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Henry Schädelbach: Porn-Crime-Lesung und Death Metal

Krefeld, ick hör dir Fetisch labern

Henry am Mikrofon

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Ein eher ungewöhnlicher Abend bahnt sich an, ein Abend voller Spiel, Freude und Spannung, knisternder Erotik, abenteuerlicher Geschichten, harter Mucke, ein ero-musikalisches Zusammentreffen mit Blick auf Porn-Crime made in Gemany. Henry Schädelbach, ein zarter Muskelprotz, lädt zur Lesung, und Jules Papp in Krefeld ist prall mit Gästen gefüllt, neben den fest installierten Kuschelecken laden stilechte Bierzeltbänke ebenfalls zum Verweilen ein. Dazu gesellen sich dann auch die Death-Thrasher Enemy Within, die nicht als Pausenclowns verheizt werden, sondern einen wesentlichen Bestandteil zur Abendgestaltung beitragen und somit auch auf Publikum treffen, die nicht zwangsläufig mit diesem Musikgenre zu tun haben.

Frivol schmatzend sitzen weit mehr als vierzig Gäste nun in Jules Papp, wahlweise heftig an den eigenen Fingern saugend, um sich den Burgersaft anzulutschen, oder aber dem Biergeist frönend mit stoischer Ruhe lieber eine Gerstenkaltschale verdrückend, wobei Henry eher dem steroiden Bourbon zugetan ist.

Zum Warmwerden flimmert erst einmal das durchaus kontroverse Arschjucken-Video über die Leinwand, einige erste, noch verlegen wirkende Kichereien durchziehen den Papp. Überhaupt, an diesem Abend regiert nicht dieses teeniehafte Giggeln, das Rotanlaufen hinter vorgehaltener Hand, dieses verschämt nervöse Herumnesteln im Angesicht der fetischbelasteten Pornographie, der vermeintlich unflätigen Bezeichnungen sekundärer Geschlechtsmerkmale – heute Abend darf endlich eine Möse auch wieder eine Möse sein.

Vorerst aber greifen Enemy Within in die tiefgestimmten Death-Thrash-Saiten, die Truppe muss sich damit auseinander setzen, dass Schlagzeuger André erstmals auf seine E-Drums einhämmert, dass sie natürlich nur bedingt Platz haben, dass Frontmann Christian weit vor der Band agieren muss und vor allem eines: Das Publikum sitzt. „Macht mal alle mit“, meint Chris mit seinem ihm eigenen furztrockenen Humor. „Übrigens, nächster Song vom ersten Album, steuerfrei erwerbbar“, so die Eigenwerbung, bevor der erste Eigenfeind-Part nach fünf Songs ein Ende findet.

Henry selbst lässt sich erst ein bisschen Zeit, zelebriert schon ein wenig den Aufbau der Requisiten wie z.B. hochprozentigen Gurgelsaft eines allen bekannten Anbieters, hier einfach mit den Worte Henrys als „Steroid Bourbon“ übernommen. Dazu gehört dann wegen des Rauchverbots die E-Zigarette mit einem kleinen Schleichwerbungspart, bevor er sich dann endlich die Manuskripte krallt und liest, sich schnell schon einige Gläschen Bourbon hinter die Binde gießt und später lieber zur Flasche denn zum Glase greift. Ist aber auch Käse, dass in seinem eigenen Roman immer wieder gesoffen wird, aber auch das Rauchen wird mit tiefen Atemzügen ins Mikrofon verherrlicht.

„Wenn ich zu besoffen bin, dann sind die Kellnerinnen dran…mit weitermachen“, kalauert Henry und rettet noch schnell den abgründigen Sexismus hin zur humoristischen Silhouette, wuchtet weiter „Sin City-eske“ Fäkalsprachengeschichten zwischen Ruhrgebiet und Hamburg in die Runde – zur Lesung kommt das Erstwerk „Weiber, Weichlinge, echte Männer“. Dass hier nicht alles politisch korrekt ist, ist auch so gewollt, dass hier die Frauen mehr Bückstück als integriert sind, geschenkt. Testosterongeschwängert, immer mit einem Griff an prall gefüllte Eier, da hat selbst der Hodendämon Respekt, wobei Henry ein wenig zu starr aus den Seiten liest und immer wieder Lacher einfängt, wenn er das Skript verlässt und spontan, auch dem wachsenden Rauschpegel geschuldet, seinen Porno-Krimi erweitert - die Kellnerinnen müssen nochmals dran glauben.

Enemy Within übernehmen dann in einem weiteren Part mit fünf weiteren Songs die Abendgestaltung, stehen kurz vor dem Karrieresprung zu „Metallica Within“, stellen so ganz nebenbei sogar neue Songs vor und werden wohl voraussichtlich im Januar 2013 wieder das Studio entern, um an der nächsten CD zu feilen. Der Applaus heute Abend ist zwar nicht enthusiastisch, aber eine Spur mehr als okay, ein schönes Zwischenspiel bei der Lesung, eine nette Abwechslung zum eigentlichen Grund des Zusammentreffens.

Im zweiten Leseteil gehen die Schoten dann gerne noch ein wenig heftiger über die mit Steroid Bourbon benetzen Lippen, bei „Das Luxusweib“ flimmern nur allzu deutlich Kopfkinoinhalte durch den Raum, als beim Bild „Wichsen mit beiden Oberarmen“ auch noch die entprechende tonale Untermalung aus dem Publikum kommt – warum denkt dabei jeder nur an groß und nicht an dick? -, dann kann man schon im wahrsten Sinne des Inhalts ins „Schleudern“ kommen. Fußfetisch (das Ablecken der seit Tagen ungewaschen Füße), aber auch diverse Sexualpraktiken wie die „Doggy-Style-Rückwärtskriech-Fickeinheit“ sorgen für aufmüpfiges Lachen fernab von trotz oder gar verschämter Berührtheit.

Alles darf, nicht muss, nur eines sollte man an diesem Abend nicht machen: Alles viel zu ernst nehmen. Nein, dafür sind die Storys zwischen Analkrustenrestlecken, dem nächsten Spontanfick, den unorthodoxen Detektivaufklärungskünsten einfach zu krude – pure Unterhaltung, die ein wenig an der voyeuristischen Ader kratzt. Irgendwie schade, dass Henry nur mit Steroid Bourbon und E-Zigarette sowie mit Worten spielt, denn ein paar echte Titten wären doch auch ganz nett gewesen – aber die hängen ja schon an der Wand.

Setlist Enemy Within:

    Just Another Scar
    Of Ashes
    Prey’s Anatomy
    Call Me Armageddon
    And Demons Wait Below
    A Vile Peace
    Enemy Within
    Genocide 21
    Bloodstained
    A Gun And A Deathwish

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