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Burning Cross: The Occult Decade(nce) Box

Für Fans ein echter Hingucker

"The Occult Decade(nce) Box"

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Gerade Black-Metal-Bands lassen sich ja mitunter recht ausgefallene Verpackungen für ihre Veröffentlichungen einfallen und neigen außerdem dazu, CDs auf fast schon lächerlich niedrige Stückzahlen zu limitieren, um es dem gemeinen Fan noch schwerer zu machen, eine vernünftige Sammlung aufzubauen (obwohl natürlich kein BM-Fan zugeben würde, dass er irgendetwas „sammelt“). Die Greifwalder Burning Cross feiern ihr zehnjähriges Bestehen ziemlich stilecht: „The Occult Decade(nce)“ nennt sich die zu erwerbende Box, die auf lediglich zehn Stück limitiert ist – was in diesem Fall auch eine Kostenfrage für die Band ist, denn die 7.62 mm-Kartusche, in die ein Shirt, Fotos, Poster, ein Patch und die entsprechenden Veröffentlichungen der Truppe verstaut sind, dürfte nicht nur in der Anschaffung etwas kostenintensiver sein, auch das Porto fällt hier etwas höher aus.

Ein Hingucker ist das gute Stück im CD-Regal allerdings, auch wenn hier ein bisschen mehr Platz freigeräumt werden muss. Im Inneren versammeln sich beinah alle Veröffentlichungen des Vierers: Das 2007er Album „Burning Cross“, das seinerzeit nur privat vergeben wurde; die „EP 2010“, ebenso wie die „Limits Of Life Compilation“ aus dem Jahr 2012, außerdem das relativ neue „End Of Illusion“-Tape (!), von dem es gerade mal 50 Stück gibt, und die auf immerhin 300 Exemplare limitierte „Splitter“-Compilation aus dem nicht allzu fernen Jahr 2016.

„Occult Machinegun Black Metal“ ist der Terminus der Wahl hier, den die Truppe sich selbst auferlegt hat; eher bizarr anmutende Ausrutscher wie „Eine Seefahrt“ (ja, wirklich!) mal nicht eingerechnet. Gerade auf der ersten Platte merkt man aber sehr deutlich den DIY-Effekt im Sound – gerade Songs wie „Kill Bill“ grooven aber trotzdem schon ganz passabel. Dass einige Tracks wie „The Burning Cross“ auf mehreren Veröffentlichungen vorhanden sind, mag wie Lückenfüllertum wirken, ist aber ganz gut dazu geeignet, die musikalische Entwicklung der Band nachzuvollziehen. Schon auf der „EP 2010“ klingt das Referenzstück nämlich deutlich ausgereifter, düsterer und zorniger. Insgesamt trauen sich Burning Cross auf der EP sogar ein bisschen mehr Melodie zu – ein Umstand, der sicherlich in der BM-Szene immer mal wieder heiß diskutiert wird, aber meistens eher zu mehr Tiefe und Düsternis beiträgt als pures Geschrammel.

Für eine Überraschung sind die Black Metaller aber auch abseits der Melodien gut: „Limits Of Life“ klingt zu Beginn wie ein Wohnzimmerkonzert, dumpf und vor allem mit akustischer Gitarre und klarem Gesang werden die ersten Stücke vorgeführt, erst mit „Intro/Der Angriff hat begonnen“ wendet sich dann das Blatt und „Mickey Mouse“ knallt wieder gewohnt fies, aber diesmal mit erstaunlich knackigem Sound durch die Boxen. Ohnehin scheinen Burning Cross mittlerweile ihren Stil gefunden zu haben – hier wirkt alles zum ersten Mal rund, Experimente gibt es nur in Form der drei Akustiktracks, alles was danach kommt ist purer Black Metal.

Einen deutlich dumpferen Sound gibt es dann (leider) auf der relativ aktuellen „End Of Illusion“ zu hören, aber einer Kassette kann man ein solches Gesumpfe auch schon mal nachsehen. Dieses Mal gibt es sogar einige neue Tracks zu hören: Da wird direkt mit dem rasanten „Worst Of All Diseases“ gestarte, das düster-depressive, über zehn Minuten lange „Grabenkrieg“ mit seinen eingestreuten Schüssen verpasst dann schon richtig gehendes Gänsehautfeeling, und auch diese Version von „Victorious March“ kann überzeugen.

„Splitter“ bietet dann ein Konglomerat zweier Demos aus den Jahren 2015 und 2016 – auch hier gibt es mit „Kirkebrann“ gleich einen unbekannten Track auf die Ohren, der vor allem durch die gedoppelten Gesänge im Refrain ordentlich Eindruck schinden kann, auch „Melancholia“ weiß hier durch den wesentlich druckvolleren Sound mehr zu überzeugen als auf „End Of Illusion“. Überhaupt: Je aktueller die Platten, desto zugänglicher werden naturgemäß die Songs, die nicht mehr klingen als wären sie im heimischen Keller aufgenommen worden. Dennoch: Auch die früheren Burning-Cross-Veröffentlichungen beinhalten das ein oder andere Highlight, ein besonderes Augenmerk sollte hier auf die Akustiksongs gelegt werden, die zwar soundtechnisch auch nicht das Gelbe vom Ei sind, aber vor allem mit gutem Gesang überraschen. Für Fans der Band ist die Box eigentlich ein Muss – für Fans des Genres zumindest ein echter Hingucker im Plattenregal.

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