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Dee Calhoun: Tales Of The Screaming And Mad

Dee Calhoun erzählt wahnsinnige Geschichten - nicht nur in seinen Songs

Dee Calhoun schreibt nicht nur Musik, sondern auch Geschichten

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Oftmals springen Musiker ja mit dem nackten Arsch voran ins Fettnäpfchen, wenn sie sich außerhalb ihres ihnen angestammten Metiers befinden. Man denken nur an Ikonen wie Elvis Presley, der mit seinem Gesang und Hüftschwung Millionen verzückte, als Schauspieler aber trotz relativ solider Leistung nicht unbedingt für gehaltvolle Filmkunst stand (gleiches gilt übrigens für Madonna, Cher, Mariah Carey, Christina Aguilera,… ihr wisst schon). Wenn es um die schreibende Zunft geben, haben zumindest Popstars meistens auch nicht gerade die Intelligenz mit Löffeln gefressen; anders sieht es da schon bei unser aller Lieblingsgenres Metal, Rock oder Gothic aus. „Swords Of Steel“ beispielsweise beweist mittlerweile im zweiten Volume eindrucksvoll, wie sich Metal-Musiker zu Metal-Lyrikern mausern und in fantastische Welten abtauchen – Mr. „Screaming Mad“ Dee Calhoun reiht sich nun ein in den düsteren Reigen.

Wobei „jetzt“ eigentlich ziemlich falsch ist, erschien seine Kurzgeschichtensammlung „Tales Of The Screaming And Mad“ doch bereits 2015, Kurzgeschichten schreibt der bärtige Herr bereits seit über 20 Jahren – und hat damit aus der Not eine Tugend gemacht, um langweilige Nachtschichten zu überstehen. Neben seinen musikalischen Tätigkeiten bei Iron Man und seinem Soloprojekt hat Dee bereits das ein oder andere Mal seine prägnante Stimme für H.P. Lovecraft-Hörspiele hergegeben – nun wundert es wahrlich nicht mehr, wo der fantastische, größtenteils horrorlastige Spirit herkommt, der in den 50 short stories vorherrscht.

Da begegnen uns ganz klassisch Werwölfe („More Than Werewolves“), Vampire und Monster, gleichzeitig porträtiert Dee den alltäglichen Wahnsinn in Form seelisch verkrüppelter Amokläufer („Time Heals“),  Serienmörder oder mordender Ehepartner („Her Smile“), manche Geschichten stehen auch ganz im Zeichen der Religiosität – bestes Beispiel hierfür ist die großartige, etwas längere Geschichte „Perchance To Feed“, die bereits 1995 entstand und somit eine der ersten Geschichten des Sängers markiert. Mit „#21502“ hat Dee außerdem eine wenig schmeichelhafte Hommage an seine Heimat Cumberland in Maryland verfasst, die die im Buch versammelten Genres noch um das Sci-Fi-Element erweitert.

Wer hier kurzweilige Unterhaltung erwartet, wird ziemlich überrascht sein, obwohl das Büchlein durchaus in wenigen Stunden durchzulesen ist – der Autor schafft aber in beinah jeder Geschichte eine solch starke Kehrtwendung, dass man auch als erfahrener Fantasy- und Horrorleser am Ende der Erzählungen überrascht auflachen muss. Versuche, während der Story das Ende zu erraten, scheitern regelmäßig; Dee überrascht, schockiert, pikiert den Leser. Ein bisschen Nachdenken muss man auch bei vielen der Geschichten – stumpfes Blut-und-Gedärme-Gemetzel findet man hier nirgends. Genau das macht „Tales Of The Screaming And Mad“ aber so spannend – und so prädestiniert dafür, es abends unter der Bettdecke zu lesen…

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