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Henry Schädelbach: Weiber, Weichlinge, Echte Männer

Jede Seite strotzt vor Testosteron

Ein Buch mit Eiern

Zum Thema

Wenn einem ein Buch als „Männerhumor“ angepriesen wird und dann auch noch den Titel „Weiber, Weichlinge, Echte Männer“ und das Prädikat „der härteste Roman aller Zeiten“ trägt, kann man als Frau genau zwei Dinge tun: das Ding angewidert mit spitzen Fingern in den Müll werfen, oder die Eier auspacken, sich ein Bier aufmachen und sich daran erfreuen, wie herrlich machohaft es auf den knapp 350 Seiten zugeht. Noch lustiger ist es, wenn das Prädikat „Männerhumor“ gar nicht vom Autor selbst kommt – laut Master Schädelbach sind nämlich Minimum die Hälfte der Leser Angehörige des weiblichen Geschlechts. Wenn sich da die Medien mal nicht selbst in die Finger schneiden…

In „Weiber, Weichlinge, Echte Männer“, das via Crimson Verlag hinaus in die Welt getragen wird, wird so ziemlich alles verwurstet, was man sich unter Hardcore-Fiction-Satire vorstellen kann. Dabei liegt die Betonung vor allem auf „Satire“, denn wer auch nur eine der mehr als klischeehaften Passagen über das schwache, Verzeihung, weibliche Geschlecht allzu ernst nimmt, kann das Buch direkt wieder weglegen. Die Story ist eigentlich recht flugs erzählt: Die Welt droht unter den Bann böser Mächte zu geraten, fiese hässliche Dämonen steigen aus dem Abgrund empor und natürlich ist nur der härteste Privatdetektiv überhaupt, Henry Schädelbach, in der Lage, den Spieß umzudrehen. Das Buch wäre natürlich nicht annähernd so lustig, wenn sich dabei nicht immer wieder sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane ins Bild drängen würden – allem voran Schädelbachs Gemächt, das des Öfteren sein Recht einfordert. Es wird gevögelt noch und nöcher, Titten und Schwänze geschwenkt und nach gut zwei Dritteln ist man schon so in der Materie drin, dass man schon mal „Gesäß“ liest, wenn eigentlich an einem „Gefäß“ genippt wird.

Die Mischung aus Action, Porno und Splatter liest sich viel angenehmer und schneller, als man befürchten musste, ohne dabei in seichte Unterhaltung abzudriften. In - wer hätte es erwartet - 69 Kapitel plus Prolog und Epilog ist das gute Stück eingeteilt und am Ende erwartet den Leser noch eine wunderbare, nicht ganz ernst zunehmende Making-Of-Story zum Roman, die sich fast noch geiler liest als das Buch selbst. Überhaupt ertappt man sich beim Lesen von „Weiber, Weichlinge, Echte Männer“ vor allem bei der ersten Hälfte immer wieder beim Schmunzeln, wenn nicht sogar beim lauten Lachen – einige der gezogenen Vergleiche muss man einfach immer wieder lesen. Hier ein schönes Beispiel: „Dann ein trockenes Röcheln und Krächzen, gefolgt vom misstönendsten Krähen, das die Welt je gehört hatte. Es klang wie ein Chor alter Jungfern, die beim Masturbieren erwürgt werden.“ Übrigens wurde damit der Untote Pornohahn beschrieben, ein Geflügel, das mit einer ewigen Dauerlatte herumrennt, Walzer pfeifen kann, und zusammen mit Yetiweibern und allerlei prähistorischem Getier ein recht illustres Gesamtbild ergibt.

Nach knapp 200 Seiten geht ein kleiner Wandel vor sich – es wird zwar immer noch wild in der Gegend rumgevögelt, aber alles kriegt einen etwas düsteren, apokalyptischen Touch. Die Dämonen fallen über die Welt her und der Protagonist sieht sich in seiner mutierten Form als eine Art Hulk mit monströsen Stahlkugeln an den Eiern in einem wahnwitzigen Endkampf dem Oberdämon gegenüber, bei dem man zwischen spannungsgeladenem Nägelkauen und hysterischen Lachkrämpfen hin und her schwankt. Zu einem richtigen Running Gag entwickelt sich der Satz „Ich steckte mir eine an“ – Schädelbach raucht während der knapp 350 Seiten nicht nur geschätzt hundert Kippen, sonst trinkt auch mindestens ein Supermarkt-Regal Bourbon leer. Wie es sich eben für einen echten Mann gehört.

Das mag nun alles sehr chaotisch und etwas diffus klingen, fügt sich aber während der Lektüre überraschend schnell zu sinnvollen Teilen zusammen. Da fragt man dann auch gar nicht nach, wieso Schädelbach alles nagelt, was ihm vor die Füße läuft – man nimmt halt mit was man kriegt. Charmant ist das Buch trotzdem und lohnt sich auf jeden Fall für alle Fans von – na ja, eigentlich für alle Fans von gutem, chauvinistischem Humor.

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