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Bohemian Rhapsody

Zum biographischen Film über Freddie Mercury und Queen

Queen in den 1970ern.

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Am ärgerlichsten sind jedoch unvermittelte Zeitsprünge und mangelnde Charaktertiefe sowie Entwicklungen von Beziehungen. Kurz wird Mercury gezeigt, wie er vor seiner Musikerkarriere am Flughafen arbeitet, schnell trifft er auf die Band Smile, bei der May und Taylor zuvor zusammenspielten und mir nichts, dir nichts ist er dabei. Auch in späteren Sequenzen werden viele Aspekte zu schnell abgehandelt – so auch Freddies AIDS-Erkrankung. Es ist ja löblich, wenn man lieber seine künstlerischen Erfolge in den Vordergrund stellen wollte und nicht seine Krankheit, doch war diese nun mal ein Teil von ihm und hätte nicht nur mehr oder weniger am Rande abgekanzelt werden sollen.

Genauso hätte man Mercurys innere Zerrissenheit viel stärker zeigen dürfen, das ganze Thema wird sehr oberflächlich dargestellt. Dass der Musiker gerne wilde Partys feierte, wird sehr marginal behandelt, ebenso wie überhaupt sein Umgang mit dem Thema Sexualität. Hier wird deutlich, dass man für den Film unbedingt eine Jugendfreigabe haben wollte – auf explizite Szenen und auch Kraftausdrücke wird fast vollständig verzichtet, was aber um einer authentischeren und auch tiefgängigeren Darstellung willen nötig gewesen wäre.

Ferner werden manche Charaktere nicht richtig eingeführt – so zum Beispiel Mercurys langjähriger persönlicher Assistent Paul Prenter (Allen Leech), dessen Charakterzeichnung äußerst blass bleibt. Die Abneigung der anderen Bandmitglieder ihm gegenüber wird mehr als deutlich, doch wie er überhaupt in den Kreis der Combo gelangte, ist nicht wirklich klar, eine Weiterentwicklung in der langjährigen Beziehung zwischen ihm und Mercury nicht erkennbar. Auch die ganzen Jasager und Schmeichler, mit denen sich der Rockstar umgab, werden nicht näher beleuchtet, dabei war dies doch ebenfalls ein wichtiger Aspekt in dessen Leben; als er mit dieser Bagage auf Drängen seiner ersten großen Liebe Mary Austin (Lucy Boynton) endlich bricht, dringt gar nicht durch, was das genau für Leute sind.

Die komplizierte Beziehung zwischen Freddie und Mary wird glücklicherweise noch einigermaßen ausführlich behandelt, hingegen findet jene zwischen ihm und seinem späteren langjährigen Partner Jim Hutton (Aaron McCusker) kaum wirklich statt. Nachdem Mercury dessen Adresse in London endlich ausfindig gemacht hat, sieht man die Beiden kurze Zeit später beim Live Aid dann zusammen als Paar – die Rolle der für Freddies Leben sehr wichtigen Figur Hutton und die Entwicklung der Beziehung zwischen den zwei Männern fällt quasi komplett unter den Tisch, womit es sich „Bohemian Rhapsody“ dann doch zu einfach macht und von manchen Kritikern sogar den sicherlich überzogenen Vorwurf des „Straight-washing“ gefallen lassen musste.

Daher ist der Film insgesamt auch als nicht gelungen zu bezeichnen. Historische Ungenauigkeiten, mangelnder Tiefgang, blass gezeichnete Charaktere, ein eher oberflächliches Drehbuch und eine unzureichende Dramaturgie, die den Film recht zerhackt und unzusammenhängend erscheinen lässt, überschatten leider die starken schauspielerischen Leistungen und sehr authentisch dargebotenen Liveauftritte (man baute sogar extra das „Live Aid 1985“-Set nach) und selbstverständlich muss man auch über das Ende diskutieren. Verständlich, dass man Mercury nicht als körperliches Wrack kurz vor seinem Tod zeigen wollte und so den Film so lieber mit dem triumphalen „Live Aid“-Gig enden ließ, dennoch wäre es sicher interessant gewesen, auch diese düstere Phase etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Alles in allem ist selbst der Doors-Film, um darauf wieder zurückzukommen, wenigstens als reine Unterhaltung geeigneter als „Bohemian Rhapsody“, der einfach zu viele Schwächen offenbart und trotz Mitwirken der ehemaligen Bandmitglieder weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Trotz über zwei Stunden Länge wirkt das Ganze recht kurz und abrupt; es wird einfach zu viel weggelassen, unglücklich geschnitten und anderes verfälscht – schade, es wäre mit Sicherheit schon dann etwas Besseres herausgekommen, wenn man nicht auf Teufel komm raus versucht hätte, den Film ins Jugendfreigabeformat zu pressen, was bei einem Streifen über einen Rockmusiker bzw. eine Rockband ohnehin von Anfang an blödsinnig erscheint. Aber da ging es wohl mal wieder ums Geld.

PS: Nach Anschauen eines deutschen Trailers erscheint der Eindruck, dass die Synchro mal wieder unterirdisch geworden ist, deswegen sei die Empfehlung ausgesprochen, den Film (wenn möglich) im Original anzusehen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann