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Game Of Thrones: Season 1

Rezension zur Blu-ray-Veröffentlichung der ersten Staffel

Covermotiv der ersten Staffel: Eddard Stark auf dem Eisernen Thron

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Von „Game Of Thrones“ dürfte inzwischen wohl jeder schon mal etwas gehört haben, schließlich wird die Serie spätestens seit dem Start der dritten Staffel im letzten Jahr dermaßen gepusht und gehypt, dass man sich dem gar nicht mehr entziehen kann, selbst wenn einem das Ganze komplett am Allerwertesten vorbeigehen sollte. Allerdings ist die Show eben auch einfach wahnsinnig gut gemacht und selbst Hardcore-Fans der Bücher sind größtenteils sehr angetan von der Umsetzung, das Gemecker hält sich erstaunlich stark in Grenzen, was bei Literaturverfilmungen ja doch eher selten ist.

Aber dass „A Song Of Ice And Fire“-Autor George R.R. Martin in das Mammutprojekt selbst involviert ist, als Executive Producer fungiert und auch ein paar Folgen selbst geschrieben bzw. mitgeschrieben hat, ist natürlich recht vielsagend. Der amerikanische Schriftsteller ist quasi selbst Fan der Serie und achtet sicherlich auch mit darauf, dass nicht zu sehr von der Buchvorlage abgewichen wird. Vor allem ihm muss man den unglaublichen Erfolg der Serie gönnen, da er nun erst richtig die Früchte seiner Arbeit erntet; erst durch die Show sind viele auch auf die Bücher aufmerksam geworden, sodass die Auflage immens gestiegen ist. Wer solch eine unfassbare, bis ins kleinste Detail durchdachte Saga schreibt und sich insbesondere bei der Charakterisierung so viel Mühe gegeben hat, verdient es einfach, diesen Lohn endlich einzufahren.

Was das Abweichen von der Buchvorlage angeht, hat man sich gerade bei der vorliegenden ersten Staffel sehr stark ans Buch gehalten – erst bei der zweiten und dann auch der dritten und vierten Staffel gibt es stärkere Veränderungen. In der ersten Season stehen die Personen des Haus Stark und vor allem dessen Oberhaupt Eddard im Vordergrund. Die Serie kommt gleich gut in Fahrt, auch wenn es zunächst – jedenfalls wenn man gänzlich ohne Vorkenntnisse einsteigt – nicht ganz einfach ist, all dem zu folgen, vor allem, da sofort eine ganze Reihe von Charakteren vorgestellt wird. Allerdings endet bereits die erste Episode mit einem ordentlichen Cliffhanger, der jede Menge Brisanz enthält und letztlich entscheidend für den Verlauf der gesamten Serie sein wird.

Wobei es bei „Game Of Thrones“ stets die Details sind, die entscheidend für den Fortlauf sind. Manchmal fällt einem dies auch erst nach mehrfachem Sehen auf, wenn man bereits spätere Folgen gesehen hat und sich dann wieder mal ältere ansieht. Das jedoch ist nur ein besonderer Reiz dieser Serie. Beeindruckend ist zunächst einmal die Produktion an sich. Die grandiose Ausstattung mit wahnsinnig prachtvoller Kleidung, bei der man sich sehr genau an die meist ziemlich ausführlichen Beschreibungen Martins in den Büchern gehalten hat, die tollen Landschaften (viel wurde in Nordirland und Irland gedreht) und die aufwendigen Kulissen – das sieht einfach großartig aus und lässt einen ganz schnell in die mittelalterlich angehauchte GoT-Welt abtauchen.

Des Weiteren haben die Macher der Serie, David Benioff und D. B. Weiss, beim Casting offenbar ein goldenes Händchen gehabt: Nicht nur, dass die Schauspieler einfach gut sind, sie passen auch fast durchgängig bestens zu den Rollen. Dass man bei den Kindern die Altersgrenzen etwas höher gelegt hat als im Buch (ungefähr drei Jahre), ist dabei verständlich, da Sex und Gewalt nun einmal eine nicht unerhebliche Rolle spielen. In der ersten Staffel dürfte der bekannteste Name wohl Sean Bean sein, der Eddard Stark, den Lord von Winterfell, verkörpert, und einer düsteren Intrige auf die Spur kommt, die sein Leben und das seiner Familie bedroht. Der Einzige, der vom schauspielerischen Niveau nicht ganz mit den anderen mithalten kann, dürfte Kit Harington als Eddard Starks Bastardsohn Jon Snow sein, der allein schon von den Gesichtsausdrücken viel mehr Variabilität an den Tag legen müsste – schade, denn Jon Snow ist eine der wichtigsten Rollen und da wäre weitaus mehr drin.

