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Final Depravity: „Thrash Is Just The Beginning“ – im Studio besucht

"Dat is dat, wat los ist"

Die Gelsenkirchener Thrasher Final Depravity sind ein gutes Beispiel dafür, wie sehr die Szene gerade im Pott pulsiert, sich verändert, wächst und nach oben strebt. Schon früh hatten sie diverse Erfolge zu feiern, wozu sicherlich auch damals Sodoms Tom ein wenig beigetragen hatte. Überzeugender aber waren sie schon vom Fleck weg auf der Livebühne, denn bereits beim zweiten Gig ihrer noch jungen Karriere kurz vor Weihnachten 2009 spielten sie vor Sodom in der ausverkauften Bochumer Matrix und konnten nicht nur sich selbst beweisen, sondern auch zahlreiche Fans überzeugen.

Lange ist es her, dabei hatten sie zu diesem Zeitpunkt mit der 3-Track-Demo „Nightmare 13“ noch nicht wirklich viel Material anzubieten, was sie dann mit dem im Oktober 2010 veröffentlichten Debüt „Nightmare 13“ nachholten. Doch nach dem Release zeigte sich auch, wie schwer es ist, mit einem stabilen Line-up zu arbeiten, denn mittlerweile ist mit Bandkopf und Gitarrist Dennis „Blaze“ Baron nur noch ein Gründungsmitglied mit an Bord. Nach dem Ausscheiden von Sänger Schumi übernahm Blaze kurzerhand den Sangesposten selbst, wobei die Band sich zum ersten Male so beim Turock Open Air 2010 präsentierte.

Trotzdem zeigte sich auch das damalige Gefüge als instabil, erst seit 2012 sind sie nun wieder in einem gefestigten Umfeld aktiv. Neben Gitarrist Oliver Hey ist nun seit 2011 auch Bassist Alex Voß dabei, neuester Zugang ist der Schlagzeuger Jerome Reil. Nach und nach arbeiteten sie an neuen Songs, die nun nach einer Veröffentlichung drängen, wobei die Jungs teilweise auch noch Zeit gefunden hatten, nicht nur in anderen Projekten aktiv zu sein, sondern auch befreundeten Bands auszuhelfen. So war Blaze z.B. bei Deus Inversus dabei und veröffentlichte mit Cadaver Disposal Mitte März den Duisburger Todestoß „May All Be Dead“. Zwischendurch übte er auch mal ein paar Songs von The Very End auf der Klampfe und stand für einige Shows parat, während Bassist Alex durchaus auch wandelfähig seinen Tieftöner bei Gloryfuls Liveshows malträtierte.

Härter, schneller, so die Ansage damals noch zum Debüt, wobei man sich da natürlich auch schnell verzocken kann, wie Final Depravity erfahren mussten, denn Härte hat auch nichts mit Geschwindigkeit zu tun. So lässt Blaze bei der Visite im Studio durchblicken:

„Auf jeden Fall haben wir den Stil verändert, damals waren wir nur drauf gefasst, einfach nur schnell zu spielen und auf langen Alben so viel Potenzial herauszuhauen, wie es nur geht. Mit den neuen Erfahrungen, mit den neuen Einflüssen von uns allen ist das eine ganz andere Schiene. Das Album ist noch immer hart, hat aber ganz viele groovige Parts, besser strukturiert, was dann auch viel besser ankommen wird.“

Der Aufnahmeprozess zog sich eine gute Weile, genau genommen über Monate hin, wobei sie sich schon selbst flachsend zuwerfen, dass beim Debüt die kompletten Takes in einem Studio in einem Monat (damals nur ein paar Tage durch einen Wasserschaden im Studio aufgehalten) stattfanden, nun aber Produzent Sascha vermeldet, dass sie nun schon einen Monat am Sound vom Schlagzeug gefeilt hätten, wobei die Aufnahmen dafür dann innerhalb von drei Tagen über die Bühne gingen. Ein bisschen Hilfe von Ventor (Kreator-Drummer; Anm.d.Red.), in dessen Proberaum auch die Drumspuren digitalisert wurden, und einmal in der Zeche Carl, so haben sie, allerdings in einem anderen Raum, dort auch gleich die Gitarren aufgenommen. Die Leads, die Bassspuren und auch der Gesang finalisierten sich dann aber im frisch bezogenen eigenen Proberaum dank der neuen Technik, die heutzutage auch dort adäquate Sounds hervorbringt. Sascha bringt sich ein:

„Ich habe die meisten Sachen in Proberäumen aufgenommen, aus finanziellen Gründen. In den letzten zehn Jahren wurden einfach die Produktionsetats immer kleiner bis nicht mehr vorhanden. Das war in den Neunzigern noch ganz anders.“

Ein ganz anders Problem stellt sich für die Gelsenkirchener ebenfalls dar, denn eines der wichtigsten Entwicklungsprozesse war, dass Bandkopf Blaze lernen musste, Aufgaben auch abzugeben, was wohl nicht immer selbstverständlich war, hatte er doch in der Vergangenheit sämtliche Fäden in der Hand. Und wie sieht das jetzt aus? „Wir sind freundschaftlich perfekt drauf“, lässt Blaze durchblicken und betont: „Jeder trägt seinen Teil zur Band bei, was vorher nicht so war.“ Natürlich war es anfänglich schwer, Blaze aus der Bandleader-„Misere“ herauszuziehen“, doch Gitarrist Oliver zeigt durchaus Verständnis für dieses antrainierte Verhalten.

