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Clive Barker: Gewebte Welt

Über einen der visionärsten und einfallsreichsten Fantasy-/Horrorromane der letzten Jahrzehnte

Cover des Buches in der Neuauflage

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Zunächst einmal: Ich bin ein glühender Fan des am 5. Oktober 1952 in Liverpool geborenen Horror-Schriftstellers. „Gewebte Welt“ war nach „Cabal“, „Spiel des Verderbens“, „Imagica“, „Jenseits des Bösen“ und „Stadt des Bösen“ der sechste Roman des Engländers, den ich gelesen habe und das zwölfte Buch insgesamt, wenn man die sechs, längst Kultstatus genießenden „Bücher des Blutes“ (die mittlerweile in zwei Bänden mit der Aufteilung I-III und IV-VI ziemlich günstig erhältlich sind), jeweils als einzelne Werke ansieht.

Warum ich dieses Special verfasse? – Nun, ich denke doch, dass ein Horror-Schriftsteller in unserer Szene eine gewisse Relevanz hat, zumal eine Menge Metal-Musiker Barker als einen ihrer Lieblingsautoren nennen und zum Beispiel Cradle Of Filths Album „Midian“ lose auf Barkers Roman „Cabal“ basiert. Der Autor selbst gestattete der Band, das Wort „Midian“ – das im 1988 erschienenen Buch, welches nach „Spiel des Verderbens“ (1985), „Das Tor zur Hölle“ (1986) und eben „Gewebte Welt“ (1987) sein vierter Roman war, für eine Art Parallelwelt steht – für ihre CD zu verwenden.

Clive Barker ist außerdem nicht nur irgendein Horrorautor, sondern einer der erfolgreichsten der modernen Literatur und wird für seine Phantasie und seinen anspruchsvollen, metaphorischen Schreibstil auch von Genre-Kollegen hochgelobt. So wird beispielsweise  Stephen King nicht müde, in den höchsten Tönen von dem Liverpooler zu schwärmen. Er sei so gut, dass ihm die Spucke wegbliebe und er wäre ein „wichtiger, aufregender und zu Recht enorm erfolgreicher Schriftsteller“. Hierzu muss allerdings erwähnt werden, dass King und Barker eng befreundet sind undtiefen Respekt vor dem Schaffen des jeweils anderen hegen. 

Möglicherweise werden die Beiden deswegen auch oft miteinander verglichen, wobei man sagen muss, dass der Vergleich an sich hinkt, denn obwohl beide prinzipiell dem Horror-Genre zugeordnet werden, unterscheidensie sich in Schreibstil, Struktur und Story doch ziemlich voneinander. Auch wenn ich persönlich Stephen King ebenfalls sehr schätze, muss ich sagen, dass Clive Barker um einiges anspruchsvoller, komplizierter und sicherlich auch eleganter schreibt, vor allem jedoch sind seine Geschichten wesentlich abstrakter, abgefahrener und was Gewaltdarstellung, Ekelfaktor und auch Sexszenen angeht, definitiv härter und expliziter.

Der inzwischen in Los Angeles lebende Barker ist allerdings nicht nur Schriftsteller, sondern außerdem noch Regisseur, Filmproduzent, Drehbuchautor und Maler. Des weiteren wirkte er an der Realisierung mehrerer Computerspiele mit und leitete während seiner Studienzeit an der Universität von Liverpool eine Theatergruppe. Ein absolutes Multitalent also, das sich in erster Linie aber schon als Schriftsteller sieht.

So viel zunächst einmal zur kurzen Übersicht zum Autor selbst; wenden wir uns nun dem Roman „Gewebte Welt“ zu, den ich hier eigentlich besprechen will. Sicherlich hätte ich auch einen der anderen fünf nehmen können, die ich gelesen habe, denn schlecht fand ich keinen davon (nein, auch nicht das von vielen zu meinem Unverständnis verrissene „Imagica“), aber „Gewebte Welt“ war nun einmal der letzte, den ich von ihm las, an den ich mich dementsprechend, gerade was Details angeht, am besten erinnern kann und der außerdem in Sachen Einfallsreichtum auf jeden Fall ganz weit vorne rangiert. Zurecht bemerkt „Kirkus Reviews“ auf der Rückseite des Buches: „Der ehrgeizigste und visionärste Horrorroman des Jahrzehnts. Fast jede Seite ist prall mit originellen Ideen gefüllt. Barker hat seinem literarischen Genie freien Lauf gelassen, ohne es je zu zähmen.“ 

In der Tat kann man sich nach der Lektüre dieser ausgewogenen Mischung aus Fantasy und Horror nur fragen – gerade, wenn man vorher auch schon etwas von ihm gelesen hat –, wie ein einzelner Mensch so unglaublich viel Phantasie haben kann – allein schon, wenn man von der Grundidee des Buches erfährt: Es geht um eine Welt jenseits der menschlichen, in der ein Volk lebt, das die „Seher“ genannt wird. Diese sind den Menschen, welche sie selbst „Cuckoo“ nennen, anatomisch gesehen nicht unähnlich, haben aber besondere hellseherische und magische Fähigkeiten. Sie sind auf der Flucht vor einer mächtigen Kreatur, die sie als die „Geißel“ bezeichnen, und die sich zum Ziel gemacht hat, die Seher zu vernichten. Um sich vor ihr und auch den Menschen, die ihren Lebensraum immer weiter ausdehnten, zu schützen, hat man die gesamte Welt in einen Teppich (!) eingewoben.

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