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Henry Schädelbach: Leichentanz der Amazonen

Mehr Blut, mehr Gedärme, mehr von allem!

Cover zu "Leichentanz der Amazonen"

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Es gibt so Momente im Leben eines jeden Menschen, wo man gezwungen ist, einfach mal ehrlich zu sein und seine Fehler zuzugeben. Nach der kürzlichen Lektüre des „Weiber, Weichlinge, Echte Männer“-Romans von Henry Schädelbach drängte sich trotz aller Begeisterung im Nachhinein ein bisschen der Gedanke auf, das man(n) und auch frau mit solch kurzweiliger Unterhaltung zwar ein paar hundert Seiten lang Spaß haben kann, sich das Konzept aber auf Dauer eher weniger an der Spitze der Lieblingsbücher positionieren wird.

Zwei verspätete Züge, eine Menge Flüche und eine Busfahrt später klappt man dann den zweiten vorliegenden Roman „Leichentanz der Amazonen“ mit einem breiten Grinsen und einer vermutlich für Außenstehende etwas befremdlichen Mischung aus Erregung und Blutdurst in den Augen wieder zu. Die etwas über 200 Seiten hatte man quasi in einem Rutsch durchgelesen und war schon relativ zu Beginn aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Schon der „härteste Roman aller Zeiten“ war nicht unbedingt als leichte Kost einzuordnen, „Leichentanz der Amazonen“ legt von allem noch mal eine Schippe drauf: mehr Blut, Gedärme, Eiter (davon nicht mal besonders viel, aber es passt hier so schön in die Auflistung), Sperma und eine fast inflationäre Zurschaustellung weiblicher Geschlechtsorgane (wobei Schädelbach selbst mit seiner Intimsphäre diesmal vergleichsweise hinterm Berg hält) – was will man als Horror-Splatter-Porno-Satire-Fan mehr?!

Die Hintergrundstory ist wieder ähnlich skurril wie beim ersten Buch: Eine heiße Braut, die er in seiner Funktion als Privatdetektiv kennenlernt, wird in einen mysteriösen Wald entführt, wo Schädelbach nicht nur auf die so genannte Große Mutter und ihren Amazonenstamm trifft, die laut der Beschreibung des Meisters gut und gerne als abschreckendes Beispiel für zu viel Junkfood und zu wenig Bewegung herhalten könnte. Nicht genug damit, dass das Monsterweib den armen Kerl als Spermaspender missbraucht, es gibt auch für die Sadomaso-Fans unter den Lesern eine sehr hübsch beschriebene Szene, wo der Detektiv und sein Weibchen ausgepeitscht werden.

Neben der Story an sich lernt man auch noch allerhand Nützliches – beispielsweise, dass Männer mindestens genauso multitaskingfähig sind wie Frauen und dass die gemeinhin bekannten hysterischen Anfälle des weibliches Geschlechtes daraus resultieren, dass die Gebärmutter bisweilen in den Arsch rutscht. Schädelbach unterhält also seine treuen Leser nicht nur, er bildet sie auch noch weiter. Ein besonderes Schmankerl ist auch Kapitel Nummer zehn, wo der Titel tatsächlich um ein Vielfaches länger ist als das Kapitel an sich – aber auch hier, wie bereits beim ersten Buch, wurde die Handlung wieder in handliche Kapitelchen verpackt, die sich gut lesen lassen, ohne dass man danach gleich den Faden verliert.

Wie oben schon angedeutet, vertieft sich Schädelbach dieses Mal wesentlich mehr in blutige Beschreibungen seiner Kämpfe gegen die Amazonenfrauen. Da kriegt man dann wie in Kapitel 13 („Schönheitsfehler“) schon mal eine leichte Gänsehaut – Höhepunkt des Gemetzels ist aber definitiv die Flucht des Privatdetektivs aus den heiligen Hallen der Großen Mutter. Zartbesaitete Menschen sollten dabei vielleicht nicht unbedingt etwas essen, und schon am allerwenigsten ein schönes Mettbrot, wenn beschrieben wird, wie der gute Mann sich durch die Innereien der Dame wühlt, um wieder einen Ausgang zu finden. Überhaupt kann man sich die fette Chefin leider nur allzu gut vorstellen – an plastischen Beschreibungen mangelt es auf den knapp 220 Seiten keineswegs.

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich schon mehr oder minder das dritte Buch „Zug der Ungeilen Toten“ in der Hand und bin bereit, mich wieder in ein Meer von Blut und Schmodder zu stürzen. Wenn man das erste Buch mochte, könnte man auch „Leichentanz der Amazonen“ sehr amüsant finden – wenn man aber schon „Weiber, Weichlinge, Echte Männer“ zu derb fand, wird man hier nur angeekelt die Nase rümpfen und die Seiten bestenfalls als Toilettenpapier benutzen. Ich für meinen Teil bin mittlerweile Fan.

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