Aber auch musikalisch haben sie sich ein wenig verändert. „Die Songs müssen einfach strukturierter werden“, so Oliver vorneweg, denn schon live haben sie neue Songs zum Besten gegeben, die Groove-orientierter, abwechslungsreicher, aber nicht minder hart waren. Mit mehr Struktur ist aber auch gemeint, dass viele Parts einfach wieder herausgestrichen wurden, dass nochmals ein Riff hier oder dort überflüssig war und demzufolge herausflog. Sascha wirft ergänzend ein, dass ja eigentlich die Vorproduktion ein komplettes Album war, was aber nicht mehr vergleichbar mit dem wirklich jetzt kommenden Produkt sei. „Stellenweise wusste ich gar nicht mehr, welchen Song ich vor mir habe“, dokumentiert Sascha den Reifeprozess. Labeltechnisch halten sie sich aber noch bedeckt, wobei Sascha wenig Verständnis dafür zeigt, das „jedes noch so beschissene siebte Nebenprojekt von irgendeinem humpelnden Skandinavier“ gefeatured wird.

„Thrash Is Just The Beginning“, so der Titel des lange erwarteten zweiten Albums von Final Depravity, wird von Dennis „Blaze“ Baron wie folgt kurzerhand beschrieben:

1. Thrash Is Just The Beginning
Titelstück, beschreibt den Werdegang vom Debütalbum „Nightmare 13“ bis jetzt (erstes Wort im Text „Nightmare“, letzte Worte „Thrash is just the beginning“)
Musikalisch: Thrashige Strophen, melodischer Refrain und groovige Parts unterstützen nochmals die Aussage „Thrash Is Just The Beginning“

2. Tale Of Woe
Beschreibt „Hass“ als Charaktereigenschaft, der in jedem Lebewesen vorhanden ist. Das Lied beschreibt, dass durch verschiedenste Einflüsse aus der Umwelt sich in jedem
„eine Blase des Hasses aufbaut“, und hat man kein Ventil, diesen Hass abzubauen, dann „bricht das innere Biest heraus“
Musikalisch: Voll auf die Fresse mit knallharten Riffs

3. The Prediction
Ist eine erfundene Geschichte, in der es um eine Prophezeiung geht, in der die Menschheit ausstirbt, nachdem die Dämonen die Herrschaft über den Himmel erlangen.
Musikalisch: Der Song gestaltet sich viel grooviger und langsamer als andere Songs,
der cleane Part am Anfang/ Sprechgesang soll das Ganze noch mehr wie eine Geschichte wirken lassen, das zweite Solo am Ende unterscheidet sich sehr von anderen Soli der Platte

4. Dementia
Ballerburg/ Tabletten/ Zwangsjacken in der Sesamstraße, und der Psychiater guckt zu.
Musikalisch: Der Song gestaltet sich rockiger als andere

5. Gates To Nothingness
Ist ein instrumentales Akustikstück, soll teilweise in den nächsten Song überblenden –
„Gates To Nothingness“ passt textlich zu „Garden Hate“

6. Garden Hate
Zur Geschichte des Textes: „Garden“ als vollkommende grüne Idylle, „Hate“ als Gegenstück, die Menschheit, die sich durch ihr „Machen und Tun“ auf der Welt langsam ihr eigenes Grab schaufelt, z.B. „globale Erderwärmung, Kriege und Terrorismus etc.“
Musikalisch: Mehr „Beginning“ als „Thrash“, in den Refrains viel melodischer als andere Songs, der Refrain klingt bewusst episch, der Endbreak ist durch das Schlagzeug wie eine Marschmusik und soll den letzten epischen Refrain hymnisch zur Geltung bringen

7. Vengeance
Der einzige Song der Platte mit knapp acht Minuten, das Thema ist Rache und welche Folgen diese mit sich zieht
Musikalisch: Da kommt das Beste zusammen (knackig wie Slayer, würzig wie Kreator und melodiös wie Metallica)

8. Create Havoc
Purer Thrash Text: Tod, Terror und Verderben
Musikalisch: Schneller Song, hat aber seine bewussten Temposchwankungen

9. Requiescat In Pace (R.I.P.)
Hier haben wir einen lateinischen Text am Werk, in den Strophen Latein und in den Refrains Englisch. Der Titel sagt wohl alles: Keine Geschichte hinter, Text behandelt das Thema Tod
Musikalisch: Schnell und gnadenlos, das Ende gestaltet sich aber grooviger.

10. Coversong, hatten Lust, mal was zu covern, der Songtitel folgt später

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“