Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

"Die Wahrheit über Heavy Metal"

Hier tropft Metal von jeder Buchseite
Zum Thema

So kann es gerne öfter laufen: Ein Päckchen liegt nach Feierabend bereit, man zieht begeistert ein Büchlein heraus, im Wissen, dass Rezi-Exemplare derselben normalerweise eher spärlich gesät bzw. nur elektronisch zu haben sind, ein gutes Mettbrot wird geschmiert und ab auf die Couch – drei Stunden später ist das gute Stück gelesen und das Review ebenfalls im Kasten. So einfach ist das natürlich nicht immer, „Die Wahrheit über Heavy Metal“ zeigt sich aber trotz des sehr vollmundigen Titels von seiner allerbesten Seite.

Wenn einem der Titel ein bisschen bekannt vorkommt, mag das daran liegen, dass vor einigen Jahren Metal-Schreiberling Till Burgwächter mit seinem „Die Wahrheit über Wacken“-Titel bereits in aller Munde war. Herausgegeben wurde das gute Stück ebenso wie das vorliegende vom Reiffer Verlag, der in „Die Wahrheit über Heavy Metal“ im schicken blau-schwarz-weißen Einband einige Menschen versammelt hat, die es wesentlich besser als die Allgemeinheit verstehen, den Metal in Worte zu kleiden. Man möchte betonen, es handelt sich ausschließlich um männliche Autoren. Daraus könnte man spitzfinderisch ableiten, dass die Emanzipation trotz entsprechender Vorreiterrinnen noch nicht so richtig im Metalsektor angekommen ist, man könnte sich vielleicht auch fragen, ob die Damen der Schöpfung sich vielleicht genauso auf Festivals benehmen wie die Kerle (ich sage: schlimmer!) und sich nur an nichts mehr erinnern… Fakt ist aber, dass die die 23 Anekdoten ihr Geld wert sind.

Ein sehr schönes Vorwort („Männer, die auf Gitarren starren“) von Christian Krumm leitet den schwarzbunten Reigen ein, das Herzblut tropft förmlich von den Seiten, die harte Musik wird hier mit all ihren Feinheiten ausgebreitet, so dass sicherlich auch der ein oder andere Nicht-Metaller hier ein Tränchen vergießen möge. Grandios auch der formvollendet höfliche Brief, den der Fürst der Finsternis höchst persönlich an einen seiner getreuen, pubertierenden Anhänger richtet, um einen Seelenkontrakt zu schließen („Lieber Klaus-Dieter“ von Christian Bartel).

Natürlich dürfen auch ein paar Seiten über das „Metal-Mekka“ Wacken nicht fehlen, die mir als wahrscheinlich einzigem Metalfan, der nie dort war und es auch nicht beabsichtigt, nicht besonders viel Interesse entlocken. Leicht farblos und fast ein wenig steif monologisiert Dr. phil. Frank Schäfer hier vom Festivalreigen – aber so fad sich das auch ausnehmen mag, so wunderbar sind dann doch die weiteren Anekdoten des Autors, die beispielsweise beleuchten, wie unauffällig die nächste Metalgeneration herangezüchtet wird – sei es anhand alltäglicher Beschallung („Heavy Metal Kids“) oder unter den Fittichen leuchtender pädagogischer Vorbilder („Ein kleiner Mundvoll“).

Gemeinsam mit Till Burgwächter und Axel Klingenberg (der sich übrigens bedenklich häufig dem Thema Alkohol zuwendet) hat Herr Schäfer sich ganz nebenbei übrigens zum „Read Em All“-Literaturtrio zusammengetan; das Trio Infernale bereist die größeren und kleinen Säle der Republik, um das Publikum mit heiteren Geschichten zu erfreuen. An dieser Stelle erfreuen die Herren den Leser wiederum mit den kleinen Freuden des Tourlebens – und selbst schlaflose Nächte im Angesicht eines Schlaf-Apnoe-Kandidaten können da unheimlich belustigend werden, wenn der richtige Autor sie beschreibt.

Insgesamt kann man für gerade mal 9,90 Euro also eine ganze Palette an Geschichten erwerben, die einen zwar hauptsächlich zum Schmunzeln bringen, aber tief drinnen doch auch am Herzen rühren und den Leser in trauter Zweisamkeit mit der Gewissheit zurücklassen, dass „Szene“ auch mehr heißen könnte, als sich vor Musiknazis rechtfertigen zu müssen.

comments powered by Disqus

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen