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Frank Schäfer: Der Couchrebell

Ein Manifest des (fehlgeschlagenen) Rebellentums
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Beim Titel „Der Couchrebell“ denkt man wohl in erster Instanz an Anekdoten aus dem Familienalltag eines ergrauten Metalheads, eines ehemaligen Rebellen, der Widerstand gegen Windeln getauscht hat und der Revolution höchstens noch dann im Ansatz praktizieren kann und darf, wenn er mit dem holden Weib über die Auswahl des abendlichen Fernsehprogrammes diskutiert (sofern der Filius sich die Fernbedienung nicht bereits unter den Nagel gerissen hat).

Doch weit gefehlt! Herr Schäfer verfütterte bereits in „Die Wahrheit über Heavy Metal“ (ebenfalls von uns verschlungen und bewertet) Hochgeistiges an den willigen Leser und liefert auch in seinem aktuellen Buch Gesellschaftsanalysen, deren Wortlaut weit entfernt ist vom spießbürgerlich erdachten prolligen Metalhead.

Mit der eigenen Jugendband wird noch einmal versucht, an die damals rosige Zeit der Rebellion anzuknüpfen, bis den Herren selbst auffällt, dass manches, was mit 17 noch als cool galt mit Ende 40 eher Anlass zur Sorge, wenn nicht gar zur Belustigung, gibt. Es wird dargelegt, wieso Onkel Adolf vielleicht der einzige wirkliche Rebell der Schäfer’schen Truppe war und nicht nur das obligatorische, dem Alkohol verfallene Familienmitglied, für das man sich bei großen Feiern immer ein bisschen schämen muss. Das hauseigene Lesetrio Read Em All (Schäfer gemeinsam mit Alex Klingenberg und Till Burgwächter, sozusagen das Trio Infernale der deutschen Dichtkunst) wird ebenso in den Revoluzzerstand erhoben (auch wenn die Revolution hier eher im Geiste stattfindet) wie Peter Pan oder der eigene Nachwuchs, der sich sehr zur Freude des Erzeugers auch mal ganz bewusst über Verbotsschilder hinwegsetzt beziehungsweise seinen zwiegespaltenen Papa beim Widerstand unterstützt – bei Schäfers wird das keimende Rebellentum noch gefördert, das Kind zum Idealismus erzogen und mit gestrecktem Mittelfinger hinaus in die Welt geschickt. Nebenbei bekommt der Leser noch nützliche Tipps zum Überleben in ländlichen Gegenden, in denen nicht mal das „soziale Netzwerk in Form einer Litfass-Säule“ aufrecht erhalten werden kann, mit auf den Weg („Gewöhne dich schnell an das heimische Bier!“).

Nach der Lektüre fühlt man zweierlei: Erstens mutet einem die früher so sorgsam gepflegte Rebellenhaftigkeit irgendwie schwach und peinlich an. War es wirklich nötig, mit 15 auf der Familienfeier in zerrissenen Klamotten und Stachelhalsband zu erscheinen? Musste man aus Protest morgens um zwei Cradle Of Filth laut aufdrehen, damit nicht nur die eigene Mutter, sondern auch die Nachbarn drei Straßen weiter merken, wie unglaublich böse und anti man eigentlich drauf war? (Das Ganze relativierte sich übrigens recht schnell, als die erste Nightwish-Platte daheim lief und die Mutter sie sich heimlich auslieh, statt über „den unmöglichen Lärm“ die Augen zu verdrehen…) Zweitens formt sich die Frage im Bewusstsein, wie man ein bisschen gepflegtes Anti-Feeling in den eigenen Alltag integrieren und sich somit wenigstens einen Rest Eier bewahren kann, ohne allzu aufgesetzt zu wirken. Dass das nicht funktioniert, indem man wütenden Statusmeldungen verfasst über die „angepassten Spießer“ und wie „scheißegal einem die Meinung der Gesellschaft“ doch sei, scheint längst nicht allen klar zu sein; stattdessen öfter mal „Nein“ sagen, gegen den Strom schwimmen und, ja, auch mal den Mittelfinger zeigen – es lebe die Revolution!

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