem ersten Roman versucht, so „ganz nebenbei“ zwischen Studium, Malerei und seinem Bassisten- und Sängerposten bei den Death-Doomern Distressed To Marrow.

In „Die Gameshow“ wird das Bild einer dystopischen Gesellschaft gezeichnet, die als spannendsten Zeitvertreib eine TV-Sendung feiert, in der inhaftierte Straftäter von Ottonormalverbrauchern auf alle erdenklichen Arten hingerichtet werden (das Rad entscheidet), in der „the right to work“ es allen Arbeitgebern erlaubt, ihre Angestellten grund- und gnadenlos zu feuern und in der der graue Alltag von Gewalt und Resignation beherrscht wird. Um in einer solchen Gesellschaft ein Kind aufzuziehen und nicht auf der Straße zu landen, mausert sich der Protagonist Matthew vom duckmäuserischen Büroangestellten zum Kleinkriminellen und schließlich zum „Bombenleger von Karlsruhe“ – ein unfreiwilliger Coup, der ihn nicht nur in den Knast bringt, sondern damit auch noch in den Dunstkreis des wahrscheinlich fiesesten Aufsehers, den die Welt je gesehen hat (passend dazu kommt einem mit der Zeit Neu-Aufseher Percy aus „The Green Mile“ in den Sinn).

Und genau das ist das Schöne an diesem Debütroman: Man hat Mitleid mit dem Protagonisten, der sich den Großteil der Story mit der Angst konfrontiert sieht, seine Familie nie wieder zu sehen; man hasst den Oberaufseher, der in einem psychopatischen Anfall von gekränkter Mannesehre jeden Häftling erst mal zur Begrüßung mit dem Wasserwerfer duscht und die Anzahl der lebenden Häftlinge so recht flott zu dezimieren weiß; man empfindet nichts als Verachtung für die Vollidioten, die sich „Defeat Your Enemy“ live im Studio oder vorm heimischen Fernseher anschauen, um sich am leibhaftigen Gemetzel aufzugeilen, fragt sich aber gleichzeitig unwillkürlich, ob man nicht auch zu denjenigen gehören würde, die sich dem fragwürdigen Entertainment hingeben würden – in Zeiten von öffentlichen Demütigungen wie „Germany’s Next Topmodel“, „Bachelor“ oder auch „Naked Survival“ erscheint das alles gar nicht mal so abwegig.

Man merkt natürlich schon, dass die Chick’sche Autorenkarriere noch in den Kinderschuhen steckt. Mit Dilettantismus ist das aber nicht zu verwechseln: Chick sucht seinen Stil und scheint ihn relativ schnell zu finden, immerhin hat der Mann Manuskript Nummer zwei schon fertig, ein drittes Buch ist in der Mache. Wenn die Lernkurve in diesem Tempo weiter so steil nach oben geht, können wir uns sicherlich noch auf einige spannende (Sci-Fi?)-Veröffentlichungen freuen.

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