Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Gebrüder Thot: Das Déjà Vu

Hörspiel für Metaller
Zum Thema

Fast ein Jahr ist vergangen, seitdem mit “Die Spinne” die erste Familienproduktion aus dem Hause Lindner veröffentlicht wurde. Das Hörspiel-Debüt der Brüder Stefan und Thomas (SchandmaulWeto) kam bei Hörspielfans gut an und mit Spannung wurde der zweite Teil der Reihe “Gebrüder Thot” erwartet. Mit “Das Déjá Vu” erreicht uns jetzt endlich ein würdiger Nachfolger.

Die Struktur der CD selbst entspricht der ihres Vorgängers und beginnt mit dem bereits bekannten hörspielartigen Intro. “Das Wort als Schwert” heißt es dort. Untermalt von derben Industrialklängen stimmt das sogleich auf die folgenden Erzählungen ein. 
Auch beim zweiten Teil der Reihe werden keine Einschlafgeschichten erzählt, sondern Realität und Fiktion trefflich versponnen um manchmal unbequeme Inhalte zu thematisieren. Verpackt wird das Ganze in zwei spannende Geschichten, auch diesmal eingerahmt von Musik der Münchner Industrial-Band VorTex.

Der Plot der titelgebenden Geschichte “Das Déjá Vu” kommt einem im Nachhinein irgendwie bekannt vor, besitzt aber trotzdem einen gewissen Reiz und weiß in seiner Ausgestaltung durchaus zu gefallen. Das Hörspiel beschreibt die mehr oder weniger zufällige Begegnung zweier Zugreisenden. Aus einem anfänglichen Smalltalk entwickelt sich schnell ein hitziges Streitgespräch zwischen einem (von bösen Zungen etwaig als Feiertagskatholik geschmähten) Christen und einem doch eher als engagiert einzuordnenden Agnostiker. Themen sind Religionen und Spiritualität im Allgemeinen und das Christentum mit der Vorstellung von Himmel und Hölle im Speziellen, Bibelzitate inklusive. Im weiteren Verlauf werden die beiden Protagonisten wortwörtlich von ihrer Vergangenheit eingeholt und die Geschichte endet blutig und makaber. Dabei bleibt aber durchaus Platz für ein dreckiges Grinsen.

Weniger um Glauben und Religion als um eine Verbindung aus Realität und Wahnsinn geht es in der folgenden sechsteiligen Horrorgeschichte. Zunächst begleitet der Hörer einen gestressten Geschäftsmann auf dem Weg zum nächsten Termin. Hoffnungslos vom Weg abgekommen rettet sich dieser vor Unwetter und Dunkelheit in den in einer alten Mühle gelegenen Gasthof “Zum Meister”. Die weiteren, für den Herrn eher unvorteilhaften, weil recht blutigen, Ereignisse bilden die Basis der Geschichte. Parallel dazu werden die Gespräche des zuständigen Kommissars und Pathologen wiedergegeben. Für Leser von The-Pit.de passend ist letztgenannter ein Verfechter härterer Klänge, in diesem Fall vertreten durch die Death-Metal-Band Cyclotron und Patrick Baumanns (Agrypnie, Ex-Nocte Obducta) Black-Metal-Soloprojekt Melkor. Ein gewisses Hintergrundwissen in Sachen Rock / Metal ist ohnehin von Nutzen, um einige der Anspielungen (zum Beispiel auf Schandmaul oder Devin Townsend) zu verstehen. Wie man aus dem Hause Lindner hört, sind Parallelen zu Preußlers “Krabatt” oder gewissen amerikanischen Kriminalserien rein zufälliger Natur.
In jedem Fall vermag “Zum Meister” bis zum bitteren Ende und darüber hinaus zu fesseln, schon allein, weil eine stete Ungewissheit auf Seiten des Hörers immer neue Theorien zum Geschehen entstehen lässt.

Ihrem Stil treu bleibend gelingt es den Brüdern dennoch, den viel beschworenen nächsten Schritt zu tun. Man wirkt selbstbewusster und routinierter. Es werden mehr Sprecher eingesetzt und die Geschichten wirken vielschichtiger und komplexer. Dabei geht aber nichts vom rauen Charakter und der angenehmen Authentizität verloren. Die Qualität der Aufnahmen und Soundeffekte ist weiterhin hochwertig, aber eben weniger poliert als bei “großen” Produktionen.
Insgesamt erwarten den geneigten Hörer hier pralle 79 Minuten, wobei davon über eine Stunde auf das eigentliche Hörspielvergnügen entfällt. Der bereits vorab auf Soundcloud veröffentlichte Trailer zu “Das Déjà Vu” versteckt sich übrigens am Ende der CD als Hidden Track und entfaltet erst hier seinen eigentlichen Charme.

Das positive Fazit des Vorgängers kann man hier ohne Bedenken wiederholen. Insofern sei den Fans des Erstwerks ein dringender Besuch beim Plattenhändlers ihres Vertrauens angeraten. Freunde des gepflegt blutigen Hörspiels, die vor etwaig unbequemen Inhalten und sozialkritischem Anspruch nicht zurückschrecken, sollten die Gebrüder Thot-Reihe von Lindenblatt-Records auf jeden Fall einmal antesten.

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend