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Luc Fran?ois: Vulture City

Eine spannend aufgebaute Dystopie mit einem etwas umständlichen Erzählstil

"Vulture City" ist mittlerweile sein fünftes Buch

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Dass noch nicht mehr Progressive-Metal-Bands darauf gekommen sind, ihre Konzeptalben in Buchform zu transferieren, erschließt sich mir nicht. Immerhin sind Songwriter immer auch Geschichtenerzähler und gerade Alben mit einem gut ausgearbeiteten Konzept eignen sich eigentlich perfekt dazu. Das dachte sich sicherlich auch Mindpatrol-Sänger Luc Franҫois, der die Arbeiten zum aktuellen, letztes Jahr erschienenen Album „Vulture City“ direkt nutzte und die Geschichte des Geschwisterpaares, das auf sich alleine gestellt in einer dystopischen Gesellschaft zu überleben versucht, nicht nur auf CD, sondern auch zwischen zwei Buchdeckel presste. In der Vergangenheit hatte der Mann bereits die Story des ersten Mindpatrol-Albums „Downfall Theatre“ auf Papier gebannt, ist also beinah schon ein alter Hase was das Schreiben angeht.

Wir befinden uns also in Vulture City. Nach dem „Untergang“ lebt ein Teil der Menschheit in der Nachbarstadt, überwacht von zentraler Intelligenz, die jeden einzelnen Menschen mithilfe eines eingebauten Chips überwacht und so Straftaten von vornherein zu verhindern weiß. Ein bisschen fühlt man sich hier gleich schon an „1984“ erinnert, eine leicht Orwell‘sche Paranoia beschleicht einen, in jedem Fall findet man sich aber sofort in einem der wahrscheinlichsten am häufigsten genutzten Science-Fiction-Szenarien. Vulture City selbst markiert eine Stadt voll geistig freier, aber ständig ums nackte Überleben kämpfender Menschen, eine Stadt voll Schmutz und Verfall, die pikanterweise vom Erfinder der zentralen Intelligenz gegründet wurde. Die Bewohner laufen dank der Droge „Liberty“ unter dem Radar der zentralen Intelligenz, sind also in der Lage, ihren freien Willen zu äußern und auszuleben, was zu Prostitution, Gewalttaten und Zerstörung führt. Ein Absetzen der Droge führt allerdings nicht nur zu absurd hässlichen Entzugserscheinungen, sondern birgt auch die Gefahr, von der zentralen Intelligenz im Nachbarort entdeckt zu werden.

Die beiden Protagonisten, das Geschwisterpaar Roger und Nadia, versuchen sich nun also in dieser kaum als gemütlich zu beschreibenden Stadt ihr Überleben zu sichern. Immer wieder finden Rückblenden in die Kindheit der beiden Waisen statt, schon hier stört einen zumindest stellenweise der etwas umständliche und pathetische Schreibstil. Außerordentlich passend ist genau dieser Stil aber für die Retrospektive in das Logbuch des Städtegründers, das sich vor und während des „Untergangs“ abspielt. Ein verschwindend geringer Teil der Menschheit ist in einem Raumschiff unterwegs zu einem bewohnbaren Planeten; diese Aufzeichnungen werden dabei vom Protagonisten Roger gelesen und damit so geschickt in die Erzählung eingewoben, dass der Leser zeitgleich mit ihm erfährt, was in der Vergangenheit der menschlichen Spezies geschehen ist.

Während die Logbuch-Einträge an genau der richtigen Stelle und nicht allzu abrupt beendet werden und einen angenehmen Sci-Fi-Duft verströmen, steuert die Gegenwart in Form von Nadia und Roger auf ein offenes Ende zu, das nicht ganz so befriedigend ausfällt wie erhofft. Trotz dieses Schlusses und des teils ungelenken und vor allem für die Protagonisten unpassend hochgestochenen Erzählstils kann man sich mit „Vulture City“ ein paar schöne Stunden vertreiben, zumal auch das Cover wirklich schick gewählt wurde. Man darf außerdem gespannt sein, ob Luc Franҫois sich die Verquickung von Album und Buch in Zukunft zur Gewohnheit machen wird – alles in allem auf jeden Fall eine coole Idee und eine interessante Umsetzung.

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