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Carola Kickers: Atem in der Nacht - Geschichten aus dem Reich der dunklen Engel

Nicht wirklich doll, aber zum Glück auch kein schlimmer Vampirkitsch

Cover von "Atem in der Nacht"

Zum Thema

Vampirismus in der Literatur ist sicherlich nicht unbedingt jedermanns Sache und weniger der Titel „Atem in der Nacht“, als noch viel mehr der Untertitel „Geschichten aus dem Reich der dunklen Engel“ lassen Vampirkitsch der schlimmsten Sorte vermuten.
Der unglücklich gewählte Titel erweckt jedoch größtenteils einen falschen Eindruck: Das sprachliche Niveau ist in Ordnung, pseudo-romantische Vampirerotik wird größtenteils vermieden.

Zwar lassen mich die sieben in Hörbuchform präsentierten Kurzgeschichten nicht gerade vor Begeisterung an die Decke gehen, zumindest aber kann man eine gewisse Atmosphäre nicht leugnen. Aber der Reihe nach:

„Atem in der Nacht“: In der Titelgeschichte geht es um einen Trucker, der in einer Gaststätte einen ihm merkwürdig erscheinenden Kollegen kennenlernt, dem er aus Neugier hinterherfährt. An dessen Ziel wird dem Protagonisten ein Job angeboten: Er soll noch lebende Opfer von Verkehrsunfällen auf der Autobahn wegbringen, bevor die Sanitäter eintreffen. Er willigt ein, schon weil er den besonders schönen Truck unbedingt fahren will, der ihm angeboten wird.
Insgesamt nicht schlecht die Geschichte, aber wenig spannend.

„Rote Rosen, schwarzes Blut“: Der Titel lässt schlimmstes vermuten und leider bestätigt sich diese Befürchtung. Schon allein der erste Satz: „Es gibt eben keine Rose ohne Dornen“ geht mal gar nicht und auch die Geschichte ist äußerst langweilig. Es geht um einen Vampir namens Jérôme, der sich als Callboy oder so etwas ähnliches tarnt (er sieht aus wie Mitte 20) und als Kunden zumeist einsame, ältere Frauen hat, denen er, wenn sie bei ihm sind, das Blut aussaugt. – Es passierthier nicht viel, es wird eigentlich nur erzählt, wie Jérôme und seine Kundin Viola sich kennenlernten. Wie gesagt, alles andere als spannend und schleppend erzählt, hinzu kommen die irgendwie klischeehaften Namen wie Jérôme, Viola und Isabelle.
Übrigens die einzige Geschichte, die nicht in der Ich-Form erzählt wird.

„Das Ghetto“ stellt wohl die beste Geschichte dar, zumindest ist sie einigermaßen originell: Die Menschen halten Vampire in einem Ghetto gefangen und füttern sie mit „falschem“ Blut, sodass sie alle vergessen, was für Fähigkeiten sie besitzen, wie beispielsweise Telepathie. Erst als eine hübsche Vampirin namens Charlotte auftaucht, die den Vampiren wieder richtiges Blut verschaffen kann, erinnern sie sich dieser nützlichen Utensilien und schaffen es, auszubrechen. Daraufhin wendet sich das Blatt und die Menschen sind den Vampiren wieder untertan.
Von der Idee her gar nicht übel; zumindest mal etwas, was über das übliche Ich-beiß-dich-und-überleg-mir-ob-ich-dich-töten-oder-zu-meinesgleichen-machen-soll hinausgeht.

„Hauptgewinn“ dagegen ist wieder eher Standard und an Bram Stokers Dracula angelehnt. Eine junge Frau namens Monika gewinnt eine Reise, weiß aber nicht, wohin das altmodische Propellerflugzeug sie bringen wird, als sie einschläft und in einem Schloss in Transsylvanien (nein, mal ganz was Neues...) aufwacht, in welchem ein Graf (hättet ihr’s geahnt?) wohnt, der sich (und jetzt kommt’s, haltet euch fest...) als Vampir entpuppt.
„Hauptgewinn“ soll wohl eine Hommage an Bram Stoker sein, aber ob die Welt das gebraucht hat, wage ich doch mal in Frage zu stellen.