Dennoch sollte man sich, wenn man die Serie mag, unbedingt die DVD oder noch besser die Blu-ray besorgen, da hier ein wahrhaft wertiges Produkt angeboten wird. Die Verteilung der zehn Episoden à knapp eine Stunde auf fünf Discs ist etwas seltsam und rätselhaft; zum Beispiel drei Discs mit den Folgen und zwei mit den Specials hätten irgendwie mehr Sinn ergeben, aber dass das Ganze mit viel Liebe gestaltet wurde, kann man nicht bestreiten. Die Menüs sind sehr stilvoll gehalten und immerhin miteinander verbunden, will heißen: Hat man beispielsweise Episode sechs gesehen und möchte nun die siebte anschauen, die sich jedoch auf dem nächsten Silberling befindet, kann man direkt ohne Menü weitergucken, sobald man die nächste Disc eingelegt hat.

Auch bei den Extras wurde sich sehr viel Mühe gegeben: So gibt es eine interaktive Übersicht über alle Adelshäuser, was vor allem für den Neueinsteiger ein gutes Feature ist, um durch die komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse und überhaupt die Fülle an Adelsgeschlechtern durchzusteigen. Außerdem sind jede Menge Audiokommentare verfügbar, etliche Making-ofs (u.a. sogar eines nur über den preisgekrönten Vorspann) und versteckte Easter Eggs (wenn auch hier passend zur Show als „Dracheneier“ bezeichnet).

Bild und Ton sind erwartungsgemäß absolut erste Sahne, selbstredend sind deutsche und englische Tonspuren verfügbar, allerdings: Wer Englisch kann, muss „Game Of Thrones“ unbedingt im Original anschauen (trotz der vielen schottischen und irischen Akzente; zur Not kann man schließlich englische Untertitel einblenden), denn die Synchronisation ist einfach zum Davonlaufen. Uninspiriert, schlecht übersetzt, schlecht dargeboten – so etwas Desaströses habe ich selten erlebt, selbst die grausame Synchro von „How I Met Your Mother“ ist dagegen noch erträglich. Es geht wirklich jegliche Atmosphäre verloren und allein die Übersetzungen von Orten und Namen grenzt schon an eine Vergewaltigung (wenngleich man sich hier an die Buchübersetzung gehalten hat) – „Königsmund“ statt „King’s Landing“, „Lennister“ statt „Lannister“ – die Liste ließe sich ewig fortsetzen, einfach entsetzlich. Bei „Herr der Ringe“ hat man zwar auch die Namen teilweise ins Deutsche übersetzt, zugegeben, aber irgendwie funktionierte das da besser.

Nichtsdestotrotz glänzen HBO hier wieder einmal mit einer großartigen Serie; an dieser Stelle seien auch die HBO-Shows „The Wire“ und „Sopranos“ dringend empfohlen, die brandneue Reihe „True Detective“, von der bisher eine Staffel umgesetzt wurde, ist ebenfalls ganz hervorragend und wert, angesehen zu werden. Bei „Game Of Thrones“ indes ist jetzt schon klar, dass es mindestens sieben Staffeln geben wird. Da George R. R. Martin bislang lediglich fünf von sieben geplanten „A Song Of Ice And Fire“-Büchern veröffentlicht hat, muss er sich bei dem Tempo, das die Serie vorlegt, wohl auch bald ein wenig ranhalten…

Titel: Game Of Thrones Season 1
Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: ca. 560 Minuten, plus Specials
Altersfreigabe: FSK 16
Produktion: David Benioff, D. B. Weiss
Darsteller: Sean Bean, Peter Dinklage, Lena Headey, Nikolaj Coster-Waldau, Emilia Clarke, Kit Harington, Iain Glen, Sophie Turner, Maisie Williams, Isaac Hempstead-Wright, Alfie Allen, Michelle Fairley, Richard Madden, Mark Addy u.a.

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