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Heike Denzau: Tod in Wacken

Mordermittlungen inmitten des W:O:A-Trubels

Heike Denzaus dritter Roman spielt inmitten der Feierlichkeiten während des W:O:A 2012

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Eher durch Zufall beim Surfen bin ich auf das vorliegende Buch „Tod in Wacken“ gestoßen, das allein durch den Titel natürlich ins Auge springt. Mag platt und nicht sonderlich einfallsreich klingen, besitzt aber eine nicht zu leugnende Effektivität. Denn als jemand, der gerne liest und vor allem leidenschaftlicher Metalhead ist, musste ich das Teil natürlich schon aus reiner Neugier sofort einsacken.

Es handelt sich um einen Kriminalroman, bereits den dritten einer Reihe, in der als Hauptakteurin die Itzehoer Oberkommissarin Lyn Harms fungiert. Es ist allerdings nicht zwingend erforderlich, die beiden vorigen Bände zu kennen, da die Handlung von „Tod in Wacken“ trotzdem für sich steht. An verschiedenen Orten in Deutschland werden drei Männer innerhalb eines kurzen Zeitraums auf dieselbe Weise ermordet – quasi an ihrer Wohnungstür hingerichtet. Einen Zusammenhang scheint es nicht zu geben, bis sich herausstellt, dass die Männer einer gemeinsamen Leidenschaft frönten: der Liebe zum Heavy Metal. Offensichtlich trafen sich die Drei jedes Jahr, um zusammen auf dem Wacken Open Air zu feiern. Lyn Harms muss nun inmitten des Festivals gemeinsam mit ihren Kollegen – darunter ihr neun Jahre jüngerer Kollege Hendrik Wolff, mit dem die zweifache, geschiedene Mutter liiert ist – ermitteln, und verhindern, dass der Killer erneut zuschlägt.

Es soll ja inzwischen unendlich viele Krimis geben, die im Norden spielen, doch dieser kann aus der Masse trotzdem relativ problemlos hervorstechen. Einmal ist die Idee, einen Krimi auf dem W:O:A spielen zu lassen, recht originell, auch wenn man sich die Frage stellen kann, wieso eigentlich noch nie vorher jemand auf diese Idee gekommen ist. Des Weiteren hat Autorin Heike Denzau gut recherchiert; wer schon mal auf dem W:O:A war, wird einige beschriebene Stellen sicherlich wiederentdecken, zumal Festivalorganisator Holger Hübner die Schriftstellerin sich ausgiebig auf dem Gelände hat umsehen lassen.

Auch die Beschreibung der Atmosphäre und der Stimmung kommt tatsächlich recht authentisch herüber, man kann sich ein Schmunzeln oftmals nicht verkneifen. Sicher, ein bisschen wird das Bild vom saufenden Metaller mit großem Mundwerk und frechen Sprüchen gezeichnet, aber dies geschieht schon irgendwie auf eine liebevolle Art. Es kann ja auch niemand leugnen, der bereits auf dem W:O:A war, dass es dort schon oft gut asi zugeht, und Denzau versteht es außerdem trotzdem zu betonen, dass sich Menschen unterschiedlichster Couleur auf dem Festival versammelt haben (auch Herzchirurgen oder Polizisten, so ist ein Kollege von Lyn beispielsweise ebenfalls begeisterter Metaller), die, in friedlicher Stimmung vereint, einfach Spaß miteinander haben wollen und immer bereit sind, anderen in Notsituationen zu helfen.

Davon kann sich auch Lyn, die zunächst alles andere als angetan davon ist, dass sie auf dem Festival ermitteln und sich dem „Gedröhne“ aussetzen muss, recht bald überzeugen, und sieht sich sogar den Gig von Dimmu Borgir an. Aus den weiteren Bands, die erwähnt werden – U.D.O., Scorpions, Cradle Of Filth, D.A.D. – lässt sich übrigens schließen, dass die Ausgabe von 2012 gemeint ist, was auch logisch ist, da das Buch im letzten Jahr erst erschien.

Insgesamt ist das Ganze gute Unterhaltung, leicht zu lesen (problemlos auch an einem Tag), spannend und zum Teil sogar packend. Die Wendungen sind interessant und durchaus plausibel – vom logischen Standpunkt her auf jeden Fall schlüssiger als so manch hanebüchener Tatort – und sprachlich passend und glaubwürdig sowie mit einer guten Prise norddeutsch-trockenem Humor gewürzt. Auch wissen die Charaktere zu gefallen. Apropos norddeutsch: Ein ebenfalls nicht unwesentlicher Punkt dürfte sein, dass die Autorin selbst gebürtige Itzehoerin ist (*1963), also aus der Gegend kommt und so die Dinge erstens besser einordnen und beurteilen kann als ein Außenstehender, und zweitens dadurch auch eine gewisse Verbindung zum Festival hat und somit von Anfang an keine Gefahr läuft, nur mit überholten Klischees um sich zu werfen. Das Schöne an regionalen Geschichten ist eben, dass man selbst irgendwie näher dran ist. Das Buch kann man jedenfalls sowohl Wackengängern, Metallern im Allgemeinen oder auch einfach nur Krimifreunden uneingeschränkt empfehlen.

Titel: Tod in Wacken
Autorin: Heike Denzau
Erschienen: 2013
Verlag: emons Verlag
Umfang: 256 Seiten
ISBN: 978-3954510641

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