In „Wiedergänger“ geht es um einen Journalisten, der in New Orleans für eine Reportage recherchieren soll und nach und nach bemerkt, dass das Tageslicht ihm irgendwie nicht so recht bekommen will. Als er auf einem Friedhof landet, wo er sein eigenes Grab entdeckt, erinnert er sich, dass er vor zwei Tagen starb, als ihn eine Frau, nachdem er aus einer Kneipe kam, verführte und das Blut aussaugte. Er findet sich mit seinem Schicksal ab und beschließt, nun selbst durch die Gemeinde zu ziehen, sobald die Verwandlung endgültig abgeschlossen ist.
Sagen wir: solide Kost – aber erneut eine Geschichte, die niemandem weh tut und alles andere als spannend ist.

Selbiges gilt für „Eisherz“, welches von einer Vampirin handelt, die passenderweise in einem Nachtclub arbeitet und sich nach Feierabend junge Herren als Nahrung angelt. Da man bereits sieben ihrer Opfer gefunden hat, muss sie bald die Stadt verlassen und erzählt hierbei, wie sie selbst zu einem „Kind der Nacht“ wurde.

Die CD wird mit dem nur dreiminütigen „Stille“ beschlossen. Das Ganze könnte auch „Reflektionen eines Vampirs“ heißen können: Ein Vampir sitzt in der Abenddämmerung auf einer Bank auf einem Friedhof und sinniert über die Menschen, die stets in Eile und Hast leben, außer wenn sie sich auf dem Friedhof befinden. Außerdem versucht er zu erklären, dass Vampire keineswegs Bestien seien, sondern den Menschen nur das gäben, wonach sie sich sehnen.
Diese kurze Geschichte hat eher den Charakter eines Nachworts und ist nicht übel, weil sie mal eine etwas andere Sichtweise darstellt.

Insgesamt aber muss ich als Fazit ziehen, dass mich die dargebotenen Geschichten nicht unbedingt mit Begeisterung erfüllen. Es gibt ordentliche Ansätze und manches ist ganz nett  („Atem in der Nacht“, „Das Ghetto“, „Stille“), aber es kommt einfach keine Spannung auf oder die Geschichten sind schon mal dagewesen („Hauptgewinn“), klischeehaft („Rote Rosen, schwarzes Blut“) oder belanglos („Wiedergänger“, „Eisherz“).

Die beiden Sprecher Lenard Kunde und Wiebke Zielke wechseln sich jeweils ab und haben sehr angenehme Stimmen, wobei der Mann eine härtere, klarere Aussprache hat, die Frau dagegen manchmal schleppend liest und eine weichere Aussprache vorzieht. Beides ist nicht schlecht, diese unterschiedlichen Mittel bieten willkommene Abwechslung.

Ein paar wenige Passagen in direkter Rede werden von einigen wenigen anderen Sprechern vorgetragen, was ich nicht für das beste Stilmittel halte, da es sich einfach nicht gut anhört, wenn eine Stimme zum Beispiel sagt: „Sie brauchen keinen Arzt, glauben Sie mir“ und dann direkt eine andere Stimme kommt, die fortfährt: „...sagte er mit der gleichen, freundlichen Stimme wie am Anfang unseres Treffens“. Vielleicht wäre es besser gewesen, nur die beiden Erzähler sprechen zu lassen und diese einfach die Stimmen ein wenig verändern zu lassen.

Aber das ist letztlich nebensächlich, worauf es ankommt, ist der Gesamteindruck und der ist nicht unbedingt positiv. Alle, die Vampirgeschichten mögen, werden sich das Teil ohnehin besorgen, aber um einen Pflichtkauf handelt es sich hier meiner Ansicht nach bestimmt nicht, dazu sind die Geschichten zu belanglos und zu wenig spannend, wenn auch auf gewisse Art atmosphärisch. Dann würde ich schon eher zu Klassikern wie Bram Stokers Dracula oder zu „Interview mit einem Vampir“ raten – oder meinetwegen auch zu John-Sinclair-Hörspielen.

Tracklist:

1. Atem in der Nacht (8’14)
2. Rote Rosen, schwarzes Blut (7’38)
3. Das Ghetto (7’03)
4. Hauptgewinn (11’10)
5. Wiedergänger (5’33)
6. Eisherz (7’02)
7. Stille (3’10)

gesprochen von Lenard Kunde und Wiebke Zielke
weitere Sprecher: Sven Küper, Maria Lichtschlag, Doug van Roegelsnap, Gerd Moors

Autorin: Carola Kickers

Gesamtspielzeit: 50:05  

Veröffentlichungsdatum: 29. Februar 2008 bei MCK-Music

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann